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News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)
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News: "Das Leben ist kein Ponyschlecken"  (Zwiebeltom)

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Titel Wilde Wiesen
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Autor Thema: In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung  (Gelesen 1310 mal)

Pimpinella

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In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« am: 17. Februar 2007, 21:50:40 »

Weil ich demnächst meine Kompost"anlage" umgestalten möchte, gönne ich mir eben mal wieder die Lektüre des Klassikers Gärtnern, Ackern - ohne Gift des Kompostdoyens Alwin Seifert. Dieses Buch kann ich unbedingt empfehlen, und zwar nicht nur wegen seiner Anleitung zum Kompostaufbau. Dafür kriegt man ja heute an jedem Eck ein Faltblatt - aber das Buch ist schon ein besonders faszinierendes Zeugnis eines Mannes, dessen ungebrochenes Verhältnis zu seiner eigenen Genialität ihn gleichsam im Sauseschritt durch seine Zeitläufte befördert hat.

Vom "Reichslandschaftsanwalt" zum Vorsitzenden des bayerischen NaBu - Seifert blieb sich selbst und seinen großen, widerspenstigen Ideen immer treu. Und er war ganz offensichtlich sein eigener größter Fan, wie das Buch wieder und wieder belegt. Raffiniert ist die Episode, wo er so nebenbei durchblicken lässt, dass ihn nur großes Glück davor bewahrt hat, während der Nazizeit unter die Räder zu kommen. Immerhin war er ja ein Anhänger der verpönten und verfolgten biodynamischen Methode, die er aber, geschickt mit ein paar völkischen Vokabeln verbrämt, ein paar wichtigen Nazigrößen schmackhaft machen konnte. Vor allem wahrscheinlich deswegen, weil er schon ein rechter Spezi einiger großer Nazis war...


Die Brüche in dieser völlig ungebrochenen Persönlichkeit machen das Buch zu einer überaus spannenden und vergnüglichen Lektüre. Dazu noch der Pathos, in dem er das Ende der Welt, abzuwenden durch fleißige Kompostgaben aufgesetzt nach Seiferts Methode, beschwört, ist etwas, das man sonst so nicht mehr liest (und das ist wohl eher gut so). Trotz allem - der Mann hatte vollkommen recht mit seinen Ansichten und würde sich sicher ungeheuer über die heutigen Siegeszüge des Ökolandbaus freuen - nur um den Fortschritt sich selbst ans Revers zu heften, mit großen, aber letztendlich immer charmanten und dem Volk vom Maul abgeschauten Worten.

Meine Lieblingsstelle ist die, wo ihm eine Bäuerin aus dem bayrischen Oberland, die er zum Kompostieren bekehrt hat, eine traditionalle Heiligenfigur aus Spitze überreicht, die ihn als St. Kompostulus darstellt. Man merkt ihm an, wie sehr er mit dieser Heiligsprechung einverstanden war.


« Letzte Änderung: 18. Februar 2007, 16:51:21 von Pimpinella »
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Pimpinella

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #1 am: 20. Februar 2007, 21:24:19 »

Kennt wirklich keiner das Buch? Ist keiner amüsiert?

 :-[
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Eva

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #2 am: 01. März 2007, 19:40:56 »

 :D Doch, Deine Buchbeschreibung ist total klasse. So gut, dass ich schauen werde, ob ich das Buch irgendwoher kriegen kann....
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max.

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #3 am: 01. März 2007, 19:49:08 »

ich war auch sehr amüsiert, schon wegen der ernst jünger-anspielung, hatte aber keine lust auf die ideologischen folgeschlachten, die es evtl. gegeben hätte, wenn ich mich über den reichswurm- und straßenbegleitgrünpapstpapst lustig gemacht hätte.
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Pimpinella

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #4 am: 01. März 2007, 20:11:20 »

Meinst du, das hätte ideologische Folgeschlachten gegeben? Ich bin mir gar nicht so sicher, denn dass Seiferts Öko-Ideen sinnvoll waren, kann man kaum bestreiten, auch wenn er so einigen Nazidreck am Spaten hatte. Wirklichen Schaden an Menschenleben hat er meines Wissens nicht angerichtet.

Aber es freut mich doch, dass ihr euch amüsiert habt!
« Letzte Änderung: 01. März 2007, 20:11:57 von Pimpinella »
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Inge

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #5 am: 01. März 2007, 21:01:37 »

Kennt wirklich keiner das Buch?

 :-[
Vor vielen, vielen Jahren habe ich das Buch gelesen und bin seither begeisterter Kompostler (zur Zeit 3 Voll- und 6Teilzeit Komposter).

Damals war das wirklich neu und revolutionär und ist heute fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden.
Schön, daß es immer noch Anklang findet.
Liebe Grüße
Inge
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Liebe Grüsse
Inge

Pimpinella

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #6 am: 15. März 2007, 14:43:17 »

Spannend, spannend. Es scheint letztes Jahr ein Band wissenschaftlicher Artikel über das Umweltbewußtsein der Nazis herausgekommen zu sein, in dem Seifert ein ganzes Kapitel gewidmet ist: Brüggemeier, et. al., How Green Were the Nazis?. Nature, Environment, and Nation in the Third Reich, Ohio University Press 2006.

Ich glaube, ich muss mich zur StaBi aufschwingen und das Buch ergattern.
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Eva

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #7 am: 16. März 2007, 17:06:02 »

Ich bin mir nicht ganz sicher, wieviel davon einfach 1920er-30er Zeitgeist war, der halt auch mit in die Ideologie eingebaut wurde. Schließlich stammt aus dem ersten Drittel des letzten Jahrhunderst einiges, was jetzt ein Revival hat - nicht alles davon ist auf dem Mist der Nazis gewachsen.
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Pimpinella

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #8 am: 17. März 2007, 21:14:58 »

Oh, sicherlich eine ganze Menge. Ich denke immer, viele Ideen, die damals kursierten, haben den Nazis auch ganz gut in den Kram gepasst und sind dann natürlich vollends in Verruf geraten. Gewissermaßen auch zu Recht.

So viel ich weiß, war Seifert ja nun auch kein ausgesprochener Nazi, aber er war ein Mann mit einem klaren Gespür für Machtverhältnisse und für die Möglichkeiten, mit denen er seine Ideen durchsetzen konnte. Wer die großartigen Landschaftsplanungen dann mit der Schaufel umgesetzt hat, das hat er sich wohl nicht gefragt.

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bernerrose

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #9 am: 06. Mai 2007, 12:58:57 »

Pimpinella schrieb:
"Weil ich demnächst meine Kompost"anlage" umgestalten möchte, gönne ich mir eben mal wieder die Lektüre des Klassikers Gärtnern, Ackern - ohne Gift des Kompostdoyens Alwin Seifert. Dieses Buch kann ich unbedingt empfehlen, und zwar nicht nur wegen seiner Anleitung zum Kompostaufbau. Dafür kriegt man ja heute an jedem Eck ein Faltblatt - aber das Buch ist schon ein besonders faszinierendes Zeugnis eines Mannes, dessen ungebrochenes Verhältnis zu seiner eigenen Genialität ihn gleichsam im Sauseschritt durch seine Zeitläufte befördert hat."

Na, Pimpinella,
da haben wir ja schon wieder eine Gemeinsamkeit. Ich habe vor vielen Jahren dieses Buch verschlungen und sogar eine Uttinger Freundin darauf angesetzt, herauszufinden, was aus Seiferts Garten geworden ist, und alte Leute zu finden, die sich noch erinnern. Leider hatte diese Freundin gar kein Interesse an alldem, und so ist die Sache wieder eingeschlafen. Seiferts Stil hat mich jedenfalls in verschiedene Richtungen berührt - amüsiert, stellenweise abgestoßen, auch fasziniert. In Erinnerung ist mir noch seine Hymne auf den Regenwurm und die Ananlogie zwischen Komposthaufen und Regenwurm. Herrlich!
Trotzdem ist aus mir keine Kompostierungsmeisterin geworden - unser Kompost wird nie, nie, nie auch nur annähernd in den Zeiten fertig, die i.a. angegeben werden. Soll ich mir den Seifert nochmal einverleiben???

Ach, jetzt erinnere ich mich noch an etwas anderes: Damals, am Anfang meiner Gärtnerkarriere, las ich ein Buch von Ruth Stout, und sie wurde "the Queen of Mulch" genannt. Ich erzählte das einem befreundeten Biologen, und er verwies mich gleich an Seifert, den er "the Pope of Compost" titulierte.

LG
bernerrose
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Pimpinella

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #10 am: 06. Mai 2007, 13:55:42 »

Ja, so knorrigen Gestalten wie Seifert begegnet man nicht mehr oft. Mich würde auch interessieren, was aus dem Garten geworden ist - ich bin öfters mal in Dießen, weiß aber gar nicht, wo genau der war.
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Tara

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #11 am: 06. Mai 2007, 15:01:51 »

Ich mußte schon bei Deinem Titel grinsen;) Süß!

Wenn Du wissen möchtest, wo dieser Garten war... Guhgel verrät uns, daß es dort einen Gemeinderat namens Seifert Michael gibt, und zwar in der Iglauer Straße 9. Vielleicht ist das ja ein Nachfahre, der das elterliche Anwesen geerbt hat?
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Zuccalmaglio

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Re:In Wurmgewittern - der große alte Mann der Kompostierung
« Antwort #12 am: 06. Mai 2007, 15:12:54 »

pimpinella,
eine sehr treffende und amüsante Beschreibung des Buches.
Ich habe es vor etlichen Jahren verschlungen und gedacht: Dat iset för dä Jade.

Das Pathos und die Selbstdarstellung konnte ich als junger Mensch nicht so richtig einordnen. Da blieben immer Fragezeichen, was den Menschen Seifert anging.
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Tschöh mit ö
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