Was ist denn aus euren Versuchen geworden? Ist etwas über das Protokorm-Staium hinausgekommen?
Nun werden bei mir die D. fuchsii Kapseln langsam gelb. Einen Teil will ich klassisch um die Mutterpflanze aussäen, eine Teil aber auch auf Zellulose säen, ob Wellpappe oder anderes weiß ich noch nicht. Kann man die Samen denn bis ins Frühjahr aufbewahren? Wenn ja, wie? Oder ist es besser, gleich damit zu starten?
Zumal dies wirklich mein Lieblingsthread hier ist, möchte ich mich da mal wieder stärker einbringen.
Zu den Fragen:
1.) Teilung der Samen für unterschiedliche Aussaatarten ist sicher eine gute Entscheidung!
2.) Man kann die Samen bis ins Frühjahr und sogar länger aufbewahren, aber am besten ist: so bald wie möglich nach der Reife zu säen. Das ist auch bei Nicht-Orchideen nicht anders (es sei denn, sie kommen aus der südlichen Hemisphäre)
3.) Zur Frag der Aufbewahrungsart: beste Erfahrungen habe ich gemacht mit: eingeschlossen in einer Filmdose (die kleinen Plastikdosen mit 35mm Durchmesser) zusammen mit ein paar Reiskörnern im Gemüsefach des Kühlschranks. Dactylorhiza maculata bleibt da zumindest 3 Jahre lang keimfähig, langsam keimende Lilienarten zumindest bis 5 Jahre.
4.) Wie lange bis zur Blüte: Bei den symbiotischen Methoden geht es zuweilen schneller als asymbiotisch. Macht man alles richtig, blüht Dactylorhiza maculata/fuchsii mitunter schon 2 1/2 Jahre nach der Aussaat.
Ich freue mich über die Erfolge mit Bletilla (v.a. mit denen, die nicht striata mit Nachnamen heißen), bedaure aber, dass noch kein wirklicher Erfolg mit Dactylorhiza da ist. Aber evt. kommen wir da ja heuer weiter. So oder so denke ich, dass der Symbiont in kontrollierter Form zugeführt werden muss -Pappe hin, Pappe her. Der B1 ist a natürlich eine feine Sache. Am besten tut man das (glaube ich), in dem man (so, wie die Pilzgrower) zuerst Perlite-basierte B1-Brut herstellt. Diese kann man (wenn sie gut durchwachsen ist UND getrocknet wurde) dann benutzen, ein pasteurisiertes Substrat zu infizieren.
Das Problem besteht in der Sterilität. Arbeitet man nicht steril, kann man keine Kohlehydrate zum Einsatz bringen und auch mit der Stickstoffmenge muss man vorsichtig sein. Allerdings haben Versuche von mir im Vorjahr gezeigt, dass es möglich ist, durch nachträglichen Einsatz einer Zuckerlösung das Wachstum der Protokorme gravierend zu beschleunigen ohne dass hierdurch der Schimmel all zu sehr gefördert wurde. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass -wenn der Symbiont einmal das Kommando übernommen hat- die Feindpilze niedergehalten werden und ihre Biomasse nicht überhand nimmt. Es geht hierbei nur um eine Phase von etwa 4-6 Wochen, bevor die Protokorme dann entnommen, in eine Plastikkiste pikiert und an einer geschützten Stelle (muss nicht frostfrei sein) gelagert werden.
Im Frühjahr darf man dann nicht den Fehler machen, sie zugedeckt austreiben zu lassen. Vor Austriebsbeginn, die Kiste immer leicht geöffnet halten (3-4cm Spalt) und gelegentlich (so sie oberflächlich abtrocknen) etwas mit Wasser besprühen (aber nicht zu viel!). Als Substrat hat sich bei mir eine mit einer Düngermischung imprägnierte und mit B1-Brut vorinfizierte Mischung aus ungedüngter Kokosfaser und Kleintierstreu (genaues Trockengewichtsverhältnis muss ich noch nachsehen).
Leider hatt ich im letzten Jahr massiv mit Cladiosporum orchidis zu kämpfen un habe etwa 1/3 meiner Dacties im Urlaub verloren. Daher versuche ich jetzt einmal die großen Dacties vor der Überwinterung in Chinosol-Lösung zu baden und in rein mineralischem Substrat zu überwintern bzw. in ebensolchem im Frühjahr wieder auszusetzen.
Ach ja, was die Pappen-Art betrifft: die letzten Versuche waren erfolgreich auf ungebleichtem Klopapier

jedoch denke ich, dass auch Eierkarton einiges für sich hat. Wellpappe hat auch funktioniert (und evt. den Vorteil, dass da im Kleber zwischen den Schichten Kartoffelstärke vorhanden ist, was den Pilz fördert, sobald er an dieses Reservoir herangekommen ist). Wie schon angedeutet: es geht darum, dass der Symbiont im System den Ton angibt, also er kräftig genug bleibt, um ungewollte Infektionen abzuwehren.