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Autor Thema: Obstbäume ohne Schnitt  (Gelesen 14566 mal)

Urs

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #15 am: 31. Januar 2005, 01:22:19 »

Hallo Amur,

ich muss mich Sepp anschließen. Der echte Wild-Apfel z. B. (Malus sylvestris, nicht M. domestica) wächst im Gegensatz zu vielen Kulturäpfeln ungeschnitten sehr wohl zu stattlichen Bäumen heran.
Und eine im Freistand aufwachsende Eiche bildet auch keinen durchgehenden Stamm, sondern beginnt u. U. schon nach einem halben Meter, sich sehr gleichmäßig zu verzweigen. Deshalb käme jedoch niemand darauf, die Eiche als Busch zu bezeichnen.
Viele Kultursorten des Apfels (und ihre Wildlinge) verausgaben sich aufgrund der zeitigen und starken Fruchtbildung so schnell, dass sie ihre mögliche Endgröße eben nicht erreichen und vorzeitig vergreisen, wie schon beschrieben wurde. Dem soll der Schnitt ja entgegenwirken.
Ein Strauch hat es dagegen gar nicht im Programm, baumhoch zu wachsen. Auch mit noch so viel Schnitt kann niemand z. B. aus einer Roten Heckenkirsche einen Baum erziehen.

Wir haben vor einigen Jahren eine Streuobstwiese neu angelegt und ich kann aus Erfahrung sagen, dass die starkwüchsigsten Apfelsorten am wenigsten schnittbedürftig sind, wenn man sie nicht bremsen möchte. Im Gegensatz zu schwachwüchsigen Sorten haben sie die Baumform noch im "Programm". Wenn man dagegen schwachwüchsige Sorten nicht schneidet, werden schnell "Trauerweiden" daraus und dann beginnt schon das allmähliche Absterben des jeweiligen Baums.
MfG

Urs
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Micha

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #16 am: 31. Januar 2005, 21:41:31 »

Hallo Zusammen,
ab welchem Alter sollte man mit dem Schnitt anfangen? An Obst haben wir Jonagold Spindelbusch, Jakob Fischer Busch und eine Hauszwetschge Busch. Sie sind 3 bzw 4 Jahre alt.
Die ersten Äpfelchen hatten wir schon! :D
LG micha
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sabinchen

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #17 am: 31. Januar 2005, 21:48:31 »

Ich habe einen Elstar mit etwa 4 Jahren. Dem habe ich letztes Jahr schon einen Erziehungsschnitt gemacht.
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Grüße Sabinchen

Urs

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #18 am: 01. Februar 2005, 09:37:03 »

Hallo,

zunächst einmal sollte jeder Obstbaum/-busch einen Pflanzschnitt erhalten. In den Folgejahren sollte dann der Erziehungsschnitt erfolgen, d. h. schon ab dem zweiten Standjahr. Der Baum baut sich regelmäßiger und stabiler auf, wenn er in den ersten Standjahren alljährlich geschnitten wird. Später kann je nach sortenspezifischem Kronenaufbau und Wüchsigkeit der Schnitt mehr oder weniger lange ausgesetzt werden.

Mir scheint, dass einige Forumsteilnehmer ihre Bäume nach Gutdünken schneiden oder das Schneiden weglassen, ohne sich vorher mit der Thematik zu beschäftigen. Ich kann nur empfehlen, sich wenigstens ein grundlegendes Büchlein zuzulegen. Momentan gibt es gerade "Obstbaumschnitt in Bildern" von H.W. Riess (ISBN 3875960459) für um die drei Euro zu haben. Ich persönlich finde diese Einführung sehr gut, zumal auch auf häufige Fehler hinhgewiesen wird, so dass der Leser diese am eigenen Baum eher vermeiden wird. Die der Anleitung/Erklärung dienenden schematisierten Zeichnungen vermitteln meines Erachtens auch ein besseres Bild dessen, worum es jeweils geht, als ein Foto das kann.
Gruß

Urs
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Zuccalmaglio

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #19 am: 01. Februar 2005, 17:43:36 »

den Aussagen von Urs kann man sich nur anschließen.
Das von ihm erwähnte Buch kenne ich nicht. Für den Anfänger ist aber auf jeden Fall hilfreich, wenn ein solches Buch z.B. auch Aussagen zu Binden und Stäben macht. Wichtig erscheinen mir auch Inhalte
zu Pflanzenqualität und Unterlagen(wirkungen), damit einem beispielsweiese nicht ein Baum mit verzogener Krone oder falscher Wüchsigkeit verkauft wird.
Für ein umfassenderes Buch wird man aber ein paar Euro mehr anlegen
müssen.
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Tschöh mit ö

sabinchen

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #20 am: 01. Februar 2005, 21:05:35 »

Wir haben auf einer ehemaligen Streuobstwiese gebaut. In den ersten Jahren habe ich die zwei alten Obstbäume , die wir stehen lassen konnten (Apfel, Zwetschge) nicht geschnitten. Bald merkte ich, das Äste abgetrocknet sind, und die Bäume wuchsen schlecht. Jetzt schneide ich die Bäume jeden Winter. Sie bekommen dadurch neue Äste und verjüngen so. Als toller Nebeneffekt, sie tragen auch besser. Außerdem sind die Bäume nicht so krankheitsanfällig. Anfangs wußte ich nicht was ich abschneiden sollte. Mit der Zeit bekommt man ein Auge dafür.
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Grüße Sabinchen

Arkadier

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #21 am: 09. Mai 2005, 13:41:18 »

Prinzipiell bringt jedes "Herumschnippseln" wenig bis gar nichts - außer neue sog. Wassertriebe. Alles was einen größeren Durchmesser als 5 - 6 cm hat sollte nicht mehr geschnitten werden, da hier die sog. Überwallung - das ist das Zuwachsen des Baumes, nur mehr langsam möglich ist und die Gefahr einer Pilzinfektion überwiegt. Alte Bäume sollte man sowieso mit dem nötigen Respekt und ehrfurchtsvoll behandeln - also nur dort schneiden, wo es dem Baum zugute kommt.
Besser ist, einen jungen Baum gut in Form zu bringen, d. h. mit gezielten Schnitten seinen Habitus entsprechend seiner Art zu Formen und dann nur mehr schneiden, wenn unbedingt nötig.
Um bessere (größere) Früchte zu bekommen empfehle ich etwa bei Äpfeln diese im Juni oder Anfang Juli auszupflücken oder sanft auszuschütteln. Die verbleibenden Früchte werden dann größer und fruchtiger.

lg
Arkadier
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fisalis

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #22 am: 09. Mai 2005, 14:06:31 »

Scheint mir vernünftig. So handhabe ich das nun seit Jahren mit meinen Hochstämmern. Sie belohnen mich jedes Jahr mit einer schönen, nicht übermässigen (was soll ich damit?) Ernte. Offenbar schauen Hobbygärtner den Profis ab und zu unkritisch ab. Aber ein Hobbygärtner braucht keine Maximalernten.
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angelika

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #23 am: 09. Mai 2005, 22:44:32 »

Bei uns sind mir in den letzten Jahren zunehmend Sämlingsapfelbäume aufgefallen, teils am Straßenrand, an Bachufern, wo die Gehölze nicht jedes Jahr ganz abgeschnitten werden, und auch im Wald, und wenn diese genügend Zeit haben, werden durchaus ohne jede Schnittmaßnahme große Bäume daraus, die wunderschön blühen, und je nach Witterung auch von ganz kleinen sauren bis zu interessant schmeckenden Äpfeln tragen.

für Zittergras: Ich war vor einigen Jahren mal bei Sepp Holzer, und habe eine ganztägige Führung durch das Gelände mit einer Gruppe mitgemacht: der Hof liegt auf 800 bis 1300m Seehöhe (so ca.) und er hat erzählt, daß er als junger Mann Baumschnittkurse besucht hat, und das genauso wie er es gelernt hat umsetzen wollte. Der Erfolg blieb aus, weil es dort sehr viel Schnee gibt, und die Fruchtäste, wenn sie zu flach wachsen durch die Schneelast abgebrochen und ausgerissen sind, sodaß er soweit ich mich erinnere, auf Schnittmaßnahmen dann ziemlich verzichtet hat, und die Bäumen die steilere Krone bilden ließ, die auch bei großer Schneelast nicht zerbricht. Aber er hat ein großes Gelände und erwartet keine Höchsterträge von seinen Bäumen.

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Urs

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #24 am: 20. Mai 2005, 13:16:05 »

Prinzipiell bringt jedes "Herumschnippseln" wenig bis gar nichts - außer neue sog. Wassertriebe.

Prinzipiell bringt ein regelmäßiger Verjüngungsschnitt auch einem Hochstamm ein längeres Leben - das ist doch schon einmal etwas, oder? Wer so schneidet, dass übermäßige Bildung von Wasserreisern das Resultat ist, schneidet falsch. Ein fachgerecht geschnittener Obstbaum bringt nicht nur im Regelfall größere Früchte, diese sind auch besser zu beernten, weil nicht nur in der Außenkrone plaziert, und gleichmäßiger von der Sonne beschienen. Außerdem bleibt ein geschnittener Baum länger im Wachstum und verliert sich nicht in der Bildung von zu viel Fruchtholz, was Kleinfrüchtigkeit und Vergreisung einleitet.

Alles was einen größeren Durchmesser als 5 - 6 cm hat sollte nicht mehr geschnitten werden, da hier die sog. Überwallung - das ist das Zuwachsen des Baumes, nur mehr langsam möglich ist und die Gefahr einer Pilzinfektion überwiegt. Alte Bäume sollte man sowieso mit dem nötigen Respekt und ehrfurchtsvoll behandeln - also nur dort schneiden, wo es dem Baum zugute kommt.

Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen, nur kann man dieser Aussage entnehmen, dass ein Schnitt einem Baum zugute kommen kann, während oben eher davon abgeraten wurde.


Besser ist, einen jungen Baum gut in Form zu bringen, d. h. mit gezielten Schnitten seinen Habitus entsprechend seiner Art zu Formen und dann nur mehr schneiden, wenn unbedingt nötig.

Wann ist unbedingt nötig? Meines Erachtens ist ein regelmäßiger und mit geringen Eingriffen verbundener Instandhaltungsschnitt besser als periodisch größere Eingriffe vorzunehmen, die zu der erwähnten Bildung von Wasserreisern führen können.


Bei uns sind mir in den letzten Jahren zunehmend Sämlingsapfelbäume aufgefallen, teils am Straßenrand, an Bachufern, wo die Gehölze nicht jedes Jahr ganz abgeschnitten werden, und auch im Wald, und wenn diese genügend Zeit haben, werden durchaus ohne jede Schnittmaßnahme große Bäume daraus, die wunderschön blühen, und je nach Witterung auch von ganz kleinen sauren bis zu interessant schmeckenden Äpfeln tragen.

Sämlinge unterliegen während ihrer Entwicklung durch Konkurrenz anderer Pflanzen einer Selektion, die dazu führt, dass Jungbäume ohne ausreichendes Wachstum sich in freier Natur gar nicht etablieren können. Starkwüchsige Sorten der verschiedenen Obstarten benötigen im Regelfall viel weniger Schnitt als schwachwüchsige Sorten. Sämlinge, die sich in der Natur etablieren konnten, können bestenfalls mit starkwüchsigen Kultursorten verglichen werden. Ein erheblicher Anteil der Kulturobstsorten, gerade der modernen Sorten ist dagegen schwachwüchsig und vergreist ohne Schnitt äußerst schnell. Gekaufte Bäume stehen zudem meist auf Typenunterlagen, die eine nur kleines und flaches Wurzelsystem ausbilden und der aufgepfropften Edelsorte nur ein schwaches Wachstum ermöglichen. Solche „behinderten“ Bäume nicht zu schneiden, hat mit Sicherheit zur Folge, deren Lebensdauer stark zu verkürzen. Außerdem sind bei vielen Sorten ohne Schnitt Kleinfrüchtigkeit und verstärkte Alternanz zu erwarten. Verdichtete Kronen bringen außerdem einen erheblichen Anteil "unterbelicheter" Früchte, also solche minderer Geschmacksqualität und von weniger gutem Aussehen.

Was die Äpfel mit kleinen saueren Früchten angeht, so ist es möglich, dass es sich dabei um den sehr selten gewordenen Wild-Apfel Malus sylvestris handelt. Er ist an der Entstehung der Kulturäpfel zwar beteiligt, jedoch weisen diese nach meinem Informationsstand einen überwiegenden Elternanteil von Malus sieversii auf, einer mittelasiatischen Art, die bei uns nicht gleichermaßen umweltadaptiert ist und weniger stark wächst. Wir kultivieren in unserer Streuobstwiese neben alten und neuen Kultursorten auch Wild-Äpfel und ich kann nur sagen, dass sich diese mit den Wild-Äpfeln, was die Wuchstärke und selbständige Regulation der Kronenentwicklung angeht, nicht vergleichen lassen.
« Letzte Änderung: 23. Mai 2005, 08:34:24 von Urs »
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fisalis

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Re:Obstbäume ohne Schnitt
« Antwort #25 am: 20. Mai 2005, 13:24:12 »

Danke für diese Erklärungen, Urs. Ich bin unterdessen von meiner Nichtschnitt-These wieder abgekommen und denke, dass der von dir beschriebene sanfte Erhaltungsschnitt - also ohne grössere Eingriffe ständig pflegen - das Beste ist. Im Idealfall sind dann wohl mit den Jahren immer weniger Pflegemassnahmen nötig.
« Letzte Änderung: 20. Mai 2005, 13:24:36 von fisalis »
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