man kann nicht ernsthaft das für und wider asiatischer Gärten diskutieren. Sie sind da und auch hier und man kann sie schön oder gelungen finden oder sie können einen berühren oder das auch bleiben lassen.
Was Gärten in Asien an sich haben ist eine längere Gartentradition als wir sie haben und das sieht man diesen Gärten an. Alleen uralter Zierkirschen, greise Ginkgos mit diesen Auswüchsen wie Zapfen, wirklich alte Bonsai und ehrwürdige an Gerüsten gezogene und sorgfältig gestutzte Koniferen.
Was ich lächerlich finde ist, das kopieren zu wollen und für schnell vermarktbar zu halten. Geschaffen wurden diese gärtnerischen Kunstwerke ursprünglich um uns die Zeit vor Augen zu halten. Die Notwendigkeit für Kontinuität im Leben und die Behutsamkeit mit der man damit umgehen muss.
Erschrecken tut mich, dass diese bedeutsamen Dinge unachtsam verramscht werden.
Genauso erschüttert bin ich, wenn solche Maler wie Cesanne ihren Namen für total bekleckste Rosenzüchtungen hergeben müssen.
Solche Gefühle haben mit dem grundsätzlichen Pluralismus, dem ich in Gartenfragen und auch sonst anhänge nichts zu tun.
Im eigenen Garten ist alles möglich. Kunst und Kitsch und Minimalismus und Überschwang und Barock oder Moderne. Am liebsten sind mir Gärten, die die Biographie ihrer Gärtner wiederspiegeln. Unwohl fühle ich mich in Gärten, die zu viel von mir wollen, die anstrengend sind oder verlogen oder geheuchelt.
Die Kombination von Delbard Rosen mit Wolkenschnitt und schwarzwälder Geländer ist anstrengend. Diese Gartenbesitzer wollten von mir zu viel Bewunderung. Hatte ich nicht mit dabei.
Nackte Kiesflächen wie auf Friedhöfen sind anstrengend. Diese Gartenbesitzer wollen von mir, dass ich keine Spuren hinterlasse, keinen Dreck mache, kein Lebenszeichen von mir gebe und wollen mich nur in ihrem Garten, wenn ich ein sauberer und ordentlicher Mensch bin. Bin ich nicht. Mensch sein reicht mir.
Beth Chattos Kiesgarten ist eine Reise wert! Den Chinesischen Garten in Frankfurt kenne ich noch nicht. Nur die Rhododendronpflanzung im Palmengarten. Die fand ich gut gelungen mit den großen runden Granitsteinen.
Der asiatische Garten in Münzesheim ist auch liebevoll angelegt. Etwas schräg, etwas überladen und ein wenig ja-panisch aber in keiner Weise effekthascherisch, sondern eher expressiv, was ja nun weniger im japanischen Sinne ist.
Wunderbar ist es, wenn aus allen Teilen der Welt in den eigenen Garten das getragen und übertragen wird, was eine persönliche Bedeutung und einen Bezug zum eigenen Leben hat. Wenn man sozusagen zwischen den eigenen Erfahrungen und Erinnerungen jäten kann. Wirkliche Begegnungen mit Gartenmenschen finde ich überhaupt nicht anstrengend.