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Drüsiges Springkraut und andere Neophyten (Gelesen 9533 mal)
Moderatoren: Nina, Phalaina, AndreasR
- Gartenlady
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Re:Drüsiges Springkraut?!
Beim Spaziergang im Wald bin ich gerade an einem Gebiet vorbeigekommen - kein Bach weit und breit - und nichts als drüsiges Springkraut zwischen den Bäumen, so weit das Auge reichte. Dazwischen ein mahnendes Schild: "Bürger schützt die Natur, betretet nicht die Flächen"
Das Zeug hat sogar die Farne verdrängt.
Re:Drüsiges Springkraut?!
Mari, ich habe diesbezüglich im Nachbarforum vor längerer Zeit auch schon mal einen Thread begonnenhttp://forum.planten.de/index.php/topic,18672.0.htmlIch habe sozusagen die Patenschaft für ein Waldstück übernommen, welches sich in der Nähe meines Grundstücks befindet. Ich reiße jedes Jahr sämtliche Pflanzen aus, wenn sie blühen und wenn´s gerade geregnet hat und der Boden locker ist. Sie werden langsam weniger, ich muss aber konsequent dran bleiben.Erst gestern habe ich wieder ein paar Stauden entfernt.Die Geister streiten sich bezüglich des indischen Springkrauts. Die einen finden es nützlich für Hummeln usw., die anderen verteufeln es. Für mich persönlich stellt es eine Bedrohung der heimischen Vegetation dar und darum bekämpfe ich es.LG Evi
Nutze die Talente, die du hast.
Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen (Henry Jackson van Dyke, 1852 - 1933)
Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen (Henry Jackson van Dyke, 1852 - 1933)
Re:Drüsiges Springkraut?!
Hallo Evi!Ich selber habe mich bisher auch immer wieder geärgert, wenn ich wieder irgendwo in meiner näheren Umgebung einen neuen Bestand entdeckt habe. Bis ich dann neulich eben den Garten meiner Kollegin besichtigt habe, und es hat sich dort wirklich hübsch gemacht. Naja. Außerdem bin ich neulich eben auch in eine Diskussion geraten, und dort musste ich mir anhören, dass wohl riesige Brennesselflächen auch nicht so toll sind. Dann lieber Springkraut.Gibt es zum Umgang mit dem Springkraut eigentlich irgendwelche amtliche Richtlinien?Und was ist eigentlich aus dem Riesen-Bärenklau geworden? Bekämpft den noch jemand?!In der Wikipedia habe ich gerade nochmal unter Neophyten nachgesehen. Der Sommerflieder und die Goldrute werden ja anscheinend auch als problematisch eingestuft.
Mari
Re:Drüsiges Springkraut?!
Ist interessant wie ihr hier das indische Springkraut als Gefahr für die heimische Vegetation hochspielt. Nach wenigen Jahren Massenbestand hat die Art den Boden ausgelaugt, bzw.sind genügend Hemmstoffe im Boden. Dann geht der Bestand rapide zurück. Nur da wo ständig ein Nährstoffeintrag stattfindet und offener feucht/nasser Boden ansteht, vermag sie sich lange zu halten. Auch wird massive Beschattung nicht vertragen.Viel problematischer ist das unscheinbare Impatiens parviflora. Dieser Einwanderer ist wirklich flächendeckend in den Wäldern vertreten und bringt die heimische Art an den Rand der Ausrottung. Dagegen, weil sinnlos unternimmt und wettert niemand. Von den bestandsbildenden Solidago canadense will ich gar nicht sprechen. Gegen dies hat entlang von Bächen nicht mal Impatiens glandulifera eine Chance!
plantaholic
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knorbs
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Re:Drüsiges Springkraut?!
wie wahrViel problematischer ist das unscheinbare Impatiens parviflora.
sapere aude
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Re:Drüsiges Springkraut?!
Stimmt, das ist überall im Wald, das drüsige Springkraut braucht wohl etwas mehr Sonne.
Re:Drüsiges Springkraut?!
Das habe ich ja auch!!!Viel problematischer ist das unscheinbare Impatiens parviflora.
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Querkopf
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Re:Drüsiges Springkraut?!
Hallo, Mari,
. Gelbe Karten gibt's z. B. für Frauenmantel, Akeleien oder Lungenkräuter: Die dürfen zwar, aber nur sehr in Grenzen, Sämlinge am falschen Platz fliegen sofort und ohne Gnade raus. Da gucke ich auch drauf, dass nichts übern Zaun entwischt, mit Rücksicht auf den Waldrand gleich nebenan.(An selbigem gibt's übrigens Brennnesseln satt, die fliegen im Garten auch komplett raus, wenn sie übern Zaun weg eindringen. Aber die sind in puncto "Invasionsverhalten" wirklich Waisenkinder im Vergleich zu Springkraut, Goldrute & Co. ...)Schöne GrüßeQuerkopf
nuja, "Brennnessel gegen Springkraut"-Diskussionen sind schon arg schräg: Brennnesseln sind immerhin heimisch und in diverse Biotopverhältnisse eingepasst, d.h., dass es eine ganze Menge Tierlein gibt, die auf/ von den Nesseln leben... Was neophytische Springkräuter angeht, streiten die Gelehrten. Hier und hier zum Beispiel klingt's nach "Leute, übertreibt nicht", hier kann man etwas andere Bewertungen lesen... Im Garten halte ich es so, dass ich allzu invasives Zeugs so vollständig wie möglich jäte und auch die Grünmasse dieser Pflanzen entferne (kommt nicht in den Kompost, sondern in die Biotonne; deren Inhalt wandert in Großkompostieranlagen mit gesicherter Heißrotte, die Wurzeln am Weiterwachsen und Samen am Auskeimen hindert). Das tue ich aus rein egoistisch-praktischen Gründen: So kriege ich nämlich nach ein paar Jahren konsequenter Bekämpfung Ruhe - sonst habe ich ständig wieder den Salat. Mir ist es dabei egal, ob die Super-Wucherer bzw. Super-Aussamer heimisch oder nichtheimisch sind; für mich zählt einzig, dass ich keine potenziell flächendeckenden "Bestände" will. Wenn ich damit beitrage zur Nicht-Weiterverbreitung invasiver Neophyten, umso besser. Auf meiner persönlichen Rote-Karte-Liste stehen neben Springkräutern und kanadischer Goldrute auch Aufrechter und Hornfrüchtiger Sauerklee und Weidenröschen; bei ihnen geht nach meiner Erfahrung nur "ganz oder gar nicht" - also gar nicht... Außerdem bin ich neulich eben auch in eine Diskussion geraten, und dort musste ich mir anhören, dass wohl riesige Brennesselflächen auch nicht so toll sind. Dann lieber Springkraut. Gibt es zum Umgang mit dem Springkraut eigentlich irgendwelche amtliche Richtlinien? ...
"Eine Gruppe von ökologischen Hühnern beschloss, jenes Huhn zu verbannen, das goldene Eier legte, weil Gold nicht biologisch abbaubar sei." Aus: Luigi Malerba, "Die nachdenklichen Hühner", Nr. 137
"Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein." (NICHT von Kurt Tucholsky)
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Re:Drüsiges Springkraut?!
Urrgh! Und ich hatte mich so gefreut, dass sich bei mir ein paar dieser hübschen Sommerfliederblüher ausgesät hatten. Hier in den Gärten gibt es sie zuhauf und ich habe mir bisher nie etwas Böses dabei gedacht. Man lernt doch nie aus. Und was nun? Zum Rausschmiss sind sie eigentlich viel zu schön und abgesehen davon sind sie ja in jedem Pflanzenverkauf zu haben.LG DicentraDer Sommerflieder und die Goldrute werden ja anscheinend auch als problematisch eingestuft.Mari
Es gibt nichts Beruhigenderes als eine schnurrende Katze.
Re:Drüsiges Springkraut?!
am einfachsten wäre es, nach der Blüte penibel auszuknipsen und nicht in die Biotonne zu werfen. Rausschmeißen würde ich den auch nicht 
Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein
Re:Drüsiges Springkraut?!
Invasiv verhält sich der Sommerflieder bisher nur in England. Vor allem entlang der Bahnlinien ist der massiv verbreitet. Zum Teil so wie bei uns die Goldrute. Zwar siedelt der sich bei uns auch hie und da an, ohne bisher massiv lästig zu werden. Auf vergleichbaren Standorten wird der bei uns von noch aggressiveren Pflanzen in Schach gehalten. Auch ein lästiger Neophyt ist Acer negudo. In der Schweiz sollen ja Feuchtgebiete von ihm massiv bedroht sein. Hier im Stadtgebiet sind einige Altelbarme seit der Wende nicht mehr bewirtschaftet worden. Teilweise verbuschten die mit Cornus alba und Acer negudo. Die Flut hat denen nichts ausgemacht. Es ist schon befremdlich anzuschauen, das da ein Landschaftsschutzschild steht und dahinter befindet sich ein reiner Jungwald aus Acer negudo. Diesen Neophyten stellenweise loszuwerden ist noch machbar, wenn man nur will.
plantaholic
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Sabine G.
Re:Drüsiges Springkraut?!
gestern fuhren wir am Ammermoos vorbei. Einzelne Pflanzen bereits auf dem Weg ins abolute Naturschutzgebiet - eben auch mit Betretungsverbot - und wo kam`s her? Die Erklaerung gab die Ueberquerung der Ammer. Wieder ein Fluss, an deren Oberlauf es irgenwo ach so nett ausgesehen hat.Auch solche feuchten Waldflaechen waren gestern zu sehen. Frueher wuchs dort Wasserdost....Sommerflieder ist bei uns eigenwillig und erst vermehrt zu sehen, seit die Winter nicht so streng sind. Dann kann man sie aber sehnen, und zwar ausnahmslos auf Ruderalflaechen.Das Abschneiden und der Biotonne zufuehren fuehrt leider nicht immer in die Heissrotte. Wenn man mal neu aufegschuettete Waelle an den Autobahnen beobachtet - dann sieht man dort all die alten Bekannten wieder. Eine Besserung indes scheint in dieser speziellen Hinsicht in Sicht. Die wie Pilze aus dem Boden schiessenden Biokraftwerke boeten eine Moeglichkeit. Ich habe schon gewitzelt - da die Dinger ja taeglich enorme Massen brauchen - werden wir vielleicht noch in den Genuss einer Biotonne kommen, so wie wir auch endlich seit letztem Jahr eine kostenlose Altpapiertonne haben. mal sehen ob wieder die privaten Anbieter schneller sind als der Landkreis...
was mich nicht nur freuen taete. Hole ich doch bislang mein Zaunholz vom Receyclinghof.Auf jenem Receyclinghof waechst aber natuerlich - wie koennte es auch anders sein... das Springkraut.
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sarastro
Re:Drüsiges Springkraut?!
In einigen Gegenden wird sogar Lysichiton americanum als lästiger Neophyt gehandelt. Im Mühlviertel existieren lange Flussuferzonen, die ausschließlich aus Rudbeckia laciniata bestehen. Bestandsbildend ist diese Art auch in einigen Tälern im Hinterland von Bosnien und Kroatien. Von den Goldruten ist hier Solidago gigantea besonders an den Bahndämmen gefährlich. Und Geranium sibiricum hat sich in unserer Gegend vollständig eingebürgert.Heracleum mantegazzianum und Reynoutria sachalinensis ließen sich sicherlich ausrotten, wenn konsequent vorgegangen würde. So riesig sind deren Bestände auch wieder nicht, zumindest bei uns.
Re:Drüsiges Springkraut?!
Das Zeug ist die (schöne) Pest. Es wird auch von den Insekten bevorzugt, weil es mehr Zucker bietet, als die einheimischen Pflanzen. Offensichtlich gibt es noch kein sinnvolles biologisches Gegenmittel.Australien war einmal zugewachsen (im wahrsten Sinne des Wortes-unglaublich) von enigeschleppten Kakteen.Man hat dann Insekten eingeführt, die sich innerhalb der Kakteen häuslich einrichten und sie zerstören. Innerhalb kürzester Zeit stellte sich ein Gleichgewicht ein und die Kakteen waren kein Problem mehr.In Afrika sind Seen zugewachsen und haben den Fischfang fast unmöglich gemacht ( Folge: drohende Hungerkatastophe) Ein Biologe hat auch irgendwelche FeindViecher eingeführt und hatte ähnlichen Erfolg. Es gibt dabei allerdings das Problem, daß mit dem Einführen der Fressfeinde andere noch größere Schäden entstehen. Dieses Problem hatte der afrikanische Wissenschaftler bei seinen Untersuchungen sorgfältig berücksichtigt.Neben dem Springkraut breiten sich auch noch die kaukasische Herkulesstaude (gefährlich für lichtempfindliche Personen) und ein japanischer Knöterich aus und unterdrücken/verdrängen die alteingesessene Flora. Den Knöterich hatte ich im Garten eingepflanzt und vor ca. 30 Jahren sorgfältig (!) entfernt: ich finde jetzt immer noch Sprosse.Das Ruhrtal bei Essen (von einem englischen Weltenbummler im letzten Jahrhundert als eines der schönsten Flußtäler bezeichnet !) wird von allen drei Pflanzen massiv bedrängt. Noch gibt es wohl nichts dagegen.Im übrigen stinkt das Sprinkraut nach billiger Seife. Wir haben fasziniert die Samenkapseln aufgeknackt und ich habe mir drei Tage lang die Hände gewaschen, um den Geruch loszuwerden (genau wie beim Schleim von Nacktschnecken
)Gruß Henning
Re:Drüsiges Springkraut?!
Hier in der Umgebung herrschen danach englische Verhältnisse, aber das ist ja nichts Neues. Sommerflieder ist inzwischen normales Straßenbegleitgrün, findet sich an jeder Böschung und entlang der Bahnlinien.Gestern bin ich auf einer relativ neu angelegten Straße von Ratingen nach Düsseldorf gefahren. Die Straße führt durch Ackerland, die nächsten Siedlungen sind etwa 1,5 km entfernt.Beidseitige Böschungen und der Mittelstreifen waren mit einer beispiellosen Ansammlung von Neophyten bedeckt, wobei sich Sommerflieder, Riesenknöterich und Riesenbärenklau ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten.Die von der Straßenmeisterei angepflanzten heimischen Gehölze waren kaum noch zu sehen.Ich gehe davon aus, daß im Böschungsbereich mit angekarrtem Mutterbodenaushub gearbeitet wurde. Anders kann ich mir eine derartige Häufung abseits von Hausgärten nicht erklären.Invasiv verhält sich der Sommerflieder bisher nur in England. Vor allem entlang der Bahnlinien ist der massiv verbreitet. Zum Teil so wie bei uns die Goldrute.Zwar siedelt der sich bei uns auch hie und da an, ohne bisher massiv lästig zu werden. Auf vergleichbaren Standorten wird der bei uns von noch aggressiveren Pflanzen in Schach gehalten.
Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.