Gestern in aller Frühe wollte ich die violetten Möhren säen, die zum schossen neigen und deshalb erst im Juni gesät werden sollten. Das Beet hatte ich schon am Vortag vorbereitet. Ich hatte kaum die erste Reihe Möhren gesät, als von Norden ein markerschütternder Schrei kam.

Ich fuhr hoch und lauschte. Erneutes Gekreisch. Dann Stille. Dann wieder Gekreisch. Ich liess die Harke fallen und ging mit klopfendem Herzen und sehr vorsichtig nach hinten. Stille. Dann wieder so ein merkwürdiger Schrei, der klang, als solle jemand gemeuchelt werden. Sehr bang ging ich näher an die nördliche Grundstücksgrenze heran. Kreisch. Stille. Dann die brüchige Stimme einer Frau, flehend "Tommy, Tommylein! Komm da runter!" Durchdringendes Gekreisch. Dann wieder die weibliche Stimme. Das Geschrei kam von oben. Wer oder was schrie da? Und was hatte die Frau damit zu tun? Und wieso sollte das schreiende Wesen runter kommen? Runter wovon? Ich rätselte, es schrie, die Stimme flehte immer dringlicher.
Und dann löste sich aus dem großen alten Birnbaum der nördlichen Nachbarn ein riesiger Papagei!!! Und flog über meinen Kopf hinweg, quer über unseren Garten und drehte schließlich, noch immer lauthals kreischend, nach Westen ab. Gut. Kein Mord, kein Mordversuch, nur ein abgehauener verrückter Vogel. Warum in aller Welt man ein derart Mark und Bein erschütternd schreiendes Vieh in einer Wohnung hält und es, nachdem es sich glücklich selbständig gemacht hat, auch noch zurückhaben will, ist mir völlig unerklärlich.
Heute saß das Tier in unserer Eiche. Und schrie den ganzen Vormittag, wohltönend ist anders.
Als ich zu Mittag nach Hause wollte, sah ich eine Hebebühne, von der Straße in unsere Eiche ragend. Mir wurde klar, wem der ausgebüchste Vogel gehört. Und dass es wohl kein Problem sein dürfte, sollte ich jemals Hühner und einen Hahn haben wollen. Der Vogel der Nachbarn ist allemale lauter.