Jetzt dringen wir wie so üblich in die analytische Phase ein, wo wieder jedes Wort zerpflückt wird.

Bedenkenswert finde ich, dass Sammeln nicht mehr des Sammeln wegens getan wird, sondern dank des Internets die Raffgier des Habenmüssens zunimmt. Somit kommt jeder irgendwann an seinen Cypripedium kentuckiense oder an sein Cyclamen somaliense heran, billig oder teuer. Diese Pflanze hegt er einige Monate, bis sie das Zeitliche segnet. Zumindest hat er sie gehabt und ein Bild ist auch vorhanden. Damit kann er prahlen und zumindest mit dem Bild angeben. Die Kunst des längeren Kultivierens bleibt auf der Strecke. Was früher dem fortgeschrittenen Spezialisten vorbehalten war, ist heute jedem möglich. Kostbare Beute, zumindest eine Zeit lang. (Teure Pelze sind doch verpönt...?

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Für Sammler liegt die große Kunst des selber Aufziehens neben der Kultur durch Erwerb. Der Garten gleicht manches Mal eher einer verlotterten Hinterhofidylle. Ausnahmen bestätigen die Regel, wo der Steingarten auch ein kleines Kunstwerk ist.
Ästhetisch agierende Sammler mit "botanischen" Ambitionen sind dünn gesät. Botaniker extra mit ", da Botaniker nach noch mal ganz anderen Kriterien sammeln.
Sammler von Gartenpflanzen mit ästhetischer Ader kommt es weniger auf die Sorte, denn auf Farbe, Textur und Farbe an. Hierbei kann es aber zutreffen, dass sie eine Pflanze erwischen, die zwar in ihr Konzept und Gedankengebäude passt, hingegen alles andere als leicht zu kultivieren ist. Dies erlebte ich schon mehrfach, man musste der Kundschaft ihr Wunschdenken regelrecht ausreden. Hier unterscheiden sich eben Hobbygärtner mit Feingefühl in der Gestaltung und solchen, die etwas mehr pflanzliches Hintergrundwissen aufweisen.
Den Lehrlingen bringt dies heute keiner mehr bei. Außer, sie kümmern sich im Selbststudium darum. Ein Problem hat damit niemand. Außer die Kunden von morgen.
