Was in den den letzten Jahren neu im Astilbensortiment auf den Markt gekommen ist, kann vielleicht mit Ausnahme der VISIONS-Serie dem A x Arendsii-komplex bzw. A. japonica zugerechnet werden. Diese Sorten kommen sortengeschützt aus Holland oder sonstwoher und werden wie vor 100 Jahren mehr oder weniger als Saisonbepflanzung auf den Markt geworfen.
Mit der Gattung insgesamt hat sich hier in Mitteleuropa seit den letzten Einführungen von Arends/Foerster/Pagels/Klose anscheinend kein Staudengärtner mehr beschäftigt. Gerade Hybriden mit Formen von Astilbe chinensis könnten vielleicht auch für Regionen außerhalb des "atlantisch geprägten Klimas" Nordwestdeutschlands interessant sein.
Weinreich wäre noch zu nennen, Foerster soll sich nicht wirklich mit Astilben befasst haben. Hab ich zumindest mal irgendwo gelesen, wohl weil Boden und/oder Klima in Bornim ungeeignet seien. Dies kann ich natürlich nicht beurteilen, das Foerster-Kompendium nennt unter seinen Züchtungen jedenfalls nur zwei Sorten, `Hildegard´ (Ar.) und `Bronzelaub´ (Jap.).
Es stimmt, seitdem gibt es wirklich keine wesentlichen Neueinführungen aus echter staudengärtnerischer Hand. Dies ist aber, so mein Eindruck, kein astilbenspezifisches Problem. Mir fällt auf Anhieb nur ein einziger Staudengärtner ein, Eugen Schleipfer, der überhaupt noch nach alter Schule mit mehreren Gattungen, aber nicht mit Astilben, züchtet. Was die Branche in den letzten Jahren sonst eingebracht hat, scheinen vorrangig Zufallsfunde oder eine Liebhaberei am Rande zu sein. Eine Art "Sortenschmiede" will oder, was wahrscheinlicher ist, kann sich wohl keiner mehr leisten.
Die gezielte Staudenzüchtung liegt heute größtenteils, so mein Denken in privater Liebhaberhand (Iris, Hemerocallis) oder aber bei Firmen, die am Ende damit Umsatz erzielen wollen. Dies sagt natürlich nicht aus, dass diese Staudensorten generell schlecht sind, es zählen aber Attraktivität zum Verkaufszeitpunkt bei möglichst geringem Kulturaufwand. Robustheit und Dauerhaftigkeit sind dann nur ein rein zufälliger Bonus.
Ich denke, dass das Interesse an trockenheitstoleranteren Astilben-Neuzüchtungen einfach nicht groß genug ist. Möglicherweise ändert sich mit den `Visions´ doch noch was?
Astilben sind momentan vielleicht aber auch einfach aus der Mode.