Ein besonderes Verhältnis zum Grünkohl haben die Bremer entwickelt.
Der Bremer isst "Kohl und Pinkel".
In dieser Zeit werden in "Bremen und Umzu" Kohlfahrten veranstaltet. Man trifft sich im Freundes- und Kollegenkreis und zieht, mit einer Drehorgel und mehreren Flachen "Schluck" in eines der vielen Kohl und Pinkel Ausfluglokale. Vor dem Essen wird erst mal eine längere Strecke gewandert um richtig Hunger zu bekommen und wer nicht mehr laufen kann bekommt einen "Schluck". Und wer kann schon laufen?
Aber selbst sehr traditionsbewusste und heimatverbundene Bremer werden nicht umhin können, der unbestreitbaren Wahrheit ins Auge zu blicken, dass Kohl auch außerhalb Bremens gegessen und hoch geschätzt wird. So lieben die Braunschweiger ihren braunen Kohl mit Bregenwurst ebenso wie die Ostfriesen ihren Grünkohl. Schüsseln mit dampfendem Kohl stehen im Holsteinischen auf dem Tisch, ebenso wie in der Lüneburger Heide, im Hannoverschen und sogar in Hamburg, vom Oldenburgschem ganz zu schweigen. Aber die Bremer haben aus ihrem "Kohl und Pinkel" ein Nationalgericht gemacht, eben eine vaterländische Angelegenheit.
Grünkohl wird in Bremen und Umzu, wie es sich gehört, mit dem Inhalt einer Pinkelwurst gekocht. Und nun wären wir bei einem Hauptbestandteile eines zünftigen Kohl und Pinkel-Essens nämlich dem Pinkel.
Diese von Nichtbremern als genierlich empfundene Spezialität hat nichts Unanständiges an sich. Pinkel besteht aus reichlich Speck und Zwiebeln aus Schweineflomen, Hafergrütze, Pfeffer, Salz, und Nelkenpfeffer und wird wenn alles gut gemischt ist in den Mastdarm des Rindes den man auch Pinkeldarm nennt gestopft.
Außer dieser Pinkelwurst gehören zu einem deftigen Kohl und Pinkel-Essen unverzichtbar Kasseler Rippenspeer, frischer Bauchspeck und eine Kochwurst, ja hin und wieder auch mal eine Gänsekeule.