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News: Vita brevis, ars longa, occasio praeceps, experientia fallax, iudicium difficile.  (Hippokrates)
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12. August 2022, 14:34:32
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|23|12|Ich habe gefühlt (und vielleicht auch real) hunderte von Efeusämlingen gezogen. Dabei habe ich voller Freude festgestellt, dass die Ameisen gute Arbeit geleistet haben und Cyclamensamen verteilt haben.  :D (oile)

Titel Wilde Wiesen
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Autor Thema: mein neuestes antiquarisches Gartenbuch  (Gelesen 67407 mal)

Kasbek

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Re: mein neuestes antiquarisches Gartenbuch
« Antwort #225 am: 15. Juni 2022, 21:54:09 »

Gestern nacht zu lesen angefangen: „Grundzüge der Pflanzenverbreitung in den Kaukasusländern von der unteren Wolga über den Manytsch-Scheider bis zur Scheitelfläche Hocharmeniens“ von Gustav Radde – nicht das Original von 1899 (recht preisintensiv), sondern ein Reprint von 1976 (auch selten aufzutreiben, aber Anfang des Jahres hatte ich mal Glück und hab' ein Exemplar für nur 10 Euro erbeutet  :D). Bin noch nicht übers Vorwort hinaus, aber das verspricht interessante Lektüre (und wimmelt von Namen, die dem Liebhaber der west- und zentralasiatischen Flora ein wissendes Nicken entlocken, weil diese Leute oft als Namenspatrone für Pflanzen gewählt wurden: Boissier, Schmalhausen, Unger-Sternberg, Regel undundund  :D).
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Rinca56

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Re: mein neuestes antiquarisches Gartenbuch
« Antwort #226 am: 15. Juni 2022, 22:03:33 »

Oh, das klingt sehr spannend!
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Kasbek

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Re: mein neuestes antiquarisches Gartenbuch
« Antwort #227 am: 16. Juni 2022, 12:37:38 »

Ist es  ;) Man muß hier und da natürlich intensiver mitdenken, da erstens die Pflanzennamen taxonomisch auf dem Stand des späten 19. Jahrhunderts sind (wobei man sicher nicht alle erschließen muß, zumindest ich für meine Zwecke nicht  ;)) und zweitens sich auch so mancher Ortsname geändert hat. Zarizyn etwa heißt mittlerweile ja nicht mal mehr Stalingrad, sondern Wolgograd, während Wladikawkas eine interessante Entwicklung über Dsaudshikau und Ordshonikidse genommen hat, heute aber wieder Wladikawkas heißt wie schon zu Raddes Zeiten  ;)
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Kasbek

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Re: mein neuestes antiquarisches Gartenbuch
« Antwort #228 am: 04. August 2022, 21:36:08 »

Vor drei Wochen lektüreseitig fertiggestellt, hier nun endlich mal noch paar Worte. Der positive Eindruck hat sich bestätigt, das Ganze ist für denjenigen, der sich im kaukasischen Umfeld ein bißchen auskennt, hochinteressant. Zudem sind die Schilderungen historisch wertvoll, weil Radde das Gebiet bereist hat, als es die ganzen grusinischen Teeplantagen noch nicht gab, statt dessen der heute fast ausgestorbene kolchische Urwald kilometerweit wucherte, die Sümpfe der Rioni-Ebene noch nicht trockengelegt waren und statt der Kurortkette von Suchumi bis Sotschi auch noch alles mit dichtem Wald bewachsen war, der nur dort, wo bis zur Zwangsauswanderung die Tscherkessen gesiedelt hatten, ein bißchen gelichtet worden war. Das Kapitel über die Waldschädlinge im Transkaukasus zählt Dutzende verschiedene Borkenkäfer und so manches andere gefräßige Etwas auf, und der Autor hat einerseits vieles von dem, was er beschreibt, mit eigenen Augen gesehen (im späten 19. Jahrhundert ja ein logistisch nicht einfaches Unterfangen, wenn man eine Fläche von Tausenden Quadratkilometern unterschiedlichster phytogeographischer Zuordnung und mit so mancher wegetechnischer Herausforderung, ob nun im Sumpf, im Urwald, in der Steppe/Halbwüste oder oben in den Bergen, zu untersuchen hat) und ist andererseits gut vernetzt, was die Arbeiten der Kollegen betrifft, die er auch jeweils ordentlich quellenseitig angibt.
Viele Tabellen und Statistiken reichern die verbalen Schilderungen an, und nur die Bilder können heutigen Reproansprüchen nicht so richtig genügen, wobei ich nicht einschätzen kann, ob die im Originaldruck von 1899 besser waren und die Grieseligkeit dem Reprint von 1976 zuzuschreiben ist (es sind etliche Aufnahmen von Vittorio Sella drin, und der gehörte im späten 19. Jahrhundert zu den Besten seiner Zunft, wird also wohl kaum schlechte Vorlagen geliefert haben). Von den 500 Seiten sind die letzten 50 (!) mit dem Register der Pflanzennamen bestanden, was für die enorme Dichte von solchen im Text spricht, der aber dennoch über weite Strecken noch vernünftig lesbar ist, sofern man darauf verzichtet, all die Namen (die natürlich nur bedingt auf heutigem taxonomischem Stand sind) in die heutigen zu „übersetzen“, was für den Wissenschaftler nötig und nützlich ist, für den Hobbybotaniker aber eher nicht.
Kurz und gut – ein Buch nur für einen überschaubaren Leserkreis, aber der wird viel Freude dran haben.

Das Ganze ist übrigens in eine von Adolf Engler und Oscar Drude herausgegebene Reihe namens „Die Vegetation der Erde“ integriert und stellt Band III derselben dar. Die scheint recht umfangreich zu sein; der 1923 erschienene Band „Die Pflanzenwelt der bolivischen Anden und ihres östlichen Vorlandes“ von Theodor Herzog beispielsweise trägt die Bandnummer 15. Es gibt auch nicht nur deutschsprachige Bände, sondern etwa auch „The vegetation of New Zealand“ von Leonard Cockayne als Band 14 in Englisch. Also weiterer Stoff für die Sammler historischer botanischer Abhandlungen  ;)
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