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Autor Thema: Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?  (Gelesen 6820 mal)

Thomas

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Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« am: 02. Mai 2007, 20:29:01 »

Hallo liebe Naturfotofreunde,

ich fange zu der Frage mal einen neuen Thread an, denn es gab im Thread Mai-Bilder 2007 dazu einige interessante Beiträge, die wir vielleicht besser hier weiterverfolgen.

Ich zitiere:


Ich setze mal die tierische Mai-Eröffnung fort mit einem seitlichen Aurorafalter

Liebe Linden, deine Mai-Eröffnung ist dir aber sehr gut gelungen.
Mit deinem Makro-Objektiv fotografiert? Dieses Objektiv steht bei mir auf meiner Wunschliste ganz oben. Ich habe ja nur eins mit Festbrennweite und darum ist zoomen nicht möglich. Somit muss man nah ran an das Bewegtobjekt, was meist nicht toleriert wird.

LG Evi


Das freut mich, dass euch der Aurorafalter gefällt :D

Faulpelz, mein Sigma-Makro hat auch eine Festbrennweite. Bei diesem Foto lag ich ziemlich nah am Falter auf dem Boden. Ich achte immer darauf, dass ich mich dem Schmetterling so näher, dass mein Schatten nicht auf ihn fällt.
Aber es gibt viele technische Einstellungen, mit denen ich mich näher auseinandersetzen muss. Seit Tagen sind meine Hintergründe viel zu dunkel und bewegliche Motive wollten sich einfach nicht scharfstellen lassen.
Das lag daran, dass ich wohl versehentlich bei der Belichtung von der Matrixmessung auf Mittenbetont umgestellt hatte. Auf diese Lösung des Problems wäre ich alleine nie gekommen



Aber es gibt viele technische Einstellungen, mit denen ich mich näher auseinandersetzen muss.

Mir geht es momentan so mit den Gartenansichten. Die wollen einfach nicht so gelingen, wie ich es mir vorstelle, was mich unheimlich ärgert >:( :(. Obwohl ich mit Stativ fotografiere, sehen die immer irgendwie unscharf aus bzw. kommt kein Flair und keine Romantik rüber. Die Makros bringe ich rattenscharf hin, wenn ich mich anstrenge., aber die Gartenansichten.... ??? Ich will aber auch schöne Gartenaufnahmen beherrschen. Sappralot nochmal!



Aber es gibt viele technische Einstellungen, mit denen ich mich näher auseinandersetzen muss.

Mir geht es momentan so mit den Gartenansichten. Die wollen einfach nicht so gelingen, wie ich es mir vorstelle, was mich unheimlich ärgert >:( :(. Obwohl ich mit Stativ fotografiere, sehen die immer irgendwie unscharf aus bzw. kommt kein Flair und keine Romantik rüber. Die Makros bringe ich rattenscharf hin, wenn ich mich anstrenge., aber die Gartenansichten.... ??? Ich will aber auch schöne Gartenaufnahmen beherrschen. Sappralot nochmal!



dem stimme ich vollinhaltlich zu ::) ich musste heute mein Kit-Zoom-Objektiv zur Reparatur bringen :-\ und da ich dachte diese unscharfen Gartenansichten dem Objektiv in die Schuhe schieben zu können ;) ;D wollte ich mir dann das hochgelobte Nikon 18-200mm Superzoom kaufen und was musste ich feststellen, es war nirgends zu bekommen, es ist nicht lieferbar :o ::) :P jetzt habe ich nur ein Makroobjektiv zur Verfügung :-\


hochgelobte Nikon 18-200mm Superzoom

Hier muss ich ein wenig warnen: Es ist definitiv ein Superzoom, aber eher für jemanden, der in einem Objektiv einen großen Zoombereich vom stärkeren Weitwinkel bis zum starken Tele braucht. Für mich ist es einfach das ideale Objektiv auf meinen Reisen.

Aber dieses Objektiv hat seine Schwächen, wenn man es mit Zooms kleineren Brennweitenbereichs oder gar mit Festbrennweiten vergleicht - es wäre ja sonst auch ein technisches Wunder, zumal bei der Größe und zu dem Preis.

Wenn ihr jedoch primär auf Schärfe aus seid, dann solltet ihr Spitzenzooms mit kleinen Brennweitenbereichen bevorzugen oder zu Festbrennweiten greifen.

Gartenlady, insofern ist das doch momentan eine Chance: Fotografiere mal im Nicht-Makrobereich mit deinem Makro ... das sollten schon scharfe Bilder werden!


Liebe Grüße
Thomas


Mir geht es momentan so mit den Gartenansichten. Die wollen einfach nicht so gelingen, wie ich es mir vorstelle, was mich unheimlich ärgert >:( :(. Obwohl ich mit Stativ fotografiere, sehen die immer irgendwie unscharf aus bzw. kommt kein Flair und keine Romantik rüber. Die Makros bringe ich rattenscharf hin, wenn ich mich anstrenge., aber die Gartenansichten.... ??? Ich will aber auch schöne Gartenaufnahmen beherrschen. Sappralot nochmal!

Faulpelz, dieser Text könnte von mir sein. Ich fotografier zwar nicht mit Stativ, aber alles, was außerhalb von Makro und Teleobjektiv liegt, bekomme ich nicht hin.
Deswegen stelle ich auch so selten ein größeren Bildausschnitt ein (und habe mich schon gewundert, warum du uns nicht schon viel mehr Gartenansichten gezeigt hast, wo man doch aus den Ausschnitten erahnen kann, wie stimmig insgesamt dein Garten aussehen muss).
Die Garten- oder Lanschaftsbilder sehen bei mir immer " hart" aus, die Farben, selbst , wenn ich bei ganz schönem Licht fotografier, sind zu unnatürlich.

Gartenlady, ich schiebe es momentan auch alles gerne Richtung Objektiv. Ich fotografier deswegen tatsächlich ab und zu weitere Entfernungen mit dem Makro. Schon alleine, weil ich manchmal zu faul bin, schon wieder unterwegs das Objektiv umzuschrauben.

Vielleicht stimmen die Grundeinstellungen nicht. Oder auf was man achten muss?

Aber irgendwie ist es, obwohl es für den Einzelnen etwas frustrierend ist, schön zu wissen, dass man mit diesem Problem nicht ganz allein ist .


Eine sehr interessante Diskussion. Da muss ich gleich nochmals einsteigen.
Hier so ein Gartenfoto, mit dem ich einigermaßen, aber nicht ganz zufrieden bin. Mir fehlt die Schärfe im Hintergrund. Mir ist klar, dass die Kamera immer das Motiv scharf stellt, welches sich nah an der Kamera befindet. Aktiviere ich jedoch das mittige Messfeld, sind die Blüten rechts im Vordergrund unscharf. Wenn ich eine kleine Blende wähle um alles scharf zu kriegen, sind die Bilder immer insgesamt zu hell. Da nützt auch eine Belichtungskorrektur nach unten meist wenig.
Wer weiß Rat?

Liebe Grüße
Evi

PS: Ich werde gleich mal eine Menge Gartenfotos von meinem Maigarten unter Garteneinblicke ins Forum stellen. Dort sind sie besser aufgehoben als hier, weil fotografisch nicht perfekt.


Zitat
Gartenlady, ich schiebe es momentan auch alles gerne Richtung Objektiv. Ich fotografier deswegen tatsächlich ab und zu weitere Entfernungen mit dem Makro. Schon alleine, weil ich manchmal zu faul bin, schon wieder unterwegs das Objektiv umzuschrauben.

mach ich doch auch manchmal, ist aber dann oft mühsam, das Motiv im Bild unterzubringen ;)
Ich widerspreche da auch einem Statement von Thomas - weiß nicht mehr wann und wo - er sagte, einen guten Weitwinkelbereich brauche man nur für Landschaftsaufnahmen. Man braucht ihn aber auch im Garten, wo man manchmal nicht weit genug zurücktreten kann um das Motiv ins Bild zu bekommen.


Jaja, das Farb- und Schärfeproblem mit Gartenansichten habe ich auch (D80, Sigma 18-200). Ich schiebe es bis jetzt auf das sonnige Wetter, gute Bilder habe ich auch früher ausschließlich (!) bei bedecktem Himmel oder vor Sonnenaufgang hinbekommen. Also warten wir mal auf Regen und dann sehen wir, ob ich weiterjammern muss ;).

Liebe Grüße
Thomas
« Letzte Änderung: 02. Mai 2007, 20:37:53 von Thomas »
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Thomas

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #1 am: 02. Mai 2007, 20:37:12 »

Nicht nur meiner Meinung nach ist es mit am schwierigsten, Übersichten zu fotografieren.

Denn: Unser Auge tastet ab, was vor ihm liegt. Springt hier auf eine Blüte, erfasst dazu deren kontrastierenden Hintergrund ... springt auf die nächste Blüte ... scannt den Baumwipfel mit frischem Grün dahinter ... springt weiter zum Kirchturm, um den ein Falke kreist ... streift über den blauen Himmel ... und vermittelt uns so unter tatkräftiger Mithilfe des selektierenden Gehirns eine wunderschöne Frühlingsstimmung.

Und jetzt fotografieren wir das Ganze in einer Totalansicht, auf der alle die vom Auge berührten Punkte drauf sind.

Und schauen das Bild an ... und stellen fest: Der Zauber ist weg. Wir sehen eine Stadtrand-Bebauung mit schmalen Gärtchen, Verblühtes dominiert die Rabatte, die im Licht liegt; Nachbarn haben hässliche Plastik-Kinderspielzeuge aufgestellt, am Kirchturm ist ein Gerüst ...

... Fotos, auf denen 'viel drauf' ist, sind zumindest 'geschwätzig'.

Versteht ihr, was ich meine? Ein Foto erfasst das Gehirn in Gesamtheit. Die Wirklichkeit dagegen wird selektiv wahrgenommen.


Schlussfolgerung:

Gut Fotografieren bedeutet: Konzentrieren. Weniger ist mehr.



Deshalb sind Makros und Teleaufnahmen leichter.

Und Weitwinkelaufnahmen gehören zum Schwersten, was es gibt.

Was meint ihr dazu?


Liebe Grüße
Thomas
« Letzte Änderung: 02. Mai 2007, 20:46:26 von Thomas »
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Gartenlady

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #2 am: 03. Mai 2007, 19:24:10 »

Ich möchte aber gerne möglichst viel von einem Garten und einer Landschaft sehen :P Diese Gartendetails werden schnell langweilig, weil sie sich alle ähneln. Den unverwechselbaren individuellen Garten kann man in noch so kunstvollen Detailaufnahmen nicht erkennen.

Das gilt auch für Landschaftsaufnahmen.

Du hast sicher Recht, Thomas, dass Weitwinkelaufnahmen schwierig sind, aber von Schwierigkeiten wollen wir uns doch nicht entmutigen lassen ;) ;D

Fotografie ist eben nicht immer Kunst, oft ist es Dokumentation. Solche dokumentierenden Fotos können trotzdem sehr schön sein, wie uns die GartenfotografInnen immer wieder beweisen.

Ich bin gestern und heute Deinem Vorschlag gefolgt und habe Makrogarteneinblicke fotografiert, ich kann dazu nur sagen: grauenhaft. Ein Makro ist offenbar für Makros vorgesehen ;)

Hier ist solch ein grauenhaft verschwommenes Foto, der Fokus war auf den grünen Farn in der Mitte gerichtet, mit Stativ und Fernauslöser. Die Verkleinerung auf 80 KB macht die Katastrophe perfekt.
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Gartenlady

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #3 am: 03. Mai 2007, 19:26:45 »

Ich habe gestern aber doch noch einen Internet-Shop gefunden, der das Nikon 18-200mm Objektiv vorrätig hatte. Gestern bestellt, heute mit DHL geliefert :o :D

Hier das gleiche Motiv mit diesem Objektiv, die Unschärfe links unten hat der Wind verursacht. Das Verkleinern wirkt sich auch hier negativ aus, Farne sind halt sehr detailreiche Motive.

Mit Stativ, aber ohne Fernauslöser.
« Letzte Änderung: 03. Mai 2007, 19:27:39 von Gartenlady »
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mara

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #4 am: 03. Mai 2007, 20:12:47 »

Dieses Thema beschäftigt mich auch schon eine Weile.

Der Vergleich ist sehr aufschlussreich: Das zweite Bild ist eindeutig besser, in jeder Hinsicht. Ich habe bisher, wie von Thomas oben empfohlen, auch für Übersichtsaufnahmen mein Makroobjektiv benutzt (habe auch kein anderes...) Aber so ein Zoom-Ding, wie bei meiner kleinen Lumix, ist für manche Zwecke einfach besser geeignet. Kannst du verraten, bei wem du deins bestellt hast?
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Faulpelz

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #5 am: 03. Mai 2007, 21:08:39 »

Gartenlady, auch wenn du vielleicht mit der Qualität des obigen Fotos vom technischen Standpunkt her gesehen noch nicht ganz zufrieden bist, finde ich dieses Foto einfach trotzdem wunderschön, weil mir die Bepflanzung super gut gefällt. Eine herrlich ausgewogene Kombination von verschiedenen Schattenstauden mit unterschiedlichen Blattformen. So liebe ich es.

So, und nun zu meinem Problem. Ich muss Thomas wie auch Birgit und Mara beipflichten. Es ist klar, dass minimalistische Gartenausschnitte ausgewogener sind, besser wirken und nicht so kruschelig sind. Seit ich fotografiere, gestalte ich meinen Garten immer strenger. Eine Kletterrose wirkt zum Beispiel vor einer akkurat geschnittenen Hecke oder vor Buchs einfach anders bzw. kommt besser zur Wirkung/Geltung, als wenn man drei Kletterrosen unterschiedlicher Farbe nebeneinander stehen hat. Allerdings gefallen mir Gärten auch in ihrer natürlichen Wildheit und die möchte ich auf keinen Fall wegstylen. Das wirkt mir zu gekünstelt und ich will meine wilden Ecken auf jeden Fall behalten. Ich habe schon immer ein Faible für Naturgärten. Mein Garten ist stark verwinkelt mit kleinen Gartenzimmern und der ist hundertmal schwieriger zu fotografieren wie ein weitläufiger Garten mit großen Grünflächen dazwischen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Fotografin Christa Brand das erste Mal durch meinen Garten geschritten ist. Ihre Worte: "Oje, der ist schwer zu fotografieren". Mein Garten ist mit einer Festbrennweite nicht zu bewerkstelligen. Ich stünde ständig in irgendwelchen Beeten, wenn ich einen anderen Bildausschnitt wählen müsste und würde alles niedertrampeln. Ist auch so schon schlimm genug ;). Also eine leichte Tele-Funktion ist das A und O. Allerdings geht es mir eigentlich weniger um eine gute Bildgestaltung/Komposition, sondern vorrangig um das technische Problem: Was kann ich tun, um
a) ein besseres farbliches Ergebnis zu erzielen (das Grün wirkt bei manchen Lichtverhältnis einfach grausam unnatürlich, zu hart, zu giftig.... ich hab den Bogen noch nicht raus ???
b) wie erreiche ich durchgehende Schärfe mit gutem Kontrast
(wenn ich mir das Histogramm angucke, dann sehe ich sofort, aha, wieder nix Gescheites geworden. Wenn die "Berge" nicht bis an den oberen Bildrand reichen, fehlt der Kontrast und das Bild ist flach und fad. Passiert mir sehr häufig bei Gartengesamtansichten. Solche Bilder kann man unmittelbar nach dem Fotografieren löschen. Da hilft auch keine Bearbeitung mit Photoshop.
c) Wann ist der beste Zeitpunkt um Fotos zu schießen? Ich mache die Erfahrung, abends mit Gegenlicht. Da wirken die Bilder am besten. An einem wolkigen Tag ist es am allerbesten, was aber heuer bisher kaum gegeben ist. Der Wind bläst auch nonstop, also bisher mehr als schwierig. Ich empfinde Landschaftsaufnahmen als nicht so schwierig wie Gartenfotos. Und wie Gartenlady schon sagt, ich möchte vom Garten auch was sehen und nicht nur winzige Ausschnitte zu Gesicht bekommen. Diese vermitteln kein Bild von einem Garten.

So, das war aber ein Roman zu später Stunde, den ich hier verfasst habe.
Ich würde mich über Verbesserungsvorschläge sehr freuen, denn das Thema ist mir sehr wichtig.

LG Evi
« Letzte Änderung: 03. Mai 2007, 21:10:34 von Faulpelz »
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Nutze die Talente, die du hast.
Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen (Henry Jackson van Dyke, 1852 - 1933)

sitting duck

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #6 am: 04. Mai 2007, 08:32:00 »

Moin zusammen,

die hier angeschnittenen Probleme scheinen mir recht unterschiedlicher Art zu sein. Man muß zunächst definieren, welcher Art das Foto sein soll, das man machen will - naturgetreue Wiedergabe (technisches Bild) oder künstlerische Gestaltung (Stimmungsbild). Alles hat ja für sich gesehen seine Berechtigung.

Aus den Zielen ergeben sich dann die Notwendigkeiten hinsichtlich des Lichtes (Farben, Schatten), der Brennweiten (räumliche Verzerrrung) und Wahl von Zeit/Blende (Tiefenschärfe, Bewegung).

Bezogen auf die Brennweiten einer analogen Kleinbildkamera (für digitale Kameras muß man deren Brennweiten umrechnen) entspricht eine Brennweite von 50 mm ungefähr der des menschlichen Auges. Damit werden Objekte im Bereich von ca. 3 m bis ca. 20 m für unser Empfinden ungefähr "normal" abgebildet. Insbesondere bei kürzeren Entfernungen kommt es dabei allerdings zu relativen Verzerrungen: Ein formatfüllendes Portraitbild zeigt dann die Nase relativ zu groß, die Ohren relativ zu klein - das Gesicht wird grausam verzerrt. Daher bevorzugt man hierfür ein kleines Teleobjektiv (135 mm ca.).

Je höher die Brennweite wird, desto mehr werden die weiter entfernt befindlichen Objekte stärker herangeholt. Man erzielt damit eine Art Kulissenwirkung wie auf einer Theaterbühne. Bei extrem hohen Brennweiten, z.B. 400 mm, scheint dann ein weit entfernter Berg direkt hinter einem im Vordergrund gelegenen Haus zu liegen - eine optische Täuschung. Andererseits vermeidet man mit Telebrennweiten das Problem von stürzenden oder gebogenen Linien, wenn man ein Objekt in großer Entfernung formatfüllend abbildet.

Die Verkürzung der Brennweiten unter 50 mm (analoge KB), also die Weitwinkelobjektive, bewirken das Gegenteil. Es werden mehr bzw. größere Objekte in das Bildformat einbezogen. Nahe Objekte werden scheinbar weiter weg gerückt. Hintereinander gelegene Objekt werden relativ weiter in der Tiefe voneinander entfernt. Man kann in einer engen Straße z.B. eine Kirche mit Turm vollständig abbilden. Jedoch erscheinen die Fassadenkanten zu stürzen und gebogen zu sein. Im Extremfall einer fish-eye Linse (ca. 15 mm) sieht man die Welt um sich herum ringförmig abgebildet.

Die Zoomobjektive bieten den Vorteil, daß man vom Weitwinkel über das Normal bis zum Tele nahtlos mehrere Brennweiten zur Verfügung hat; das wird allerdings mit dem Nachteil erkauft, daß die Qualität der Abbildung gegenüber den einzelnen Wechselobjektiven eingeschränkt ist und die Lichtstärke der Zoomobjektive geringer ist. Bei schlechten Lichtverhältnissen bzw. bei schnell bewegten Objekten kann das zum Problem werden.

Für digitale Kleinbildkamers gelten andere Brennweitenangaben: So entspricht z.B. ein 12-facher optischer Zoom von 6 bis 72 mm einer digitalen KB dem Zoom einer analogen KB mit ca. 35-435 mm. Die optischen Auswirkungen sind allerdings ungefähr gleich.

Makroobjektive sind eine Spezialität, da sie erlauben die minimale Entfernung der Kamera vom Objekt nach unten zu verkleinern. Sie arbeiten bei vielen analogen KB mit der "normalen" Brennweite von 50 mm, sind also wie ein Normalobjektiv auch bis unendlich nutzbar. Jedoch kann man sich dem Objekt bis auf wenige Dezimetern nähern. Mit Zusatzlinsen oder Zwischenringen reduziert sich die Distanz fast bis 0 cm, jedoch gibt es dann wieder Entfernungsgrenzen nach oben (meist deutlich unter 1 m). Wegen der Brennweite gilt das oben gesagte hinsichtlich der Abbildungstreue der unterschiedlich entfenten Gegenstände.
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Thomas

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #7 am: 04. Mai 2007, 09:56:58 »

Da sind ja schon ein paar interessante Beiträge zusammengekommen!

@Gartenlady: Klar, der Herausforderung wollen wir uns stellen! 8) Ich habe lediglich zu erklären versucht, warum man bei Tele- und Makroaufnahmen schneller zu kompositorisch befriedigenden Ergenissen kommt als mit Übersichts- oder gar Weitwinkelaufnahmen.

Meiner Meinung nach muss man unterscheiden, wie auch Thomas / Sitting Duck schreibt: Soll das Foto 'lediglich' etwas zeigen, oder soll es zusätzlich auch ein gestalterisch gutes Foto sein? - Letzteres ist halt oft schwer, und man sollte deshalb bei der Bildkomposition immer auch versuchen, durch ein 'Weniger ist mehr' eine gültige und bessere Bildaussage zu erhalten.

Was mich wundert ist die schlechte Qualität deiner Fotos mit dem Makroobjektiv. Im Allgemeinen sind Makros Optiken besonders guter Qualität, und zwar auch bei 'normalen' Aufnahmeentfernungen.

@Evi: Du beschreibst sehr gut die Schwierigkeiten, die man bei Übersichtsfotos hat. Die Wahl eines guten Ausschnitts (der sowohl das abbildet, was man zeigen möchte, wenig Störendes enthält, als auch bildkompositorisch in Ordnung ist) ist oft extrem schwer, in vielen Fällen tatsächlich unmöglich.

Die Belichtung wähle ich bei solchen Fotos immer knapp (ca. 1/3 Blendenstufe unterbelichtet) und möglichst weich. Außerdem wähle ich ein verlustfreies Datenformat (mindestens JPEG fine, besser Raw). So habe ich in der Nachbearbeitung alle Spielräume.

Der richtige Zeitpunkt zum Fotografieren kann oft der Morgen oder der Nachmittag sein, in erster Linie wegen der angenehmen Farbtemperatur und dem schräg einfallenden Licht, das Details herausarbeitet statt sie zu verflachen, wie dies bei Mittagslicht oft geschieht. Allerdings können an sonnigen Tagen extreme Hell-Dunkel-Kontraste auftreten, die einfach nicht in den Griff zu bekommen sind, sodass man bessere Ergebnisse oft an bedeckten Tagen erzielt.

@Thomas: Da hast du ja übersichtlich und gut verständlich grundlegende Aspekte der verschiedenen Objektivbrennweiten zusammengefasst, vielen Dank! Ich denke, für Übersichtsfotos, wie sie z.B. Gartenlady und Evi machen wollen, sind normale Brennweiten (vom leichten Weitwinkel bis zum leichten Tele) wohl am besten geeignet - was meinst du?


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Thomas
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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #8 am: 04. Mai 2007, 10:13:49 »


Was mich wundert ist die schlechte Qualität deiner Fotos mit dem Makroobjektiv. Im Allgemeinen sind Makros Optiken besonders guter Qualität, und zwar auch bei 'normalen' Aufnahmeentfernungen.

ich habe das so hochgelobte Nikon 60mm Makro. Ich habe aber gelesen, dass Makroobjektive für Übersichtaufnahmen nicht gut geeignet sind.

Dieser besonders filigrane Farn ist natürlich auch ein besonders schweiriges Motiv, bei den übrigen Gartenansichten fiel die Unschärfe nicht besonders auf.

Heute Morgen habe ich die Farnansicht noch mal mit dem neuen Objektiv und in einem größeren Ausschnitt versucht, ich musste lange belichten, da die Gartenpartie noch im Vollschatten lag, und diese Aufnahmen sind auch unscharf geworden. Die Aufnahme mit dem Makroobjektiv ist gestern morgen etwa zur gleichen Zeit entstanden, ich muss also heute Abend die Partie noch mal mit dem Makro versuchen, zu gleicher Zeit wie gestern mit dem Zoom, um wirklich vergleichbre Ergebnisse zu haben.

Ich habe übrigens gestern die Nikon Homepage studiert und dabei festgestellt, dass Nikon gar keine Objektive mit Festbrennweiten für die dSLRs anbietet (außer den Makroobjektiven).
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Thomas

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #9 am: 04. Mai 2007, 10:17:26 »

Ich zeige hier mal ein älteres Foto von mir, das verschiedene Aspekte illustriert:



Maschendrahtzaun in Blüte



1. Es ist mit dem Sigma 105 mm Makro gemacht, und ich denke, Schärfe etc. sind ok.

2. Es zeigt eine typische Ecke unseres Gartens, gibt also einen gewissen Eindruck dieser Ecke.

3. Es zeigt aber wenig Details, sodass wohl für jemanden, der die Situation dort nicht kennt, nur schwer erkennbar sein dürfte, wie es dort 'wirklich' aussieht.


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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #10 am: 04. Mai 2007, 10:22:57 »

Gartenlady, das 60 mm Micro-Nikkor habe ich auch. Bei mir macht es superscharfe Aufnahmen auch im Normalbereich. Da würde ich wirklich mal testen, denn wenn es unscharf ist, dann stimmt da was nicht.

Du kannst übrigens alle Nikon Festbrennweiten vom Weitwinkel bis zum Tele auch an den dSLR-Modellen benutzen. - Umgekehrt kannst du allerdings die DX-Nikkore nicht auch an analogen Nikons benutzen (bzw. nur mit Einschränkung).


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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #11 am: 04. Mai 2007, 11:41:10 »

Sozusagen in Fortsetzung meines Beitrags zu den Brennweiten würde ich für rein technische Bilder mit visuell richtiger Wiedergabe der unterschiedlichen Distanzen der verschiedenen Objekte, also bei Halbtotal-Bildern (Gartenausschnitten mit mehreren Pflanzen) oder bei Totalansichten (ganze Gartenpartien, ganzer Garten) eine Brennweite um die 50 mm (analoge KB) wählen. Solche Bilder könnten eventuell dazu dienen, zwecks Vorschlägen zur Gartengestaltung einen fertigen Garten oder Gartenteil zu präsentieren.

Die Einschränkung besteht dann lediglich aus den Standorten des Fotografen - wenn es zu eng wird, muß ein Weitwinkel her, wenn ich weit weg stehen muß, eben ein Tele. Die oben beschriebenen Nachteile muß man dann halt in Kauf nehmen. Manchmal muß man sogar auf eine hohe Leiter oder aufs Dach ;)

Bei einer künstlerischen Gestaltung - man könnte auch Verfremdung oder Täuschung sagen :) - ist eigentlich alles erlaubt: Was will ich zum Ausdruck bringen?

Edit: Ich werde, um die unterschiedlichen Komponenten zu trennen, noch einen separaten Beitrag zu Licht und Tiefenschärfe aufmachen - sobald ich wieder Zeit finde.
« Letzte Änderung: 04. Mai 2007, 11:44:11 von sitting duck »
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Thomas

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #12 am: 04. Mai 2007, 12:13:14 »

Bei einer künstlerischen Gestaltung - man könnte auch Verfremdung oder Täuschung sagen :) - ist eigentlich alles erlaubt

Einspruch ;)

Ein gutes Foto muss überhaupt nicht mit Verfremdung arbeiten. Alleine durch kompositorische Mittel kann ein Foto 'gut' werden. Natürlich sind Wahl des Aufnahmestandpunktes und des Bildausschnitts etc. subjektiv, aber eben keine Verfälschung.

Und außerdem gibt es ja auch gute sachliche Fotografie.

Liebe Grüße
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Gartenlady

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #13 am: 04. Mai 2007, 13:28:37 »


3. Es zeigt aber wenig Details, sodass wohl für jemanden, der die Situation dort nicht kennt, nur schwer erkennbar sein dürfte, wie es dort 'wirklich' aussieht.


Stimmt, es ist schwer erkennbar wie es in Wirklichkeit aussieht, aber liegt das an zu wenigen Details? Ich glaube, wenn man einen kleineren Ausschnitt wählen würde, wäre das Foto möglicherweise schöner, aber man würde doch noch weniger wissen, wie die Ecke in Wirklichkeit aussieht. Es würde mich wirklich interessieren, wie es aussieht, wenn man einen größeren Überblick hätte.

Zitat
Gartenlady, das 60 mm Micro-Nikkor habe ich auch. Bei mir macht es superscharfe Aufnahmen auch im Normalbereich. Da würde ich wirklich mal testen, denn wenn es unscharf ist, dann stimmt da was nicht.
Ich muss es heute Abend noch mal testen, jetzt liegen die Farne im Sonnenschein, die Aufnahmen, die ich eben versucht habe sind scharf, aber wegen zu grellem Licht unbrauchbar.
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Gartenlady

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Re:Objektiv-Brennweiten - was braucht man wofür?
« Antwort #14 am: 04. Mai 2007, 15:38:35 »


Edit: Ich werde, um die unterschiedlichen Komponenten zu trennen, noch einen separaten Beitrag zu Licht und Tiefenschärfe aufmachen - sobald ich wieder Zeit finde.

Hier hat Thomas zu verschiedenen Fotografiethemen sehr gute Artikel geschrieben, Dein geplantes Thema ist auch dabei. Hier im Forum versinken solche Ausführungen früher oder später im Forumsuntergrund.
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