Wann war "früher" und welche Bauern sind gemeint?
Die Geschichte der Bauerngärten dürfte sehr unterschiedlich sein, je nachdem, in welcher Region der Bauernhof liegt und ob es arme oder wohlhabendere Bauern sind/waren.
Wer mit wachem Gärtnerblick mal durch den Niederrhein oder durch Westfalen streift, erfährt recht viel über die Gartenkultur der dortigen Bauernschaft. Deren Ansichten über das, was ein Garten sein soll, erhoben sich weit über eine "Bedürftigkeit" oder Nützlichkeit hinaus. Viele dieser Gehöfte hatten schon vor "ewigen Zeiten" und haben noch heute neben einem Nutzgarten (Gemüse, Obst) auch einen sehr ausgeprägten Ziergarten, der alles andere als frugal war. Ähnliches ist mir auch aus Bayern und dem Alten Land bekannt. Dieser Ziergarten lag traditionell an der Vorderfront des Langhauses, somit der "guten" Seite, deren Tür und Räume (Wohnzimmer) nur zu Festen und festlichen Tagen benutzt wurde. Die Seite gegenüber enthielt Küche, tägliche Aufenthaltsräume, Zimmer der Knechte und die Stallung und wurde üblicherweise über die scheunenartige "Enddoor" betreten bzw. befahren (Heu, Stroh etc.).
Die Geschichte dieser Bauerngärten wäre meines Wissens noch zu schreiben. Woher kam dieser "Anspruch" auf ausgeprägte Ziergärten mit allerdings recht traditionellem Bewuchs, aber durchaus "höfischen" Stilelementen? Von den englischen "Cottage-Gärten" ist bekannt, dass sie sich unter dem Einfluss adeliger Gartenkultur veränderten, was in einer recht frühen Neigung zu fremdländischen Gewächsen zum Ausdruck kam. In den Gärten des Niederrheins und Münsterlandes mögen ähnliche Einflüsse ebenfalls eine Rolle gespielt haben, wenn man an die zahlreichen Schlösser dieser Umgebung denkt. Ausschlaggebend aber dürfte aber der bäuerliche "Stolz" gewesen sein, der durchaus auch zu einer gewissen Prachtentfaltung fähig war. Diese Höfe waren durchaus nicht klein und ernährten Familie und Gesinde sehr gut. Über Geld wurde zwar nicht geredet, der Wohlstand aber auch nicht unter den Scheffel gestellt. Mächtige Hausbäume, mehrheitlich Eichen oder Linden, große Gebäude und eben dieser Ziergarten waren die Insignien eines sehr selbstbewussten Bauernstandes
Die Gärten meiner Verwandten in Hamminkeln haben zu jeder Zeit einem sehr kritischen Gärtnerblick standgehalten. Die Beete waren wie auch bei anderen Bauern üblicherweise mit Buchs eingefasst. Die Wege mit weißem Kies bestreut. Die Gehölze sind sehr schnell aufgezählt, es waren nur wenige: Flieder, Buchs (als Großsträucher), Eibe, Forsythie, Rhododendren, Heidekraut ein paar Koniferen und - durchaus auch der Blüte wegen - ausgewählte Obstgehölze (Pfirsich vor allem), die teilweise als Spalier gezogen waren. Der Holunder fehlte. Er wäre zu profan gewesen und wuchs ohnehin reichlich hinter der Scheune. Diese Sträucher und Bäume gaben zusammen mit den niedrigen Hecken dem Garten die Struktur. Die Beete selbst waren mit Rosen, gerne als Stämmchen, und mit Rosenkugeln und den gängigen Stauden und Einjährigen bestückt. Außer dem "Tafelobst" enthielten diese Gärten jedenfalls nichts "Nützliches". Es versteht sich von selbst, dass diese Schaugärten penibelst gepflegt wurden und den gleichen Reinlichkeitsaspekt aufweisen mussten wie die Gardinen des Wohnzimmers.