>Die Pflanzengesellschaft deines damaligen Grundstücks unterscheidet sich kaum, vielleicht sogar gar nicht von dem, was am Ende des bebauten Gebietes vorzufinden ist.
Lieber fars, das ist ganz einfach Unsinn. Ich lebe in München, auf der bekannt ärmlichen Münchner Schotterebene, die von jeher für die Landwirtschaft nur bedingt geeignet war. Heute wachsen um München herum Mais und Raps und Kartoffeln und fett gedüngte Wiesen mit Löwenzahn - alles dank moderner Düngetechniken, die es sehr wohl so vor 80 Jahren noch nicht gab. Es sind nicht nur die Düngetechniken, sondern auch die Saatgutreinigung, die vielen hübsch blühenden Ackerunkräutern den Garaus gemacht haben. Nördlich der Stadt wurden bereits vor etwa hundert Jahren einige Gebiete unter Schutz gestellt, weil man damals schon erkannte, dass die jahrhundertealte
Kulturlandschaft (ich versteh gar nicht, warum du mich so hartnäckig für einen verquasten Romantisierer einer vermeintlich unberührten Natur hältst) mit ihrer reichen Flora und Fauna durch moderne Bewirtschaftung dem Untergang geweiht war. Ein Spaziergang durch die
Garchinger Heide, in der die alte Wirtschaftsweise als Weide und Mahdwiese erhalten wird, ist ein ziemlicher Augenöffner und aus botanischer Sicht schlicht begeisternd. Du bist doch sonst so ein Raritätenfreund - findest du das nicht schön?
Und Wolfgang, ich habe nie gesagt, dass der Versuch, vom Aussterben bedrohte Pflanzen im Garten anzusiedeln gärtnernisch per se wertvoller ist als eine riesige Hostasammlung oder ein Golfrasen. Aber mindestens so kunstvoll.
Den einen interessiert es, wie gut sein blauer Mohn wächst, wenn er Jahr für Jahr feinsten selbstkompostierten Laubhumus (oder was er auch braucht) drüber gibt und ihn regelmäßig einnebelt und ihm Bilder vom Himalaya zeigt, damit er nur ja nicht Heimweh kriegt. Den anderen interessiert es, was passiert, wenn er ein Stück Wiese abmagert und das Sensen lernt, um sich ein paar mal im Jahr als Schafersatz zu betätigen, damit seine kostbaren Orchideen und Kartäusernelken sich wohlfühlen. Ich versteh gar nicht, warum fars und Wolfgang es nötig haben, die Leute, deren Herz für bereits länger hier heimische Flora schlägt, als naiv und versponnen darzustellen. Sucht sich halt jeder sein Paradies.
Am Naturschutz im Himalaya dürftet ihr aber auch interessiert sein, sonst versiegt nämlich irgendwann der scheinbar endlose Strom an leuchtenden Raritäten.