Wohl dem, der handwerklich geschickt ist. Es gibt Menschen, einigen bin ich begegnet, die haben „goldene“ Hände, die sogar einen Nagel gerade einhämmern können. Mir fehlt diese Gabe. In der Theorie ist der Schlachtplan eigentlich überwiegend perfekt. Doch lässt sich die Tücke des Objekts schlecht ins Kalkül einfügen.
Allein schon die simple Vorgehensweise, große Baumstumpen einzukürzen, erwies sich als eine kriegerische Auseinandersetzung mit der dem Holz innewohnenden Gemeinheit. Mit meiner kleinen Elektro-Motorsäge, selbstverständlich von Sti** (alles andere ist rausgeschmissenes Geld), gelang es am Montag noch recht gut, aus den mächtigen Stumpen-Stümpfen (schönes Wort) Tortenstücke herauszuschneiden. Motorsäge waagerecht ansetzen und mit Keilen die unterschnittenen Tortenstücke heraustrennen. War zwar schweißtreibend, aber der Erfolg motivierte.
Das Waterloo folgte am Dienstag. Offenbar hatte es bei einem Stumpen im Inneren Verwachsungen gegeben (wie sehr gleichen doch Bäume den Menschen!). Jedenfalls blieb die Motorsäge mit der gesamten Schwertlänge stecken. Nichts ging mehr vor und zurück. Macht nichts, dachte ich mir, zwei Keile ansetzen und das klemmende Holzstück heraustrennen. Machte doch was. Die Keile ließen sich gut und tief hineintreiben, blieben aber ohne spaltende Wirkung. Die saßen nun auch fest.
Wozu hat man helfende Nachbarn. Dieser lieh mit „todsicher“ wirkende, in sich gedrehte Keile. Vorsicht!, mahnte er, an der Schlagstelle haben sich scharfkantige Eisenspäne gebildet. Da hatte ich mir aber schon einen tiefen Schnitt am rechten Daumenballen zugefügt.
Frohen Muts setzte ich die beiden Killer-Keile an, trieb sie mich neuem Elan tief ein – und sie blieben stecken. Das fasrige, mit Feuchtigkeit vollgesogene Pappelholz nahm sie klaglos auf und umschloss sie inniglich. Kein Splittern, kein Bersten, nur weiche, dennoch zähe, paralysierende Umklammerung. Von Bäumen lernen.
Das Drama steigerte sich. Das Waffenarsenal wurde um eine Bügelsäge und zwei Astsägen aufgestockt. Von der anfänglichen Motivation waren nur noch Rudimente vorhanden. Auf den Knien wurden waagerechte Schnitte gesägt. Das ging aber nur so lange recht gut, bis ich keine kurze Verschnaufpause (bin ja nun auch nicht mehr der Jüngste) einlegte. Den die nutze das Pappelholz den Schnitt zuquellen zu lassen, so dass sich die Sägen kaum noch bewegen ließen. Erschwerend kam hinzu, dass direkt hinter dem Stumpen ein Maschendrahtzaun verlief, in dem sich die Sägen häufig verfingen.
Der Mensch muss bereit sein, Niederlagen einzugestehen und sie auch hinzunehmen. Demut wallte in mir auf. Demut vor der Natur und vor handwerklichem Geschick. Dann stellten sich Rachegefühle ein, die sich aber nicht mehr austoben konnten, da derjenige, der diese Pappeln gepflanzt hatte, hoch oben im Himmel die Harfe schlägt. Es wäre zu schön, ihn in der Hölle zu wissen.
Erneuter Canossa-Gang zum Nachbarn und die Bitte, er möge mir mit seiner Motorsäge zur Hilfe kommen. Das tat der gute Mann auch sofort. Mit seiner Riesensäge hatte er den Stumpen innerhalb kürzester Zeit klein gemacht und das Schwester-Sägelein befreit.
Was will uns das sagen? Manchmal hilft weder beten noch fluchen, sondern allein die Macht des Stärkeren.