So isses es!

Das leidige Vorurteil ist leider noch lange nicht aus der Welt, denn es gibt genug Leute, die an seiner Aufrechterhaltung arbeiten...

Es gibt tatsächlich eine große, deutsche Rosenschule, die in einem ihrer Kataloge empfohlen hat, man solle seine kompletten Rosenbestände nach einigen Jahren roden um "neue, bessere" Sorten zu pflanzen

- Versteht sich von selbst, daß dieser Katalog der letzte war, den ich dort geordert habe.
Aber nicht nur Großzüchter, die ja ein begründetes (

) Interesse haben, ihre neuen Sorten in zigtausendfacher Auflage irgendwie in den Markt zu quetschen und denen das immer weiter wachsende Interesse ( dafür hier ein Dank an euch!

) an historischen Sorten darum naturgemäß ein fetter Stachel im Auge ist (

), verbreiten das Vorurteil munter weiter...
Es wird in zig Tageszeitungsbeilagen von "Gartenexperten" munter nachgeplappert (die z.B. auch so sinnvolle Sachen empfehlen wie "im Frühjahr sollten bei Rosen a l l e Vorjahrestriebe bodeneben entfernt werden"

) und im Botanischebn Garten in Göttingen mußte ich beim damaligen PUR Treffen fast mit körperlicher Gewalt davon abgehalten werden, dem Leiter an die Gurgel zu gehen, der uns dort herumführte: Der behauptete nämlich dasselbe!
Als "Beleg" diente ein Beet, in dem historische Sorten viel zu eng, offensichtlich ungedüngt und ohne Unterpflanzung zusammengedrängt standen, natürlich weder gegossen, noch ausgeputzt und viele Sorten an völlig ungeeignetem Standort. - Natürlich hatte die eine oder andere davon Mehltau o.ä....
Auf der anderen Seite standen Neuzüchtungen in fettem Boden und waren offensichtlich gut gedüngt und gepflegt. - Klar sahen die besser aus, ist ja auch kein Wunder!!! - Solche "Beispielbeete" könnte ich auch genau umgekehrt anlegen...
Ein übriges tun viele große bunte Gartenmagazine: Natürlich werden da fast nur neue Sorten vorgestellt und wenn man die Anzeigengrößen und -anzahl der Inserenten betrachtet, besteht da immer eine merkwürdige Korrelation zwischen den jeweiligen Anzeigen und den aufgeführten Neuheiten dieser oder jener großen Rosenschule

Für solche kompetenten

Ratgebermagazine gehört das Ignorieren historischer Sorten wahrscheinlich zum Service gegenüber ihren Anzeigenkunden. Wenn dann alibihalber doch mal auch über ältere Sorten berichtet wird, sieht man oft ganz verwundert, eine bekannte rosa blühende Sorte in gelb abgebildet oder umgekehrt

Auch Abbildungen von Staudenbeeten, in denen - Wunder der Natur! - Frühjahrs- und Spätsommerblüher farblich aufeinander abgestimmt gemeinsam blühen, kann man in solchen Magazinen manchmal entdecken: Der Kenner staunt, der Laie wundert sich

Zusammengefasst muß man also leider sagen, daß es eine geballte Übermacht gibt, die das allbekannte und trotzdem unwahre Vorurteil gerne noch lange am Leben erhalten möchte...Aber ihr kennt ja sicher alle die Geschichte vom kleinen, gallischen Dorf?
