Gartenliebhaber können ganz schön hart sein.
Welch eigenartige Einstellung "in dubio pro Baum". Dieses Problem (ob es ein Problemchen ist, könnten wir nur nach vorheriger Augenscheinnahme beurteilen und Linden können immerhin sehr brüchige Äste haben) hat doch zwei Seiten.
a) die Haftungsfrage des Baumeigentümers, die ruinös sein kann, wenn die Versicherung nicht eintritt (welche sollte das übrigens sein? Die Haus-und Grundbesitzer-Haftpflicht? Umfasst die derart alte Bäume?)
b) die Schutzbelange Dritter
Ich bin bestimmt nicht jemand, der leichten Herzens Bäume stutzt oder gar fällt. Aber wenn durch einen Baum Menschen gefährdet sein können , und diese Wahrscheinlichkeit besteht bei so alten Bäumen in sehr hohem Maße, ist eine Entscheidung für den Baum (er muss ja nicht gleich beseitigt werden) für mich völlig unakzeptabel. Und genau so wird im Schadensfall auch die Versicherung argumentieren.
Die Frage ist also ganz nüchtern und unemotional: Müssen die Bäume pflegerisch bearbeitet oder gar gefällt werden? Hier in meiner Stadt wurde im Stadtkern eine mächtige Rosskastanie dahingehend geprüft, ob sie einem Sturm in Orkanstärke standhält. Mittels Seilzug wurde der Winddruck imitiert und mit Horchgeräten die Biegegeräusche des Baumes aufgezeichnet. Die Stadt hätte keinen Moment gezögert, den alten Baum zu fällen, wenn der Test negativ verlaufen wäre. Ich sprach mit den Baumpflegern, die berichteten, dass ein solcher Baum Winddrücke bis zu 300 Tonnen aushalten müsste.
Die beiden Bäume untersuchen zu lassen ist also der erste richtige Schritt. Aber da es um Haftungsfragen geht, wird wohl kein Baumpfleger ein uneingeschränktes Testat erteilen.