Gärten spiegeln Lebenseinstellungen wider. Wie die Inneneinrichtung des Hauses, wie der Inhalt des Bücherschranks.
Der Ordnungsfanatiker braucht vielleicht diese Gartenstruktur, um sein Leben in den Griff zu bekommen. Der Sammler wertet sich möglicherweise über die Besonderheit seiner Sammlung auf und unterscheidet sich nur im Objekt vom Briefmarkensammler. Wer einen naturbelassenen Garten hat, wehrt eventuell so seine übermäßige Ordnungsliebe ab oder ist selbst ein Chaot. Wer dem Leben ängstlich gegenübersteht, sobald gewohnte Pfade verlassen werden, wagt sich auch nur zögerlich an den Garten heran, der ja immerhin auch das "gardinenlose Wohnzimmer" holländischer Art ist. Experimentierfreude setzt eine gewisse Unabhängigkeit voraus und auch ein gehöriges Quentchen Mut.
Ich habe es mir inzwischen abgewöhnt, über die Qualität von Gärten großartig nachzudenken. Viele könnten nach meinem Geschmack schöner sein. Aber woher will ich wissen, was den Gärtner zu einem anderen Ausdruck seines Gartenverständnisses veranlasst hat.
Wenn nun aber Privat-Gärten - ob schön, unordentlich, vielseitig, komplex oder wie auch immer - als ein Ausdruck der Individualität zu verstehen sind, wie kann ich dann diese Äußerung einem Dritten, dem Gartenarchitekten, überlassen? Wird man sich in einem derartigen Garten je heimisch fühlen oder ihn als "seinen" Garten bezeichnen? Oder beginnt man allmählich, dem "Wohnzimmer draußen" den persönlichen Touch zu geben, in dem umgepflanzt und strukturell verändert wird? Dann aber war doch der Aufwand für den Architekten vergebens?
Ich frage deshalb, weil ich es wirklich nicht weiß.