Nach einer langen Zeit der Kälte und Nässe von oben (und dann von unten

) ist seit Mittwoch letzter Woche die Volierentüre offen.
Eine Woche voller Freude, Warten, Bangen, was wohl passieren würde, immer den Sperber im Nacken, der Tage vorher vor meinen Augen einen Elternteil der Brut eines unserer Starenkästen mit sich nahm...
Nachdem ich festgestellt hatte, dass der eine Elternteil die Kleinen nicht würde ernähren können, brachte ich die Kleinen in einer Nacht-u.Nebelaktion (die Wasser-Honigspritze auf dem Beifahrersitz um die schon sehr dehydrierten Kleinen nebenbei zu versorgen) zu einer jungen Tierärztin ( über die Wildvogelhilfe) an den Starnberger See, die die Kleinen bis zur Futterfestigkeit versorgte und sie nun zum Auswildern in den Vogelpark Olching bei München brachte. Aber das nur nebenbei...
Ja, die Voliere ging am Morgen auf, die beiden flogen raus und konnten sich noch garnicht richtig orientieren, da wurde Piepsi schon von einer Horde Spatzen verfolgt, die sie offensichtlich vertreiben wollten.

Am nächsten Tag war mir klar. was passiert war.

Nach einer sehr unruhigen Nacht meinerseits kam Piepsi am Morgen very busy in die Voliere, hatte kaum Zeit zum Fressen und war nur am Sammeln von Heu, welches ich dort schon immer in der Hoffnung einer Liaison meiner beiden deponiert hatte.
Welche Freude!

Und welch eine Enttäuschung, als ich sah, dass sie das Material in einen Schlitz unter der Dachrinne brachte und das Männchen, das eifrig ihr Tun bewachte, nicht Pauli war

Der machte einstweilen balzend und schreiend die Gegend unsicher, von einem Dach zum anderen, leider bis dato erfolglos.
So hatte ich das garnicht erwartet, ich dachte, Piepsi wäre die, welche massive Probleme haben würde a.g. ihrer falschen Prägung.
Einstweilen amüsiert sie sich gegenüber beim Nachbarn im Jasminstrauch mit ihrem Galan und baut am Nest, leider an genau dem selben Platz über unserer Terrasse, aus dem sie abgestürzt ware.
Nach einigen Tagen, an denen sie wohl uneingeschränkt ihre Freiheit genossen und nachts nicht hereinkamen, saßen sie nach einem heftigen Gewitter vorgestern (nach welchem Piepsi ziemlich verstört ankam) jetzt abends wieder auf ihren alten Schlafplätzen herinnen, wollten aber so um 5 morgens schon mit Vehemenz hinaus, der Galan draussen plärrte ja schon seit einer halben Stunde und Pauli ist sowieso ein Frühaufsteher.
Sie kommen regelmäßig hier zum Fressen, Piepsi dauernd,sitzt auch zu Tisch bei den gemeinsamen Mahlzeiten wie bisher, Pauli alle Stunde, ich habe sie aber beide auch schon mit Insekten im Schnabel und an den Gräsern rumturnen sehen.
Piepsi genießt weiterhin ihr tägliches Bad und Sandbad hier in der Voliere vorm Küchenfenster, während ihr Freund brav draussen im Pflaumenbaum davor wartet.
Ich vermute, dass sie das herinnen schlafen zumindest vorrübergehend aufgeben wird, wenn sie brütet.
Mal sehen, ob dann Piepsi plus x auf dem Lampenkabel hocken, ich glaube es aber nicht.
Es scheint ein langsamer Ablösungsprozeß zu werden, wie ich es eigentlich erwartet hatte nach so einer langen Zeit und wenn sie weiterhin alle Möglichkeiten haben wie bisher und sich frei entscheiden können.
So denke ich, ist es auch am Besten für uns alle und für Pauli wünsche ich mir natürlich möglichst bald auch eine Partnerin, er ist so ein toller Hahn, dass das noch keine gemerkt hat...

Ich bin so dankbar für diese Erfahrung, dieses eine Jahr und hoffentlich noch länger mit den beiden kleinen 'wilden' Kobolden, es hat meine Einstellung und das Bewußtsein für die Welt der kleinen Tiere um mich herum und ihre Bedürftnisse gewaltig geändert.
Ich hoffe, sie können sich noch lange ihrer neuen Freiheit erfreuen und ich darf ein neues Werden und Sein beobachten!