Für meinen Teil ja, ich baue Kräuter, besser gesagt Heilpflanzen der europäischen und chin. Tradition an, um sie vielleicht, so sie gedeihen, irgendwann zu nutzen.
Das hat mehrere Gründe
- Heilpflanzendrogen sind teils sehr teuer.
- die Herkunft und Anbaubedingungen und Trocknungsbedingungen sind mir nicht bekannt. Da zumindest Herba, Flores und Cortex nicht gewaschen werden, bleiben Agrarchemikalien und Luftverunreinigungen wohl auf der Droge zurück.
- Bio-Heilpflanzendrogen kenne ich gar nicht, wären wohl auch zu teuer.
- Ich habe die Pflanzen gerne um mich.
- Der Übergang in der TCM und TEM zwischen Pflanzenheilkunde und Diätetik ist fließend, eine breite Verfügbarkeit von Pflanzen bietet breites HAndlungsspektrum in der Küche.
- Es heißt, dem Menschen tue das wohl, was in seiner Wohnumgebung wächst. Was für Nahrung gilt, wird für Heilung nicht falsch sein. Sollten besondere Pflanzen hier nicht wachsen, wird das seine Gründe haben.
Man mag argumentieren, nur Drogen aus der Apotheke hätten nachgewiesenermaßen bestimmte Wirkstoffkonzentrationen. Wem dieses Argument gewichtig ist, ist mit dem Einkauf in der Apotheke gut beraten.
Allerdings betrachte ich Pflanzen nicht als biologische Chemiefabriken, deren Produkte einen Wirknachweis zu erbringen haben. Und wenn denn eine Pflanzendroge nur (!, worüber sonst?) über meinen Kopf (Einbildungskraft, Placeboeffekt, besser gesagt: Selbstheilung) wirkt, soll es mir von Herzen recht sein.
Das Internet ist voll von TCM - oft recht flach, auf dem Niveau der bilderschwangeren China-Wellness-Geschenkbücher. Englische Seiten sind oft tiefschürfender. Etwas länger zu suchen lohnt sich.
tcminter.net
ist ganz nett ;-), teils selbstironisch.
chinesischekrauter.com
versucht, Buch und Granulate via Tschechien zu verticken, klingt etwas reißerisch, hat aber mehr Infos als viele andere Seiten.
An Autoren empfehle ich
- Florian Ploberger
- Carl Hermann Hempen / Ute Engelhardt
- Manfred Porkert
Das ist allerdings eher Fachbuch-Niveau und teuer.
Wie jede Erfahrungsheilkunde wird die TCM und TEM aus der Sicht der Mainstreammedizin oft kritisiert und in Frage gestellt. Das ist aus Sicht der Mainstreammedizin auch korrekt, da die System nicht deckungsgleich sind, nicht sein sollen und können. Man darf auch nicht ein System am andern messen. Jedes hat seine toten Winkel, seine Schwerpunkte, Stärken und Schwächen. Es ist aber interessant und horizonterweiternd zu sehen, dass man auch anders denken kann als gewohnt. Wen das ängstigt, der lasse es bleiben. Man muss sich nicht mit Neuem befrachten, wenn es einen verunsichert.
gülisar