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Autor Thema: professionelle Pflanzenzüchtung  (Gelesen 14959 mal)

ThorstenK

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professionelle Pflanzenzüchtung
« am: 21. November 2007, 20:11:27 »

Hallo,

ich würde gerne wissen, wie im Labor unter professionellen Bedingungen neue Pflanzensorten gezüchtet werden.
Es ist ja eine langwierige Prozedur, wenn man immer erst warten muss bis eine Pflanze, die mit der zu kreuzenden Pflanze bestäubt wird, neue Samen produziert.
Mich interessiert, ob es bei indrustieller Züchtung im Labor schnellere Methoden gibt, eine neue Pflanze zu züchten, als die der Hobbyzüchter anwendet.
Weiß jemand etwas darüber?
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cimicifuga

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #1 am: 21. November 2007, 20:43:42 »

ja! die neuen sorten aus dem labor sind meist zufallsmutationen bei der in vitro vermehrung. ;D das kann man nicht planen.

es gibt mittelchen wie man muatationen auslösen kann (z.b. colchizin oder radioaktive strahlung)
aber ob und wie oft das wirklich angewendet wird, weiß ich nicht.
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Staudo

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #2 am: 21. November 2007, 21:14:24 »

ja! die neuen sorten aus dem labor sind meist zufallsmutationen bei der in vitro vermehrung. ;D das kann man nicht planen.

es gibt mittelchen wie man muatationen auslösen kann (z.b. colchizin oder radioaktive strahlung)
aber ob und wie oft das wirklich angewendet wird, weiß ich nicht.


Bei der Laborvermehrung gibt es die so genannte somaklonale Varianz, das habe ich hier irgendwo schon einmal geschrieben, aber der Begriff klingt so klug. Also, bei den Millionen von Pflänzchen aus Gewebekultur sind immer einmal Abweichler (aus Sproßmutationen) dabei. Diese werden gesucht und bei Gefallen als neue Sorte benannt. Colchizin wurde vor allem in den 60er, 70er Jahren zur Induktion polyploider Sorten (mit mehr als zwei Chromosomensätzen) genommen. Inwieweit das heute noch sehr verbreitet ist, weiß ich nicht. Gleiches gilt für Radioaktivität, mit der man die Genetik der Pflanzen „auflockern“ wollte.
Für die schnellere Züchtung gibt es heute die Gentechnik, die nicht zwangsläufig in den unangenehmen genveränderten Organismen münden muss. Leider bin ich aus dem Thema schon sehr lange raus. Vor zwanzig Jahren waren Kreuzung und Selektion noch am verbreitetsten.


Viele Grüße

Peter
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Daniel - reloaded

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #3 am: 22. November 2007, 16:26:56 »

Moin, ich bins mal wieder..... ;)

Also Kreuzung und Selektion sind bis heute noch die am weitestn verbreiteten Methoden der Züchtung. Die in Vitro Kultur spielt ja meist nur bei der späteren Vermehrung (z.B. Orchideen und Pflanzen die nur ssehr schlecht über Stecklingen vermehrbar sind wie Enziane) und zum Aufbau gesunder Mutterpflanzenbestände zur Stecklingsvermehrung (Beseitigung evtl. vorhandener Viren und Bakterien) eine Rolle. Die Massenvermehrung für die Gärtner läuft nach wie vor überwiegend über Stecklinge oder Aussaat, die in Vitro Kultur ist immer noch sehr teuer.
Das Colchicin wird meines Wissens nach bis heute noch eingesetzt, aber wesentlich weniger als früher. Zur Erzielung neuer Mutationen wird vor allem radioaktive Strahlung eingesetzt und viele Sorten entstehen einfach aus spontanen Sprossmutationen und werden dan weiter vermehrt.
Die Gentechnik (was man in den Diskussionen darunter versteht) spielt in der Züchtung eigentlich keine Rolle (ich spreche ausschließlich vom Zierpflanzenbau, in den anderen Bereichen kennen ich mich nicht aus), da sie zum einen viel zu teuer ist und zum andren die entstehenden Pflanzen keine Anbauzulasung kriegen bzw. trotzdem nicht angebaut werden. Die Jungpflanzen sind nämlich irre teuer und mehr Geld kriegt man dafür nicht, meit wird man auf der Ware sitzen bleiben......und das ist gut so! Nicht alles was man tun kann, muss man auch tun und dazu zählen für mich genveränderte Zierpflanzen...... wer braucht schon zwingend fluoreszierende oder leuchtend blaue Nelken (beide gibt es!) ??? ??? ???

LG Daniel
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callis

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #4 am: 22. November 2007, 17:12:14 »

Vielen Dank für deine Klarstellung, Daniel, sagt dir eine konventionelle Züchterin :D
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Lehm

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #5 am: 22. November 2007, 17:20:16 »

Die Gentechnik (was man in den Diskussionen darunter versteht) spielt in der Züchtung eigentlich keine Rolle (ich spreche ausschließlich vom Zierpflanzenbau, in den anderen Bereichen kennen ich mich nicht aus),

Da muss man sich ja auch nicht sonderlich auskennen, um zu wissen, dass "Gentechnik" bei der Züchtung von neuen Nutzpflanzensorten bereits eine sehr grosse Rolle spielt. Steht in jeder Zeitung.
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sarastro

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #6 am: 22. November 2007, 18:09:35 »

Unter professioneller Pflanzenzüchtung versteht man auch die Auslesezüchtung, welche nämlich einen Großteil der Züchtungsarbeit vieler Züchter ausmacht.

Wichtig auch bei den anderen aufwändigeren Selektionsarbeiten wie F1-Heterosiszüchtung ist immer das Endresultat und das Zuchtziel. Wie ich dies erreicht habe und unter welchem Aufwand, danach wird nachher kaum mehr gefragt, es sei denn, man meldet seine Sorte zum Sortenschutz an. Aber auch da wird nicht negativ beurteilt, ob es sich bei vorliegender Sorte um einen Zufallsfindling handelt oder diese durch jahrelange Selektionsarbeit erreicht wurde. Wichtig ist primär ein gutes Auge des Selektionierers und den Blick für die Vermarktungsfähigkeit.

Eine gute Züchtung behauptet sich stets eine Zeitlang am Markt.
« Letzte Änderung: 22. November 2007, 18:10:54 von sarastro »
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Daniel - reloaded

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #7 am: 22. November 2007, 18:37:06 »

@callis:
Naja, es gibt noch einer derart großen Genpool in der Natur den man nicht ausgeschöpft hat...... da denke ich reicht die konventionelle Züchtung völlig aus!
Was züchtest du denn wenn man fragen darf? Meine Beste Freundin in den vergangenen Jahren Weihnachtssterne..... und mein Beitrag bezog sich auch überwiegend darauf bzw. auf erichten aus der Fachpresse und Exkursionen.....

LG Daniel
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Daniel - reloaded

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #8 am: 22. November 2007, 18:42:40 »

@Lehm:
Naja wie groß die Rolle der Gentechnik bei Nutzpflanzen nun wirklich ist wird man sehen..... es wird zwar viel gezüchtet, aber ob davon hier jemals was in großem Stil auf den Markt kommt bleibt abzuwarten.
Und:
Nicht alles was die Gentechnik in der Landwirtschaft möglich macht (ich spreche nicht von manipulierten Tieren oder auch von irgendwelchen bunt gemischten Pflanzen) ist schlecht, jedenfalls dann nicht, wenn man es aus Sicht des Pflanzenschutzes in Verbindung mit dem Umweltschutz sieht. Aber das ist nicht das Thema hier.....

LG Daniel
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callis

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #9 am: 22. November 2007, 18:55:09 »

Zitat
Was züchtest du denn wenn man fragen darf?

Da du noch so neu bist hier, darfst du das noch fragen, Daniel ;D
Mein Nick ist die zweite Hälfte des botanischen Namens der Staude, der meine Züchtungsarbeit gilt. ;)
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Staudo

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #10 am: 22. November 2007, 18:58:42 »

Kleiner, unerlaubter Tipp: hat was mit der Blüte im Avatar zu tun.
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Re-Mark

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #11 am: 22. November 2007, 19:45:48 »

Ich bin leider kein Praktiker in der Pflanzenzüchtung, aber ich verfolge das Thema in verschiedenen Medien (Internet, Fernsehen, Bücher, Zeitschriften (auch Fachzeitschriften). Mein Eindruck ist:

- 'Gentechnik' wird nur von wenigen großen Firmen für einige wenige Sorten angewandt. Der gegenteilige Eindruck entsteht nur durch die größere Aufmerksamkeit in den Medien. (Wobei ich das durchaus für gerechtfertigt halte: obwohl ich nicht generell gegen gentechnisch veränderte Pflanzen bin, halte ich die gegenwärtige Praxis der de facto unkontrollierten Freisetzung für ein schweres Verbrechen.)

- Als stiller Mitleser in der Passiflora-Mailingliste weiß ich, dass bei der Züchtung einiger Klone Colchizin für die Erzeugung tetroploider Klone verwendet wird. Es sind aber nur wenige, und ich vermute, dass es in anderen Bereichen ähnlich aussieht: solche Mittel spielen zahlenmäßig keine große Rolle.

- Vermehrung über Zellkulturen ist die preiswerteste Vermehrungsmethode - aber erst ab einer gewissen Anzahl. Wenn also Gärtnereien doch per Steckling vermehren, dann liegt das einfach an der Absatzmenge.
Umgekehrt könnte man genauso sagen: Vermehrung per Steckling ist die preiswertere Methode - aber nur bis zu einer bestimmten Stückzahl.

- Sprossmutationen bei vegetativer Vermehrung spielen wohl vor allem bei (Blatt-)Zierpflanzen eine Rolle. Ich weiß, dass auch einige Apfelsorten auf solchen 'Sports' beruhen, aber das sind AFAIK im wesentlichen nur Farbveränderungen, mit denen Modetrends bedient werden (z.B. rote Äpfel bei einer ursprünglich nicht oder nur wenig roten Sorte).

- Der Hauptteil aller Züchtungsarbeit geschieht meines Wissens nach noch immer auf die Klassische Art: Kreuzung und Auslese.
Das kann, muss aber nicht 'im Labor' geschehen. Es ist ein sehr weites Feld, je nach Pflanzenart und Zuchtzielen kann es im wesentlichen Auslese aus vielen Millionen Sämlingen bedeuten oder auch die Kreuzung und Aussaat von nur wenigen Dutzend oder Hundert Pflanzen.

"Schnellere Methoden im Labor"? Nun, bei einigen Pflanzen wird z.B. nicht die volle Samenreife abgewartet, sondern die Embryonen aus unreifen Samen entnommen und auf Nährmedien 'durchgestartet'. In der Kern- und Steinobstzüchtung wartet man natürlich auch nicht, bis die ausgesäten Pflanzen irgendwann nach deutlich über zehn Jahren anfangen zu blühen, sondern veredelt Augen der Sämlinge möglichst bald auf bewährte Obstbaumunterlagen.
Alleine die optimalen Bedingungen im professionell betreuten Gewächshaus bedeuten gegenüber dem Hobbygärtner etliche Monate Vorsprung.

Bye,
Robert

« Letzte Änderung: 22. November 2007, 19:47:04 von Re-Mark »
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ThorstenK

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #12 am: 23. November 2007, 19:09:14 »

Angenommen man vermehrt eine Pflanze vegetativ und möchte schauen, ob sich unter den neuen Pflanzen eine Mutation befindet. Das erkennt man ja im frühen Wachstumszustand meist nicht. Gibt es eine Methode wie man als Hobbyzüchter festellen kann, ob es sich bei einer Pflanze um eine Mutation handelt? Sieht man das unter dem Mikroskop? Die DNA wird man ja nicht so einfach vergleichen können?

Die gleiche Frage in einem anderen praktischem Zusammenhang. Man hat zwei Sorten einer Pflanzenart und gewinnt von jeder Pflanze ein Steckling, aber man vergisst diese zu beschriften. Kann man auf irgendeine Weise herausfinden zu welche Pflanze ein Steckling gehört?
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Staudo

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #13 am: 23. November 2007, 19:30:23 »

Hallo Thorsten,

dass unter selbst vermehrten Pflanzen Sprossmutationen auftreten ist äußerst unwahrscheinlich. Dafür sind die Stückzahlen zu klein. Einen DNA-Test für den Hausgebrauch gibt es noch nicht. (Das gäbe noch mehr Vaterschaftsanfechtungen.) Auch unter dem Mikroskop kann man nichts erkennen. Wenn Du aus Versehen Stecklinge vertauscht hast, hilft nur warten, bis die Sortenunterschiede zu sehen sind.
Am ehesten erkennt man Sprossmutationen übrigens bei panaschierten (weiß- bzw. gelb gestreiften) Blättern. Das kann auch im Hausgarten mal passieren, ich habe selber ein panaschiertes Sonnenröschen (Helianthemum) ausgelesen.


Viele Grüße

Peter
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sarastro

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Re:professionelle Pflanzenzüchtung
« Antwort #14 am: 23. November 2007, 19:58:49 »

Es treten immer wieder bei den unterschiedlichsten Pflanzen Sprossmutationen auf, kommen und gehen wieder. Nur die wenigsten sind über Jahre einer vegetativen Vermehrung stabil, außer viele der Funkiensorten.

Letztes Jahr hatten wir das Glück, einen Trieb von Macleaya microcarpa abzusondieren, der wunderhübsch goldgelb/grau panaschiert war. Ich sah mich schon im 7. Himmel und Neuheitenkönig des Jahres 2008. Heuer waren alle abgesonderten Wurzelschnittlinge des panaschierten Triebes wieder grau in grau! :'( EinTrick, eine Panaschierung zu stabilisieren ist die mehrmalige Aussaat vom panaschierten Individuum, in der Hoffnung, irgendwann einen stabilen Typen auszulesen.
« Letzte Änderung: 23. November 2007, 20:00:00 von sarastro »
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