Ich möchte erstmal ein paar grundsätzliche Dinge klären:
- Die Vermehrung von sortegeschützten Pflanzen ist nur dem komerziellen Anbauer verboten, nicht dem Privatmenschen. Der kommerzielle Vermehrer/Anbauer macht ja Geld damit. Wenn er allerdings illegal sortengeschützte Pflanzen vermehrt, bereichtert er sich auf Kosten anderer bzw. an derem Gut. Man könnte es mit Copyright vergleichen: Privatmensch darf kopieren (jedenfalls sollte er dürfen...), aber wenn man die kopierte Musik verkauft und sich daran bereichert, begeht man einen Gesetzesbruch. Wo ist das Problem?
- F1-Hybriden können eh nicht einfach so vermehrt werden. Da kommt der Herr Mendel dazu und schwupps sind die Sämlinge nicht mehr so leistungsfähig wie die F1-Generation. Da muss man nicht mal mit Strafen o.ä. drohen. Es ergibt einfach keinen Sinn, eine F2 anzuziehen! Ist übrigens ein großes Problem in Entwicklungsländern, weil die Erträge über wenige Jahre drastisch zurückgehen.
- Terminator soll zwar hier kein Thema sein, ist aber im Endeffekt nichts anderes als ein Kopierschutz. Seh ich kein Problem.
Samenzüchter können trotzdem immer noch bessere Sorten erzüchten und auf den Markt bringen, auch wenn Sorten weitervermehrt werden.
Eben nicht! Wenn die Züchter einen Haufen Geld reinstecken,
müssen sie das wieder erwirtschaften. Alternative wäre höchstens staatlich finanzierte Züchtung.
Hier herrschen, glaube ich, falsche Vorstellung von moderner Züchtung. Es ist kein "ich säe mal 1000 Pflanzen aus und vermehre die beste weiter". Das war mal vor Ewigkeiten so. Heutzutage braucht man eine Menge kompetenter Leute, ein Labor für alle möglichen Tests (von Stoffanalysen bis zu DNA-Tests), insektensichere Gewächshäuser, geeignete Ausgangspflanzen, deren Suche lange dauern kann und eine Menge Zeit.
Und wenn man dann eine Sorte dem Sortenamt vorlegt (nicht nur für Sortenschutz; Alle für Lebensmittel gedachten Sorten müssen getestet werden! ->Verbraucherschutz), trägt man selbst die Kosten für deren vielen Tests. Das Sortenamt macht das doch nicht kostenlos.
Andererseits - wie soll ein Bauer z.B. eine Sorte noch besser an seine Standortbedingungen anpassen, wenn er sie nicht nachbauen kann?
Diese Anpassung an die Standortbedingungen wird mehr als überbewertet. Man weiß von einer Sorte, für welche Bedingungen sie wie gut geeignet ist. Der professionelle Anbauer kann bei modernen Sorten die Eigenschaften eh kaum beeinflussen.
Bei Selstbefruchtern hat man einen sehr hohen Homozygotiegrad. Da kann man nur auf eine natürliche Mutation, die sich positiv auswirkt hoffen. Eher wird man vom Blitz getroffen, wenn man gerade beim Jaucherühren ist.
Bei heterozygoten Sorten ist ein Nachbau unsinnig, weil sie ausmendeln (s.o.).
Bei Fremdbestäubern muss man man die Bestäubung kontrollieren + eine hoher Heterozygotiegrad kommt hinzu. Das übersteigt die Fähigkeiten des gewöhnlichen Anbauers um Weiten! V.a. weil er dann in die Tiefen der Genetik einsteigen müsste. Dabei blicken viele schon bei Mendel 3 nicht durch. Was ist dann erst bei gekoppelten Genen, Translokation, springenden Genen usw.?