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Autor Thema: Faunenverfälschung durch "Nützlinge"  (Gelesen 1850 mal)

Günther

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Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« am: 10. Mai 2006, 18:56:34 »

Immer wieder werden gegen Blattläuse im Handel und in Foren "Australische Marienkäfer" empfohlen.
Abgesehen davon, daß die Begünstigung der heimischen Arten billiger, einfacher und wohl auch wirksamer ist, mir kommen da SEHR Bedenken bezüglich einer Faunenverfälschung. Wer weiß, was diese Fremdlinge noch in sich haben. Solche Experimente sind doch meist mißlungen.
Hat da wer Bemerkungen, Unterlagen, oder gar Erfahrungen dazu?
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Ismene

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #1 am: 10. Mai 2006, 19:42:02 »

Servus Günther,
ich entnehme deinem Post, dass du besorgt bist um die heimische Tierwelt. Das ist ja erstmal eine sehr positive Einstellung. :)
In Europa aber hat die Einführung von Tieren aus anderen Erdteilen meines Wissens noch zu keinerlei Problemen geführt. Wir sind ja nicht in Australien, sondern ein offenes System.
Der Kartoffelkäfer wurde ja auch verteufelt und ist jetzt aber sogar ins Beuteschema der einheimischen Tiere aufgenommen.

http://www.wdr.de/tv/service/tiere/inhalt/20011014/b_4.phtml
Zitat
Die Natur ist kein starres System, sondern ständig im Fluss. Es spricht für die Stabilität der natürlichen Lebensgemeinschaften, wenn sie in der Lage sind, sich zu verändern. Für die Natur ist ein vermeintliches Ungleichgewicht immer eine Herausforderung.
Daher finde ich, dass "Faunenverfälschung" für europäische Verhältnisse kein adäquater Term ist. Haben Türkentauben die Fauna verfälscht oder bereichert?
 

 
« Letzte Änderung: 10. Mai 2006, 19:42:27 von Ismene »
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max.

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #2 am: 10. Mai 2006, 19:45:33 »

@ismene,
Zitat
Der Kartoffelkäfer wurde ja auch verteufelt und ist jetzt aber sogar ins Beuteschema der einheimischen Tiere aufgenommen.
das ist mir neu! meinen kartoffelkäfern auch. weißt du dazu genaueres?
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fars

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #3 am: 10. Mai 2006, 19:48:46 »

Da war doch kürzlich etwas über den "Viktoriabarsch". ::)

Ganz so einfach ist es nicht, Ismene. So ist z.B. der europäische Flusskrebs kaum noch rekultivierbar, weil sein amerikanischer Vetter, der seinerzeit als bei uns die Krebspest ausbrach, eingeführt wurde, den europäischen Verwandten nicht überleben lässt. Das ist zwar nichts Dramatisches, aber ein Beispiel dafür, dass auch bei uns ein darwinscher "Verdrängungswettbewerb" besteht.
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Cogito

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #4 am: 10. Mai 2006, 21:16:39 »

Da fällt mir als erstes die spanische Wegschnecke ein, die mit Nahrungsmitteln nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde und sich hier explosionsartig vermehrt.
Des weiteren sind zb die nach Europa eingeschleppten Grauhörnchen eine Bedrohung für den Bestand der einheimischen Eichhörnchen.
Waschbären sind wohl eher für den menschen eine Plage als für die einheimische Tierwelt, aber das reicht ja vollkommen.
Ich denke, es gibt noch sehr viel mehr Beispiele und sehe die Einführung von "Nützlingen" aus anderen Erdteilen ebenso skeptisch.
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Tolmiea

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #5 am: 10. Mai 2006, 21:29:59 »

Immer wieder werden gegen Blattläuse im Handel und in Foren "Australische Marienkäfer" empfohlen.

Hat da wer Bemerkungen, Unterlagen, oder gar Erfahrungen dazu?

Vorsicht scheint angebracht....aus den Tiefen meiner Favoriten.....

http://www.pflanzenschutzdienst.de/pdf/aktuell/Harmonia%20axyrides.pdf

liegrü g.g.g.

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max.

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #6 am: 10. Mai 2006, 21:35:47 »

prima seite, tolmiea,
kann ich gut gebrauchen. bes. den link "bodenentseuchung in weihnachtsbaumkulturen"
das hätte ich glatt vergessen.
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Ismene

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #7 am: 10. Mai 2006, 22:22:57 »

Das mit dem Kartoffelkäfer steht unter obigem Link. Mehr weiß ich auch nicht.

Der europäische Flusskrebs litt unter der Zerstörung seines Lebensraums und schien schon vorher zu schwächeln, deshalb wurde der Ami eingeführt.
http://www.tierenzyklopaedie.de/tiere/flusskrebs.html
Zitat
Neben der Zerstörung seines Lebensraums durch künstliche Begradigung der Flussläufe und damit einher gehende Vernichtung der Uferlebensräume hat die Anzahl europäischer Flusskrebse schwer unter der Krebspest gelitten, einer Pilzinfektion, die Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu sämtliche europäischen Flusskrebse ausgerottet hat.
Daher kann ich das jetzt nicht so schlimm finden.

Die Verdrängung unseres roten Eichhörnchens durch das graue Eichkatzerl ist natürlich auch nicht nett, aber....
hier greift wieder die Wirkung des Kindchenschemas. Wir leiden mehr mit knuddeligen Tierchen, als z.B. mit der Hausratte, die von der Wanderratte verdrängt wurde. Irgendwie habe ich dabei das Gefühl, dass unsere Sichtweise auch etwas verfälscht ist.

Nachdenkliche Grüße
Ismene

 
 
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Querkopf

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #8 am: 10. Mai 2006, 22:38:56 »

Hallo, Ismene,

... In Europa aber hat die Einführung von Tieren aus anderen Erdteilen meines Wissens noch zu keinerlei Problemen geführt. ...

leider doch - Stichwort "Reblauskatastrophe" Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit Nachwirkungen noch heute, 150 Jahre später.

Schöne Grüße
Querkopf
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"Konsequenz heißt auch den Holzweg bis zum Ende zu gehen!"
Online-Leserkommentar zu einem Artikel der österreichischen Zeitung "Der Standard" über Donald Trump, 30.04.2020

Tolmiea

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #9 am: 10. Mai 2006, 22:40:13 »

Es können halt wirklich ganze Ökosysteme gekippt werden oder zumindest heftige Probleme ins Land geholt werden Ismene.
Heißer Buchtipp: Bernhard Kegel, Die Ameise als Tramp - Von biologischen Invasionen.
Wirklich sehr lesenswert....

liegrü g.g.g.
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Tolmiea

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #10 am: 10. Mai 2006, 22:45:44 »

Richtig Querkopf, und ich denke grad aktuell an die Pharao-Ameise in Krankenhäusern....

liegrü g.g.g.
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Nina

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #11 am: 11. Mai 2006, 07:08:39 »

Zitat
Die Ameise kann Keime übertragen und wird durch ihre Eigenschaft, an altes Verbandsmaterial zu gehen und Operationswunden anzunagen, im Krankenhaus als ernstzunehmendes Problem betrachtet.
Klingt ja unapetittlich. :P
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pharaoameise
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fars

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #12 am: 11. Mai 2006, 08:10:36 »

Daher kann ich das jetzt nicht so schlimm finden.

Die Verdrängung unseres roten Eichhörnchens durch das graue Eichkatzerl ist natürlich auch nicht nett, aber....
hier greift wieder die Wirkung des Kindchenschemas. Wir leiden mehr mit knuddeligen Tierchen, als z.B. mit der Hausratte, die von der Wanderratte verdrängt wurde. Irgendwie habe ich dabei das Gefühl, dass unsere Sichtweise auch etwas verfälscht ist.
Ismene

Ob du es schlimm oder nicht so schlimm findest, darauf kommt es bei dieser Betrachtung nicht an.

Festzuhalten bleibt, dass der amerikanische Flusskrebs dem europäischen das Überleben offenbar unmöglich macht. Zumindest lassen erneute, enttäuschend verlaufene Ansiedlungsversuche dies vermuten. Die Wissenschaftler sind ziemlich deprimiert. Auch hier soll es einige neue Fischarten geben, die mit Argwohn beobachtet werden. Bei den Mollusken gibt es wohl ebenfalls einige Fremdlinge, die Stirnrunzeln hervorrufen.

Den Schaden, den Waschbären inzwischen anrichten, kann man auch noch nicht überblicken. Da diese Tierart außerordentlich schwer zu bejagen ist, kann es durchaus dazu kommen, dass andere Tierarten in ihrem Bestand gefährdet werden.

Inwieweit diese Veränderungen auch eine natürliche Folge der Evolution sind (u.a. begünstigt durch die Klimaerwärmung), steht auf einem anderen Blatt.
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baobab

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #13 am: 12. Mai 2006, 21:02:01 »

ich möchte hier noch das beispiel des nordamerikanischen ochsenfrosches anbringen, der früher zwecks zucht zur herstellung von froschschenkeln eingeführt wurde. er bevölkert heute die italienische poebene und inzwischen auch deutsche feuchtgebiete. die riesigen tiere fressen alles, was ihnen vor die schnauze kommt, bis zur größe von ratten. außerdem sondern die kaulquappen chemische verbindungen ab, die andere amphibienlarven abtöten bzw. schwächen. so ist diese froschart zu einer ernstzunehmenden bedrohung nicht nur für einheimische amphibien geworden, die sich eigentlich nicht beseitigen lässt. ochsenfrösche vermehren sich rasant und sind nicht effektiv wegzufangen, da sie 1. schnell sind und 2. gut in den bodenschlamm abtauchen können.
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Elin

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Re:Faunenverfälschung durch "Nützlinge"
« Antwort #14 am: 18. Mai 2006, 20:52:26 »

Hallo,
ich bin neu hier, finde dieses Thema aber sehr spannend (und hätte auch das Buch von Bernhard Kegel empfohlen). Da ich mich vor einiger Zeit mit Neophyten beschäftigt habe, möchte ich doch auch die nicht unerhebliche "Florenverfälschung" aufs Tapet bringen. Selbst harmlose Pflänzchen, wie der Staudenknöterich oder der Riesenbärenklau, können die einheimische Natur ganz schön durcheinander bringen.
lG
Elin
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