Das habe ich soeben bei "Mistel-Therapie" gelesen:
Vermehrung
Mistelsamen keimen nicht von selbst aus – der Keim kann nicht in Feuchtigkeit aufquellen oder die ledrige Fruchthülle der Beeren durchdringen. Sie sind vielmehr darauf angewiesen, dass ein Vogel diese Barriere durchbricht. Vor allem zwei Vogelarten sind dafür Spezialisten: die Misteldrossel und die Mönchsgrasmücke – jede auf ihre Art:
Die Misteldrossel frisst in den Wintermonaten die reifen Beeren und scheidet die grünen Mistelembryonen über den Kot unzerstört wieder aus. Die an den Embryonen haftenden klebrigen Reste der Fruchthülle lassen die Embryonen gut auf ästen und Zweigen haften.
Die Mönchsgrasmücke ist ein Zugvogel, der im März aus dem Süden nach Europa zurückkehrt. Sie pickt die Beeren, die von den Misteldrosseln noch nicht aufgefressen worden sind, von den Mistelbüschen ab, frisst aber nur die saftige Hülle. Den grünen Embryo klebt sie dabei auf äste und Zweige des Wirtsbaumes, wo sie ganz in der Nähe der Mutterpflanze auskeimen können.
Bei der Wahl ihrer Wirtsbäume sind die Mistelkeime von Nadelhölzern besonders wählerisch: Kiefernmisteln wachsen nur auf Kiefern, Tannenmisteln nur auf Tannen. Laubholzmisteln sind – mit Ausnahme der Eichenmistel – weniger anspruchsvoll. Sie keimen auch auf anderen Gehölzen als die Mutterpflanze.
Der Embryo ist äußerst robust: Er kann den ganzen Winter über auf einem Ast in seiner schleimig-klebrigen Hülle liegen bleiben, bis er – meist im April – austreibt.