Eigentlich ist hier schon fast alles Wichtige zu den Kangals und zu deiner schweren Entscheidung geschrieben worden. Zu bedenken wollte ich nur noch geben, dass die Charakterbeschreibung des Kangals sicher auf die Beobachtung der ursprünglichen Arbeitshunde beruht, bzw. auf die Tiere, die von verantwortungsbewussten Züchtern entsprechend ihren Aufgaben gehalten werden.
Viele der in Deutschland gehaltenen Tiere, somit wohl auch der Genpool der Tierheimhunde, stammen jedoch wohl eher aus illegalen Importen (so weit ich weiß, dürfen Kangals eigentlich gar nicht so ohne weiteres aus der Türkei exportiert werden.) eines eher auf kampffreudige Hunde bedachten Klientels. Leider legen die Importeure dieser Tiere bei der Auswahl vor allem Wert auf Charaktereigenschaften, die den Hunden bei ihrer Arbeit im Herdenschutz vielleicht von Vorteil, im alltäglichen Leben in einer Familie in Deutschland aber eher hinderlich sind.
Am alten Wohnort hat sich die Nachbarsfamilie eines Kangal-Pitbull-Mischlings erbarmt, der sich wohl zunächst auch sein Leben in der Arena verdienen sollte. Man hatte dem jungen Hund alle Zähne mit einer Raspel bis auf´s Zahnfleisch "auf Platte" abgeraspelt.
Ich fand es zunächst wirklich verantwortungslos, diesen Hund in eine Familie mit zwei kleinen Kindern zu holen. Noch verantwortungsloser fand ich es, dass die vermittelnde Organisation diesen Hund unkastriert als "Eurasier-Mix" ausgab, wohl um Listenhund-Verordnungen zu umgehen, obwohl die Abstammung ihm von vorn bis hinten und nocheinmal quer über die Schnauze von der Natur unleugbar aufgedruckt war.
Die Familie hatte extreme Schwierigkeiten, was den Schutztrieb des Hundes betrifft. Selbst die nebenan wohnenden Großeltern wurden nach einigen Wochen, als das Tier Selbstvertrauen gewonnen hatte, knurrend mit den Pfoten auf den Schultern abgewehrt.
Ein ganz langer Prozess hat den Hund heute zu einem freundlichen Genossen gemacht, der witzigerweise engster Verbündeter und Kumpel unseres kleinen Kläffers wurde. Aber ich wäre dieses Wagnis mit zwei kleinen Kindern nie eingegangen und hoffe, dass seine Integration wirklich endgültig ist.
Der kleinen Ginger wünsche ich, dass sie auch Menschen findet, die gut für sie sind, aber hätte ich ein ungutes Gefühl, würde ich mich für einen anderen Hund entscheiden, auch um eine mögliche unumgängliche Trennung eventuell später ihr und auch der Familie zu ersparen.