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Autor Thema: Artemisia  (Gelesen 2399 mal)

Hortulanus

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Artemisia
« am: 26. November 2004, 12:58:52 »

Habe in meinem Garten eine recht hübsche, aber ziemlich groß werdende Staude stehen. Nennt sich botanisch Artemisia vulgaris, auf gut Deutsch hingegen „Beifuß“ oder noch anders „Gänsekraut“.

Wie kann ich diese Pflanze kulinarisch verwenden? Als Gemüse? Als Salat? Oder in getrocknetem Zustand als Würzung des Kaminfeuers?

Zuschriften erbeten. Bitte aber keine in Verbindung mit Geflügelrezepten. Ganz allein soll es sich um das Kräutlein handeln.

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Lilo

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Re:Artemisia
« Antwort #1 am: 26. November 2004, 15:06:28 »

Beifuß
Artemisia vulgaris
Artemisia vulgaris ist nur eine von rund 200 Arten der Gattung Artemisia. Der Name Artemisia stammt von der Göttin Artemis, der Schutzherrin der Heilkräuterkundigen. Beifuß wurde schon in der Antike nicht nur als Gewürzpflanze, sondern auch als Heilkraut genutzt. So wandte der griechische Arzt Dioskurides, der im 1. Jahrhundert n. Chr. lebte, sie gegen Darmwürmer an.
Die alten Römer legten sich Beifußblätter in die Sandalen, um ihre Füße vor Übermüdung zu schützen - eine Vermutung, die sich auch in dem deutschen Namen "Beifuß" widerspiegelt. Die Chinesen wiederum benutzen noch heute ein zusammengerolltes Beifuß-Blatt gegen Nasenbluten.
Der Gemeine Beifuß kommt wild überall in den gemäßigten nördlichen Zonen der Erde vor. Zur Verwendung in der Parfümerie wird er dagegen vor allem in Marokko, Algerien, Frankreich und Jugoslawien kultiviert. Aus dem ganzen, getrockneten Kraut gewinnt man durch Wasserdampfdestillation ein hellgelbes bis farbloses Öl, das in Frankreich 'Essence d'Armoise' heißt. Es riecht anfangs kräftig, kampferartig, grün und leicht bitter. Später bekommt es dann ein krautig-würziges Aroma, das dem Geruch von schwarzem Tee ähnelt.
Viele Artemisien sind auch ästhetisch ansprechend. Besonders beeindruckend sind ihre silbernen Blätter im Mondlicht
Das Kraut wird geerntet solange die Blütenknospen noch geschlossen sind. In der Küche werden die getrockneten Blütenknospen verwendet. Für die Hausapotheke nimmt man die obersten Triebspitzen mit Blättern und Knospen.
In der Naturheilkunde
Beifuß enthält Bitter- und Gerbstoffe sowie ätherisches Öl. Das Kraut wirkt daher appetitanregend, verdauungsfördernd, krampflösend und auch schweißtreibend, lindert Magen-, Darm- und Menstruationsstörungen, fördert den Gallefluss und die Bildung von Magensäften. Das Kraut eignet sich gut zum und unterstützt die Verdauung von fettem Fleisch.
Beifußtee wird als Aufguss mit einem Teelöffel getrocknete Droge auf 1 Tasse kochendes Wasser zubereitet. Man lässt diesen Tee 8-10 Minuten.
Beifußöl hilft gegen müde, geschwollene Füße, Verspannungen und Muskelkater. Fülle ein Schraubglas mit zerschnittenem, frischem Beifuß. Mit kaltgepresstem Sonnenblumenöl auffüllen, verschließen und ca. 2-3 Wochen an ein sonniges, warmes Plätzchen stellen. Dann abseihen.
Beifußtinktur: Fülle ein dunkles Schraubglas mit frischer, zerstampfter Beifußwurzel und gieße 60%igen Alkohol auf. Verschließe das ganze und lass es 2-3 Wochen unter gelegentlichem Schütteln ziehen. Dann abseihen und in dunklen Tropfflaschen aufbewahren.
LG
Lilo
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Feder

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Re:Artemisia
« Antwort #2 am: 29. November 2004, 18:24:04 »

Hier ein sehr persönlicher Bericht, wie man Beifuss verwenden kann: ;) es stammt von Charlie aus einem anderem Forum.

"letzes jahr zu weihnachten hatten wird mal vor, nicht im kleinen kreis (vatermutterkinder) zu weihnachteln, sondern mit besuch. und zu diesem anlass sollte es eine weihnachtsgans geben. es wurde also eine 4,5kg schwere frische bauerngans besorgt.
 
ich stand aber jetzt vor dem problem - die premiere, denn es war das erste mal dass wir so ein tier antesten wollten. ich setzte mich also an die kiste und googelte. das ergab eine ziemliche auswahl an ergebnissen aller art. aber was wäre wohl das g´schmackigste rezept??
 
beim einkaufen im dorf kam ich dann zu diesem kopfzerbrechthema ins gespräch mit diversen älteren damen und die eine erzählte mir dann die art, auf die sie ihre diversen gänse immer zubereitet hat. das rezept überzeugte mich durch die verblüffende einfachheit und die reduktion auf das wesentliche hat bei mir schon oft zu den besten ergebnissen, nicht nur beim kochen geführt.
 
wir haben die gans genau so zubereitet wie sie gesagt hatte, das ergebnis war überwältigend.
 
und hier das einfache gigantisch gute weihnachtsgansrezept:
 
1.die gans mit wirklich reichlich salz und pfeffer innen und aussen gut einreiben.
 
2. viel beifuss (gewürz, das sehr oft wild zu finden ist, um diese jahreszeit aber nur noch im geschäft wächst) innen rein
 
3. in den ofen auf einen gitterrost, rücken nach oben, untendrunter die fettpfanne mit etwas wasser .
 
4. bei 135 (!) grad 5 (!) stunden brutzeln lassen, nach der halben Zeit mal umdrehen, schauen ob noch wasser unter dem mittlerweile reichlich abgetropften fett in der fettpfanne vorhanden ist.
 
5. gegen ende der garzeit hitze hochpowern, bis der gewünschte bräunungsgrad erreicht ist - achtung das geht schnell.
 
Dazu: die in der fettpfanne schwimmende sosse mit kartoffelknödeln und apfelblaukraut. (das vom aldi schmeckt so gut, dass ich mir den aufriss der eigenzubereitung nicht mehr antue)
 
die auf diese weise zubereitete gans zergeht auf der zunge, so zart ist die. wir haben in unserem leben noch nie so eine gute gans gegessen. und deshalb gibts dieses jahr wieder : weihnachtsgans
 
zur kochtheorie: das gänsefett ist ein ausgezeichneter geschmacksträger. wenn die garung so extrem langsam erfolgt, durchzieht dieses fett das ganze fleisch. es schmeckt wirklich unbeschreiblich gut .
 
zur praxis: der ofen verschweint auf diese weise kaum, weil das fett wegen den niedrigen temperaturen nicht im ofen rumspritzt. (und dann auch nicht auf den heizspiralen verbrutzelt.) ausserdem ist die geruchsbelästigung in der küche/wohnung minimal, hab da schon ganz andere sachen erlebt. "
« Letzte Änderung: 01. Juli 2007, 10:06:54 von Feder »
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sarastro

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Re:Artemisia
« Antwort #3 am: 29. November 2004, 19:47:47 »

Herzlichen Dank für dein Erfahrungsrezept! Beim Gänse- und Entenbratenbeifuß handelt es sich um den Französischen Estragon (Artemisia dracunculus). Aber es muss dieser sein, da ein anderer kaum das Aroma aufweist.

Rotkraut schmeckt uns trotzdem noch am besten selbstgemacht! Versuche es einmal mit Zimt, Nelken, Zucker, etwas Koriander und Rotwein, sowie mit etwas Fett der Gans abzuschmecken.

Und den Bauch der Gans mit glasierten Maroni und Orangen füllen, dazu hausgemachte Serviettenknödel. Himmlisch!
« Letzte Änderung: 29. November 2004, 19:48:15 von sarastro »
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Wattemaus

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Re:Artemisia
« Antwort #4 am: 30. November 2004, 07:55:09 »

Endlich habe ich doch noch ein Gänserezept gefunden!
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Nina

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Re:Artemisia
« Antwort #5 am: 30. November 2004, 10:33:14 »

Noch mehr zu Beifuß gibt es auf Gernot Katzers Gewürzseiten.

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Lilo

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Re:Artemisia
« Antwort #6 am: 30. November 2004, 13:23:40 »

Wie kann ich diese Pflanze kulinarisch verwenden? Als Gemüse? Als Salat? Oder in getrocknetem Zustand als Würzung des Kaminfeuers?

Zuschriften erbeten. Bitte aber keine in Verbindung mit Geflügelrezepten. Ganz allein soll es sich um das Kräutlein handeln.

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Nerven will ich eigenlich nicht, wenn dann müßte ein anderer fragen, aber kann mir bitte trotzdem jemand, den Knick aus meiner Optik richten. Ich scheine etwas zu lesen, was andere nicht lesen, wie kommt das? Ich will wirklich nur wissen, ob da ein Scherz war, den ich nicht verstanden habe oder ob ich zu eng am Buchstaben klebe.

Danke

Lilo
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Monika

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Re:Artemisia
« Antwort #7 am: 30. November 2004, 13:32:40 »

Lilo, lies mal hier http://forum.garten-pur.de/index.php?board=52;action=display;threadid=3706;start=0
Vielleicht verstehst du dann ;D

Feder, das ist ein tolles Rezept. Da werde ich mich dieses Jahr vielleicht doch noch einmal an eine Gans wagen.
« Letzte Änderung: 30. November 2004, 13:33:57 von Monika »
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Hortulanus

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Re:Artemisia
« Antwort #8 am: 30. November 2004, 16:25:21 »

Danke euch allen. Weiß ich doch, was ich jetzt mit Artimisia alles anfangen kann.

Zu der Unaussprechlichen: Feder, Dein Rezept entspricht im Prinzip der Niedrigtemperatur- Methode, für die ich mich allein schon aus Bequemlichkeitsgründen anschließen werde.

http://www.chefkoch.de/rezept-anzeige.phtml?ID=968988529972&ID2=56
« Letzte Änderung: 30. November 2004, 16:26:03 von Hortulanus »
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Feder

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Re:Artemisia
« Antwort #9 am: 01. Dezember 2004, 08:17:04 »

In einer Handschrift aus dem 15. Jhdt heisst es über den Beifuss:
"Artemisia ist ain kraut, daz ist unter allen ungeheure.
Ob du furchtest czauber, so hab ir vier pundl in de chemenaten, un dir schaden die unholden nicht chinden, noch an viech, noch an chainer slacht Ding...."
Der Name selbst geht zurück auf Artemisia, die Gemahlin des Königs Maussolos (Persien, 4. vorchristl. Jhdt.) und der griechischen Göttin Artemis waren der Beifuss und die Fichte geweiht.
Und bei den Kelten war der Beifuss die Mugwurz, später Machtwurz. Thor, der germanische Donnergott besass den Zaubergürtel Megingjardr, der aus Beifuss bestand.
Scheint eine sehr alte, völlig in Vergessenheit geratene Heil- und Zauberpflanze zu sein.
Vielleicht sollte Hortulanus die Stauden doch anders verwenden, als sie in die Unaussprechliche zu stopfen?
« Letzte Änderung: 01. Dezember 2004, 08:24:58 von Feder »
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Das Natürliche bleibt immer gleich. Das Normale ändert sich alle 100 km oder alle paar Jahre.
  Pat Parelli

Hortulanus

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Re:Artemisia
« Antwort #10 am: 01. Dezember 2004, 09:39:04 »

Alles was man/frau in die Unaussprechliche stopft, adelt das Gestopfte! :D
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