Die Samenbanken sind üblicherweise groß genug, daß an jeder geeigneten und ungeeigneten Stelle mehr als genug Samen sind. Das Problem ist eher die deutliche Abnahme geeigneter Stellen. Ich kenn den Brocken nicht, aber an vergleichbaren Standorten anderswo sind die Ursachen Bewirtschaftungsänderungen, Bodenverdichtung durch touristischen Betritt etc. Das Pflücken von Blumen - gleich ob für die vase oder später zur Saatgutgewinnung - bleibt weitgehen ohne Effekt. Sagen zumindesten die Populationsbiologen, denen ich mehr vertraue als Einschätzungen von Laien.
Pulsatilla alpina wächst übrigens nicht an extremen Standorten. Sie ist eine Art der Weiderasen.
Ich weiß nicht wie groß die Brocken-Population ist. Da sie als derart gefährdet gilt, muß ich annehmen daß sie sehr geschrumpft, also klein ist. aus Österreich wissen wir von Pulsatilla vulgaris-Populationen (P. oenipontana bei Innsbruck, Übergänge von ssp. grandis zu ssp. vulgaris in Oberösterreich, teilweise auch ssp. grandis in Niederösterreich), daß wenige Jahrzehnte der Isolation bei geringer Inividuenzahl ausreichen, derartige Inzuchtdepressionen hervorzurufen, daß die natürliche Reproduktion schwierig wird.
In Oberösterreich gibt es keine einzige Population mehr, in der sich auch nach Biotopsanierung, also nach der Rückführung in einen zur Reproduktion geeigneten Standort, Jungpflanzen entwickeln. Untersuchungen am Biologiezentrum in Linz haben gezeigt, daß es auch unter gärtnerischer Aufsicht kaum möglich ist, Jungpflanzen aufzuziehen. Die Populationen sind, wenn man nicht genetische Auffrischung durch Kreuzung mit Nachbarpopulationen betreibt, auch bei Rückführung in den Optimalzustand zum Aussterben verurteilt.
P. oenipontana scheint es da noch besser zu gehen, weil die Populationen größer sind. Die Keimrate ist aber auch hier gering.