Habe gerade noch etwas viel abgedrehteres gefunden, was aber das Ausprobieren sicher lohnt: ein Verfahren, das Ivan Mitschurin (Michurin) erfand/benutzte um Birnen-, aber auch Apfelzweige, zu bewurzeln. Im Sommer, wenn die Blätter voll entwickelt sind, entfernt man von einem 1-2-jährigen Sproß/Zweig (ca. 20 cm lang) einen 5-8 cm breiten Rindenstreifen. Sofort danach schiebt man über die entblößte Stelle einen vorher präparierten Gummischlauch (60 mm lang, 12 mm Aßendurchmesser, 10 mm Innendurchmesser) Der Schlauch wurde in der Mitte durchbohrt (quer durch beide Wände), die eine Hälfte dann bis zu diesen Löchern eingeschnitten. In diesen Schlitz wird die entrindete Stelle so eingeschoben, daß die angrenzenden Rindenpartien mit bedeckt werden. Damit der Gummi die Rinde gut umschließt, umwickelt man diese Stellen mit einem Bindfaden und bestreicht mit flüssigem Veredlungswachs. In den nicht geschlitzten Teil des Gummischlauches kommt ein Korken, die andere - geschlitzte - Seite wird in ein Glasröhrchen gesteckt, was idealerweise rechtwinklig gebogen ist, ansonsten tut es auch ein gerades. Dies Röhrchen wird aufrecht fixiert und mit abgekochtem, abgekühltem Wasser gefüllt was je nach Verdunstung ergänzt werden muß. Einmal pro Woche wird das Wasser gewechselt. Nach fünf bis sieben Wochen soll das Zweiglein/Sproß zuerst Kallus, dann Wurzeln produzieren. Die Blätter am Sproß bleiben trotz Julihitze erhalten und produzieren Nährstoffe, die aufgrund der entfernten Rinde nicht weiter nach unten transportiert werden können und den Sproß beim Anwachsen im Beet ernähren können. Das funktioniere so bei den allermeisten Birnensorten. Apfelsprosse reagieren bis auf wenige Ausnahmen anders: sie kommen nur bis in das Kallusstadium, wenn sie dann in die Erde gepflanzt werden (ca. 5-7 Wochen nach Anbringung des Gummischlauches), verlieren sie die Blätter und entwickeln erst im folgenden Sommer Wurzeln. Verfährt man auf dieselbe Art mit einem Sproß von einem solcherart bewurzelten Sproß, so solle die Bewurzelung erheblich schneller vor sich gehen.
Der Aufsatz, auf englisch, mit Detailzeichnungen, ist zu finden unter
xxx(Weitere Artikel von Michurin und vielen anderen Autoren zur Pflanzenvermehrung unter:
xxx unter Heredity) Die Zeichnungen sind essentiell zum Verständnis der Versuchsanordnung!
Aus den Zeichnungen geht hervor, daß der zu bewurzelnde Sproß während dieser Prozedur noch nicht von der Mutterpflanze getrennt ist, sondern erst nach Wurzelbildung, bzw. bei Äpfeln im Kallusstadium, abgeschnitten wird. Das wird im Text aber nicht ausdrücklich gesagt.
Jetzt würde mich interessieren, ob die Zugabe eines Bewurzelungshormons in das Glasröhrchen die ganze Sache beschleunigen würde oder ob das überhaupt einen Effekt hätte.
Auf jeden Fall möchte ich die Methode in diesem Sommer ausprobieren. Falls es schon Erfahrungen dazu gibt, wäre ich sehr interessiert.
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