Die (für mich) wirklich wahre Schokolade enthält nichts als Kakao, kein Fett, keinen Zucker, keine Kakaobutter, kein Lecithin, nur (Criollo-)Kakao. Und wird nach Rodolphe Lindts Verfahren von 1879 (das Lindt & Sprüngli heute nicht mehr anwendet, weil es zu teuer ist) immer noch drei Tage in der Conche, also in einem erwärmten Bottich, gerührt, um die richtige Konsistenz zu gewinnen.
Bis das Verfahren erfunden war, muss sich Schokolade ungefähr wie Kaffeesatz im Mund angefühlt haben. Deshalb fand man sie wohl meist nur flüssig genießbar.
Diese Schokolade macht nur glücklich, nicht dick und nicht dumm. Sie ist von differenzierter Bitterkeit und ein unglaubliches Duft- und Geschmackserlebnis. Wer allerdings Schokolade=süß assoziiert, ist meist davon enttäuscht. Ich genieße sie am liebsten mit rotem Wein (was mit keiner Schokolade geht, die auch nur ein bisschen Zucker enthält). Der Duft ist übrigens ähnlich dem der Schokoladenkosmee (Cosmos atrosanguineus).
Mein (deutscher) Schokolatier verkauft sie mit dem abschreckenden Hinweis auf der Packung: "nicht süß, mit matter Oberfläche, leicht zerkratzt". Es gibt sie auch noch von französischen Herstellern wie Michel Cluizel und (wenigstens früher) Valrhona, aber sie ist leider nur in sehr großen Städten im Handel verfügbar.