Auf dem Markt in Görlitz habe ich eingekauft, unter anderem den Zitronenapfel.
Der trägt seinen Namen zu Recht, pur essen kann man ihn kaum, was macht man damit?
Das subjektive Geschmacksempfinden respektiere ich, aber an manche Kommentare die im Anschluß folgen mag ich mich einfach nicht gewöhnen. Warum muss ich in Foren immer so eigenartige, teilweise respektlose bzw. vollkommen unüberlegte sowie oberflächliche kommentare lesen.
Da gibt sich ein Händler in Görlitz die Mühe, seinen Kunden einen Apfel zu präsentieren, der heute nicht mehr alltäglich angeboten wird und aus dem scheinbar beliebten Einerlei geradezu heraussticht und dies sind die Reaktionen darauf. Hier in Hamburg haben wir das große Glück, nicht nur Äpfel aus weltweiten Importen essen zu müssen. Vielmehr dürfen wir auf unzähligen Wochenmärkten in der Stadt Obst und Gemüse kaufen, dass ringsherum angebaut wird. Das "Alte Land" und "Vierlande" sind vielerorts Begriffe für hervorragende Produkte und vielseitigen Genuss. Die Erzeuger haben nicht nur einen gesunden Geschäftssinn, sondern pflegen vielfach auch fast vergangene Kulturen. So lieben, die zugegeben recht anspruchsvollen Hamburger, immer mehr auch Sorten, die es nicht mehr überall gibt. Es sind vielfach alte Sorten, die bezogen auf den Apfel früher viel auf Streuobstwiesen wuchsen, die robust und anspruchslos sind. Prima sage ich da, denn damit haben auch selten gewordene Sorten wieder eine Chance (einen Markt), die sonst unweigerlich aussterben würden. Große und zentral organisierte Handelsketten listen häufig nur den Mainstream und wagen kaum noch Experimente. Die Kunden folgen diesem Trend oftmals kritiklos. Eine gefährliche Entwicklung, die nicht nur bei Obst und Gemüse zu beobachten ist. So gehen Sorten, so geht Wissen meist unwiederbringlich verloren.
Hier in Norddeutschland gibt es mittlerweile wieder einige Obstbauern, die den ausgesprochen aromatischen Zitronenapfel mit viel Erfolg anbauen und verkaufen. Bisher bin ich nur auf viele Leute gestoßen, die diesen Apfel nach dem ersten probieren lieben gelernt haben. Ich gehöre mit Überzeugung selber dazu. Schließlich esse ich pro Woche ca. 3 bis 4 kg von diesem wunderbaren Zitronenapfel und zwar pur. Seine dünne Schale, seine Saftigkeit, sein fein säuerliches und frisches Aroma sind für mich einzigartig. Bei meinem Apfelhändler gehört dieser Apfel mit zu den meistverkauften Sorten. Dies gibt seinem Engagement recht. Ich freue mich auch, dass dieser Apfel zur Streuobstsorte des Jahres 2007 gewählt wurde. Übrigens entstehen glücklicherweise auch immer mehr Streuobstwiesen. Früher eine Selbstverständlichkeit, heute eine Seltenheit. Diese Wiesen sind bekanntermaßen für unsere Insekten- und Vogelwelt unglaublich wichtig und bringen tolle Äpfel hervor - zum Essen und um Saft (z. B. Apfelsaft aus Streuobst von der Lütauer Mosterei) daraus zu machen.
Auf die Gefahr hin, dass ich einige Leute mit meinem Vortrag gelangweilt habe - ich mußte es einfach mal loswerden. Ich wünsche allen, dass sie in ihren Regionen genauso frisches und schmackhaftes Obst und Gemüse zu kaufen bekommen, wir die Nordlichter dies genießen dürfen.
Herzlichst - der Zitronenapfelliebhaber