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News: Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun. (Goethe)
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18. Februar 2019, 23:40:05
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News: Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun. (Goethe)

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Autor Thema: Mein neuestes Gartenbuch!  (Gelesen 177770 mal)

MarkusG

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1305 am: 30. Januar 2019, 17:09:43 »

Hallo Pearl,

Bredekamp zitiert u.a. aus einem Reiseführer des Jahres 1718: "Der Parc oder der Garten zu Versailles steht Tag und Nacht offen / und können hier ohne Unterschied alle Menschen / arm und reich / jung und alt / vornehm und gering herein gehen und sich divertieren."

Danke realp für Deine Ergänzung!

Zu
Zitat
Interessant fand ich jetzt den neuen Titel Der antiautoritäre Garten von Simone Kern.
möchte ich sagen:

Genau gegenüber diesem sorglosen und all zu schnellen Zuordnen von "autoritär" und "freiheitlich" hat mich das Buch von Bredekamp sensibilisiert. Was ich bislang als "frei" erlebt habe, der englische Landschaftsgarten wurde entlarvt als Rückzugsort verbitterter Adliger, die politisch eher kriegslüstern und autoritär eingestellt waren. Das was für mich bislang Ausdruck von "Beherrschenwollen" war, nämlich der Barocke Garten stellt sich als Versuch heraus, das innerste der Natur zum Sprechen zu bringen.

Aber nochmals zu dem von Dir verlinkten Buch: Ich denke, das derzeit herrschende Gefühl eines Rückzuges oder Verlustes an Natur ermöglicht das Phänomen, dass Menschen einen weitestgehend ungestalteten Raum als Garten empfinden können. Jeder Garten benötigt eine wie auch immer geartete Grenze, sonst wäre er nicht Garten, sondern einfach Natur. In einer naturarmen Zeit besteht diese Grenze darin, dass ich mir die Natur hereinhole. Die Natur in der Stadt wird damit zum Garten, weil außenrum nur Häuser und Straßen sind. Und wenn ich von nackten Äckern und giftsprühenden Nachbarn umzingelt bin, kann ich mir auch die Natur in den Garten holen und dies als Garten erleben. In einem Wald würde es nicht funktionieren, einen Garten aus Bäumen zu gestalten, da würde die Grenze fehlen. Ich müsste andere Baumarten verwenden oder sie anders pflanzen, um den Gartencharakter zu zeigen.

Was ich damit sagen will, ist, dass "naturnahe" Gärten heutzutage funktionieren, weil sie sich gegenüber dem Verschwinden der Natur außerhalb des Gartens abgrenzen. Dies braucht man dann aber nicht "antiautoritäres" Gärtnern zu nennen. Darin steckt ein Vorwurf, der unnötig ist.
Markus
« Letzte Änderung: 30. Januar 2019, 17:11:17 von MarkusG »
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RosaRot

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1306 am: 30. Januar 2019, 18:04:02 »


Interessant fand ich jetzt den neuen Titel Der antiautoritäre Garten von Simone Kern.

Ich denke, dass man sich weder von den Saubermännern unter den Gartenautoritäten, noch von den Prinzipienreitern unter den Umweltbewussten terrorisieren lassen sollte. ...


Das las ich gleich hinein und schaute mir das  Inhaltsverzeichnis an und fand so ein bißchen von allem...(Klassische Staudenbeete, Sitzplatz und Terrasse usw. usw...) Für anspruchsvollere Gärtner ist wohl Blackbox Gardening interessanter (ich habe es immer noch nicht). Den Titel finde ich etwas reißerisch, passt nicht zu dem eher biederen Inhaltsverzeichnis. Gut zum Verschenken an jemanden, der gerade beginnt sich mit der Materie eines naturnahen Gartens auseinanderzusetzen und vielleicht noch gar keine Gartenerfahung hat ist es aber sicherlich.
Liest Du es, pearl, und rezensierst es?

(Mein Garten ist übrigens nicht antiautoritär, sondern das Gegenteil, da kann ich mir so viel eigene Autorität einbilden, wie ich will... er gibt dann doch immer wieder recht deutlich zu erkennen, was er akzeptiert und was nicht... ;D ;))
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Viele Grüße von
RosaRot

MarkusG

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1307 am: 30. Januar 2019, 18:07:22 »

Zitat
(Mein Garten ist übrigens nicht antiautoritär, sondern das Gegenteil, da kann ich mir so viel eigene Autorität einbilden, wie ich will... er gibt dann doch immer wieder recht deutlich zu erkennen, was er akzeptiert und was nicht...  )

 ;D
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pearl

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1308 am: 30. Januar 2019, 18:10:58 »


Was ich damit sagen will, ist, dass "naturnahe" Gärten heutzutage funktionieren, weil sie sich gegenüber dem Verschwinden der Natur außerhalb des Gartens abgrenzen. Dies braucht man dann aber nicht "antiautoritäres" Gärtnern zu nennen. Darin steckt ein Vorwurf, der unnötig ist.


so verstehe ich antiautoritär nicht. Ich würde mir das Buch aber auch nicht kaufen.

Was gemeint ist, wie ich schrieb, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Es sind die direkten Beziehungen zwischen dem Gegenstand und dem Individuum und zwischen Individuen. Es gibt nicht das, was immer schon so war und es gibt keine Norm, die regiert. Es gibt auch keinen, der "nur das Beste" für einen will und es gibt keine Notwendigkeit sich in Konkurrenz um Ansehen und Status zu behaupten.

Es ist alles nur so da. So, wie es für alles, was beteiligt ist, nur einen Prozess gibt, in dem ein Geben und Nehmen, ein Austausch stattfindet.

Wir kennen doch alle diese Konventionen, dieses abgrundtief Böse, das unmenschliche Gerede auf dem Dorf, der Neid der Nachbarn, die Niedertracht im Büro und nicht zuletzt und entscheidend, wir wissen um totalitäre Herrschaft.

Das kann man aus der Realität nicht ausblenden. In welchem Ausmaß die Kriegsgeneration, also unser Väter oder Großväter, Mütter und Großmütter, und die Menschen im totalitären Sozialismus Normen unterworfen waren und in welchem Ausmaß die Angst regierte als entscheidendes Machtmittel, das lese ich bei Robert Gellately und gerade auch bei James Jones. Beide begreife ich aber erst nach einem persönlichen langen Prozess des Übungsweges. Psychologisch gibt es die Analyse was Nachkriegserfahrung mit jungen Menschen macht, die Hunger erleben auch in Bezug zum amerikanischen Bürgerkrieg von Thomas Wolfe. Also lange bevor Wolfgang Schmidbauer das thematisierte.

Es geht also um eine Art zu Gärtnern, die demokratisch und angstfrei, also frei ist. Sich aber nicht zum Repräsentieren und Angeben eignet. Wenn man sich lange genug in der GdS aufgehalten hat, dann erkennt man den Unterschied und das Wesentliche sofort. Man fühlt sich in der Masse im Bus nicht wohl, mag keine Stechuhr beim Aufenthalt in Gärtnereien und möchte in fremden Gärten ausschwärmen wie man möchte. Man mag nur noch handverlesenen Besuch im eigenen Garten und öffnet eine Gartentür, die sowieso nicht da ist, nicht für Laufpublikum.

Weil ein Garten in dem von mir gemeinten Sinne nichts ist, was sich für oberflächliche, konventionelle und normgesteuerte Menschen lohnt anzuschauen.

Dass es jetzt öffentiche Gärten gibt, die den Besucher einladen berührt zu werden, sich öffnen und ohne "Rasen betreten" Schilder auskommen, sondern ganz im Gegenteil, Anziehungspunkte anbieten, Lockreize die Pflanzen zu ertasten. Oder sich auch an Pflegemaßnahmen zu beteiligen, das sind Anzeichen dafür, dass eine neue Generation heranwächst, die Grund zur Hoffnung gibt.

Wie ich schon schrieb, Gottfried Wilhelm Leibniz und David Hume waren die Vorreiter einer Aufklärung, die uns herauspellte aus dem Korsett der abartigen christlichen Moraltheologie und uns zu Menschen machten.

Dass dieser christlich fundamentalistische Unsinn nicht ganz vorüber ist, das sehen wir an den Äußerungen dieses unsäglichen Pabstes und seiner Kardinäle, die keine Scheu haben Kriminelle zu decken und Strafvereitelung zu betreiben.

Also wie wir sehen hat Laotse durchraus nichts Falsches im Daodejing geschrieben. Übermäßiger Prunk bei den Herrschenden führt zu Armut und Elend unter den Bauern und einfachen Leuten.

Lassen wir uns im Garten also nichts vormachen. Machen wir Nichtstun zur Handlungsmaxime;D
« Letzte Änderung: 30. Januar 2019, 22:26:05 von pearl »
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pearl

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1309 am: 30. Januar 2019, 18:12:38 »


Liest Du es, pearl, und rezensierst es?


nein, natürlich nicht!
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pearl

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1310 am: 30. Januar 2019, 22:40:57 »


Bredekamp zerlegt hier das auch von mir gehegte Vorurteil, der Barockgarten verkörpere den Willen zur Beherrschung und der Landschaftsgarten sei Produkt einer freiheitlichen, an der Natur orientierten Geisteshaltung. Am Beispiel der Freundschaft zwischen der Herzogin Sophie und Leibniz und beider Liebe zum Herrenhauser Barockgarten wird in dem Buch gezeigt, wie sich die Philosophie und Weltanschauung von Leibniz im Barockgarten ausdrückt und wie sehr er von diesem Garten inspiriert wurde.


Horst Bredekamp ist schon ein sehr beeindruckender Kunsthistoriker. Ich habe mir jetzt Leibniz und die Revolution der Gartenkunst - Herrenhausen, Versailles und die Philosophie der Blätter bestellt. Eine gute Gelegenheit mich an Leibniz und seine Zeit heranzutasten und gartenhistorisch was zu lernen.

Mir schwebt auch vor mit Markus im Garten zu sitzen und über die gemeinsame Lektüre zu plaudern, während es warm ist, die Vögel zwitschern, der Wind sachte weht, das Gras lautlos wächst und der Himmel blau ist.
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MarkusG

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1311 am: 31. Januar 2019, 07:42:23 »

Schönes Plauderbild!  :)
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Inken

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1312 am: 09. Februar 2019, 19:14:14 »

Zwei Nachträge des vergangenen Jahres:

Kilpatrick, Jane; Harmer, Jennifer: The Galanthophiles: 160 Years of Snowdrop Devotees. - Orphans Press, 2018
Selten hatte ich ein derart schönes Buch in den Händen. - "The book is for everyone whose heart lifts at the sight of snowdrops." - Es ist in 20 Kapitel untergliedert und erzählt die ganze Geschichte!

Gartendenkmale in Berlin: Nachkriegszeit bis Ende der Sechziger Jahre. - Imhof, 2018
Ein weiteres Werk in der Reihe "Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin" und eine Kollektivarbeit. Neben den vorgestellten Anlagen finden sich Kurzbiographien der beteiligten Gartenarchitekten als Ergänzung.
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Inken

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Re: Mein neuestes Gartenbuch!
« Antwort #1313 am: 09. Februar 2019, 19:39:38 »

Eins wäre da noch, im Oktober erschienen und eine große Freude:

Barker, Judy: Hardy Garden Chrysanthemums. - Hardy Plant Society, 2018
Nach 60 Jahren wieder ein Buch über Chrysanthemen, das sagt Judy Barker stolz. Sie ist die Halterin der national collection, und sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen wunderbaren Blumen. Sie bricht eine Lanze für sie und forscht weiter. :D Es ist ein booklet, aber es steckt voller Informationen.
Deutsche Züchtungen sind weniger zahlreich vertreten, doch das mindert meiner Meinung nach diese Leistung nicht. (@troll, danke für den heißen Tipp!)

Für ganz Mutige oder Kenner der lettischen Sprache ;) gibt es außerdem ein neues Phloxbuch:

Rukšāne, Guna: Flokši. - Zvaigzne, 2018
Guna Rukšāne züchtet auch selbst. In ihrem Buch wird der Geschichte der lettischen Phloxzüchtung Beachtung geschenkt, das ist besonders interessant. Darüber hinaus findet man eine sehr gute Gesamtschau, Hinweise zur Kultur, Verwendung und Gestaltung ... und natürlich wunderbare Phloxfotos.
« Letzte Änderung: 09. Februar 2019, 19:48:16 von Inken »
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