Wichtig scheint mir, die Akzeptanz zu wahren. Wir hatten ja schon öfters dieses Reizthema. Die Designergärten, wie ihr sie nennt, sind ja nicht am Überhand nehmen. Sie stechen deswegen heraus, weil es jede Menge Leute gibt, denen dies als "ultramodern" vorgegaukelt wird und denen so ein Garten zunehmend gefällt. Dabei hat so ein Garten nicht mehr viel mit dem zu tun, was wir unter Garten allgemein verstehen.
Ein Wohnzimmer mit viel Schnickschnack, schönen Teppichen, antiken Möblen und netten Bildern, sowie Tausenden Büchern machte auf mich immer schon einen heimeligen und gemütlichen Eindruck, obgleich heutzutage dieser Stil immer weniger Menschen Begeisterungsstürme entfacht.
Ein "Living Room", welcher außer einigen farblich abgestimmten Details aus nichts besteht, hat ebenfalls was.
Auf den Garten übertragen bedeutet für mich das gemütliche Wohnzimmer der Sammlergarten mit seinen lauschigen Stellen, mit Liebe zum Detail, dort ein Unkräutlein, hier ein überhängender Zweig, da drüben das Ritterspornbeet, dazwischen der Gemüsegarten.
Der auf wenige Dinge reduzierte Gartenminimalismus kann für ein Gesamtensemble künstlerisch enorm aufwertend sein - mit einem Garten zum Arbeiten, zum Riechen und Fühlen und zum Spüren und Erlernen der Wechselspiele der Natur hat so ein Garten nichts mehr zu tun.
Darum ziehe ich dem Wohnhaus im Bauhausstil einen Garten vor, der sich durch Artenvielfalt auszeichnet. Ob der Besitzer sich mit der anfallenden Arbeit vertraut macht, ist ein völlig anderes Thema.
Der Vater eines Schulfreundes von mir war Architekt für Fabrikshallen. So sah dann auch das Wohnhaus aus - quadratisch, praktisch, gut. Doch der Garten sah gänzlich anders aus, er war verspielt, die Obstbäume standen zwischen den Metasequoja, im Hintergrund ragten Tannen empor, die wiederum den Übergang zur Schwarzwälder Landschaft boten. Zäune, Staudenbeete und Gemüsegarten wurden im ureigenen Stil angefertigt und ergänzten das ultramoderne Haus vortrefflich.
Ein Garten darf nur nicht zum "grünen Asphalt" verkommen, auch dann nicht, wenn der Besitzer mit Garten und Pflanzen nichts am Hut hat.