Hallo Suse, hallo Rob,
letztes posting für heute

Wie Rob schon richtig beschrieben hat, sind diese Listen für zugelassene Sorten. Das bedeutet nicht, dass sie verschwinden. Leider wird dies oft falsch gesehen, im Gegenteil, wenn der Sortenschutz nicht mehr erneuert wird, sind sie so etwas ähnliches wie Generika.
Das mehr und mehr samenechte Sorten (übrigens samenecht ist o.p. ... open polinated) aus der Liste der zugelassenen Sorten verschwinden, hat einfache Gründe. Neben dem oft verschwiegenen Heterrosis Effekt der F1-Sorten bieten o.p Sorten oft nicht mehr genügend Anbausicherheit für die Gärtner (Resistenzen, Erntesicherheit, Erntefenster, Robustheit gegen Wetterschwankungen...u.v.m.). Auf gut deutsch, kein Gärtner kauft sie mehr, obwohl sie meisstens mehr als die Hälfte billiger sind, als F1.
Jede Saatgutfirma kann selber frei entscheiden, wie lange sie den Sortenschutz aufrecht erhält. Viele Saatgutfirmen erneuern ihren Sortenschutz bei o.p. Sorten oft nicht mehr, wenn der Markt auf F1 umgeschwenkt ist. Deshalb verschwinden viele dieser Sorten aus den Listen der EU...oder sonstiger Behörden.
Verschwinden sie aber wirklich, wie mir die Medien und all die selbsternannten ideologisch gesteuerten Sortenretter einreden wollen? Ich nehme bewusst die hart am Sortenpool mitarbeitenden Gärtner hier aus meiner Kritik raus.
Ja, sie verschwinden aus dem Profianbau. Nein sie verschwinden nicht aus dem Hobbyanbau und nochmal nein, das entscheidende nein...sie sind Grundlage für neue Sorten.
Wie die Referenz von Suse zeigt, erhöht sich die Sortenvielfalt. Die o.p. Sorten werden weniger. F1 nimmt zu. Diese Aussage stimmt für alle Kulturen (o.k. ausser Salat).
Ich bin nicht unbedingt glücklich über diese Entwicklung, mir fällt aber kein Geschäftsmodell ein, wie man Sorten in etwas ähnlichem, wie open source software auf höchsten Niveau weiterentwickeln könnte und frei verfügbar machen kann.
Mal ein kleines Denkmodell:
Alle Tomatenliebhaber alter o.p. Sorten müssten sich erstmal verständigen, wer was macht. Jeder Vermehrer alter Sorten könnte mit einer Uni zusammenarbeiten, damit er Laborkapazitäten bekommt und sich speziell um eine Krankheit kümmern kann. Nur so könnte man ein minimales Resistenznieveau hinbekommen. Alle Beteiligten arbeiten mindestens 10 Jahre für lau...solange dauert minimal ein Programm und auf den Kosten bleibt jeder, der mitmacht sitzen, da alle Sorten frei vermehrt werden sollen.
Open source Saatgut auf höchsten Niveau in voller Vielfalt und frei für jedemann wäre ein mögliches Ergebnis.
Ich wäre ein glücklicher Gärtner, wenn das möglich wäre!
so long
Yorvik