Gänselieschen, ich glaube ich sehe Dich alsbald mit einem Problem konfrontiert, das mich auch schon eine Weile beschäftigt hat:

Will man nun sammeln oder gestalten? Oder gleich beides? Ich denke, hier muss jeder seinen eigenen Weg finden und vor allen Dingen eigene Erfahrungen mit beiden Varianten machen und erst dann die notwendigen Schlüsse daraus ziehen.
Zweifelsohne ist es ein lohnendes und unter dem ästhetischem Aspekt auch sicheres Vorhaben, die Anzahl einer Staudenart nach optimaler Wirkung zu wählen. Ich bin mir bei der Planung auch durchaus jederzeit dieser Mengen bewußt, die es dazu entsprechend der örtlichen Platzverhältnisse bräuchte.
Aber ganz ehrlich: Obwohl ich mich an solchen Pflanzbildern gern erfreue, und mich auch in der Theorie zu Genüge mit ihnen befaßt habe, reizt mich die Realisierung einer auf die Wirkung ausgerichteten Pflanzung leider überhaupt nicht.

Jo, so hoch ich Deine Gestaltungsphilosophie schätze und so gelungen das visuelle Ergebnis ist, könnte ich mir dennoch nicht vorstellen, sie auf ähnliche Weise zu übernehmen. Es fällt mir gar nicht leicht, konkrete Gründe in Worte zu fassen. Ich erwische mich während der Planung oft bei der Überlegung, ob ich nun eine Art weglasse oder nicht. Und genau das störte mich zunehmend: daß meine Auswahl durch den gleichzeitigen Wunsch nach Ästhetik, nach
Wirkung, eingeschränkt wurde.
Inzwischen nehme ich in Kauf, daß meine Beete nie die Wirkung etwa einer Oehme- oder Oudolf-Pflanzung erreichen. Sollen sie in meinem Garten aber auch gar nicht. Ich fühle mich damit besser, ungezwunger und bin mir klargeworden: in den eigenen vier Hecken
will ich eben viele verschiedene Arten auf kleinster Fläche unterbringen, gar nicht des Sammelns wegen, einfach um sie einmal blühen zu sehen und die Pflanze und ihr Verhalten unter den lokalen Bedingungen kennenzulernen.
Dafür lieber ein Versuchsbeet anlegen? Das widerspräche erst recht meiner Vorstellung von Gartennutzung und -gestaltung.
Ich glaube, ein signifikanter Punkt ist auch, für
wen die Pflanzung wirken soll. In öffentlichen Pflanzungen soll jeder sich daran erfreuen oder es gibt eine bestimmte Zielgruppe. Ebenso ist manchem Gartenbesitzer wichtig, ob seine Zielgruppe (soziales Umfeld, Familie, Nachbarn,...) mit Lob und Anerkennung reagiert oder nicht.
Aber meine Pflanzungen zeigen sich ausnahmslos mir selbst. Die Zielgruppe besteht nur aus mir. Ich muss allein meinen Wünschen und Ansprüchen an die Gestaltung gerecht werden. Und will ich doch mal "gelungene" Pflanzungen mit Wirkung sehen, besuche ich eine der oben genannten Herren (oder Deine, Jo, in der Pfalz - irgendwann sicher mal

)
Hier und da ein kleines Sammelsurium kann einem Garten auch ein Mehr an Charme verleihen, das das Weniger an Perfektion wieder ausgleicht.
Mit einer gesunden Mischung aus Sammeln und Gestalten dürften viele von uns "Hobbygärtnern" gut leben. Man sollte zuvor seine persönliche Zielgruppe erfassen und dabei ehrlich zu sich sein, ob man diese auch richtig erkannt hat.
Kurzum: Ich würde Salvia 'Caradonna' nicht einzeln setzen, aber ab 10 Stück aufwärts ist mir die Fläche zu schade, auch wenn erst dann die Wirkung richtig phänomenal ist. So lande ich bei dann 4 Stück und bin trotzdem zufrieden.
