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Autor Thema: Tüpfelfarn  (Gelesen 7341 mal)

troll13

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Tüpfelfarn
« am: 25. Dezember 2012, 15:39:15 »

Frohe Weihnachten zusammen,

auf einem Verdauungsspaziergang habe vorhin einen Farn gesehen, der mir sonst noch nie hier in der Umgebung aufgefallen ist.

Ich identifiziere ihn als Polypodium vulgare, lasse mich jedoch gerne eines besseren belehren.

Was mir komisch vorkommt, ist, dass auf den Verbreitungskarten von floraweb.de hier südlich von Bremen keine Vorkommen des Tüpfelfarns verzeichnet sind.

An eine Gartenherkunft mag ich auf Grund der Fundstelle mitten in einem Waldstück nicht so recht glauben. Er wächst auf dem Scheitel eines niedrigen Walles, wie er hier typisch in den Forsten ist und hat sich offenbar selbst angesiedelt.

Wo wächst Polypodium vulgare nach euren Erfahrungen, Welche Böden sind dort zu finden. Welche Baumarten sind dort typisch bzw. bestandsbildend?
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troll13

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #1 am: 25. Dezember 2012, 15:40:17 »

Hier noch ein Bild von der Rückseite. Ein Foto von der Pflanze in situ liefere ich gerne nach.
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Jayfox

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #2 am: 25. Dezember 2012, 15:55:30 »

Aus Schleswig-Holstein weiß ich, dass er in den Geest-, Heide- und trockengelegten Moorgebieten und in Knicks nicht selten vorkommt, in Ostholstein wächst er sogar in Astgabeln von Knickeichen. Es würde mich wundern, wenn er südlich von Bremen in ähnlichen Gegenden nicht vorkäme.
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pearl

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #3 am: 25. Dezember 2012, 17:20:31 »

im Rotsandstein Odenwald und auf den Rändern des Oberrheingrabens auf Granituntergrund wächst er an trockenen Stellen unter Eichen. Es würde mich auch wundern, wenn er an trockenen sandigen Stellen im Wald nicht vorkommen würde.
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pearl

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #4 am: 25. Dezember 2012, 17:28:06 »

dieses hier ist immer die erhellenste Seite: Gerhard Nitter über Tüpfelfarn hier.

Daraus: Ökologie: Polypodium vulgare: Kalkarme, mäßig trockene, schattige Felsen und Mauern, Eichenwälder, Dünen.
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troll13

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #5 am: 25. Dezember 2012, 17:45:54 »

Danke. :D

Dort wird auch das seltenere Vorkommen im Norddeutschen Tiefland erwähnt.

Ich habe jedoch inzwischen eine Doktorarbeit über die Biodiversität in unserem Raum entdeckt. Danach gibt es ihn jedoch und die Vorkommen werden als nicht gefährdet eingestuft. Man sollte wirklich mit offeneren Augen durch den Wald latschen. ;D

Interessant ist hier jedoch, dass in diesem Forst offenbar Fagus sylvatica als Baumart dominiert. Dieses Waldstück wurde vor sechs Jahren Opfer einer Windhose. und bei dem neuen Aufwuchs ist die Rotbuche auffallend häufig. Quercus robur und Quercus rubra, an die ich mich als Altbestände bereits seit meiner Kindheit erinnere, treten beim Neuaufwuchs dagegen deutlich zurück.
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pearl

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #6 am: 25. Dezember 2012, 17:55:25 »

der Boden ist inzwischen mit Nährstoff angereichert. Weil es seit ein paar Jahrzehnten nicht mehr nötig ist in holzarmen Gegenden auf den wenigen Waldstücken Streu für das Vieh und Brennholz zu holen.
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troll13

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #7 am: 25. Dezember 2012, 18:39:59 »

plausibler Erklärungsansatz. :D
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biene100

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #8 am: 25. Dezember 2012, 19:09:44 »

Hier wächst er in Bachnähe an Felsen, aber auch am Boden. Wir haben Mischwald, der Fichtenanteil ist aber ziemlich hoch.

lg Biene
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troll13

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #9 am: 25. Dezember 2012, 19:40:08 »

Ich habe ihn hier heute wirklich das erste Mal bewusst gesehen. Ansonsten findet man hier meist nur Dryopteris dilatata und an feuchteren, nährstoffreicheren Standorten vielleicht auch einmal Athyrium und Dryopteris carthuisiana. Auch Dryopteris filix-mas ist hier relativ selten.

Aber das "Botanisieren" auf Waldspaziergängen bringt manchmal doch noch neue Erkenntnisse. :D
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lerchenzorn

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #10 am: 25. Dezember 2012, 22:12:10 »

In Brandenburg, wo die Art nicht selten, aber auch keine Massenware ist, breitet sich der Tüpfelfarn in den letzten Jahrzehnten sparsam aus. Neue Ansiedelungen finde ich vor allem in vergrasten Kiefernforsten, aber acuh in Laubmischwäldern. Er profitiert vermutlich von der allgemeinen Versauerung der Oberböden, während die gleichzeitige Eutrophierung vermutlich nicht so ausschlaggebend ist. Die größten Vorkommen kenne ich von versauerten, verhagerten Hängen in verdunstungsgeschützten Lagen. Hier sterben die kalk- und basengebundenen Arten aus und es kommen die Säurezeiger zum Zuge. Zu Eiche und Buche ist zu sagen, dass für die Verjüngung der Eichen inzwischen meist das Licht in den bodennahen Schichten fehlt, während die Buche auch in dunklen Lagen vermehrungsfreudig ist.
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troll13

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #11 am: 25. Dezember 2012, 22:25:24 »

Interessant...

Mein Fundort ist eines von drei fußläufig erreichbaren Waldstücken. Hier ist vor sechs Jahren eine Windhose durchgefegt.

Ich kenne das Waldstück seit meiner Kindheit. Früher standen hier eindrucksvolle Exemplare von Quercus rubra, Qu. robur, Fagus sylvatica und einzelne Pinus syvestris und Abies alba.

Dort wo der wenigste Schaden entstanden ist, findet sich eine Naturverjüngung von Eichen und Tannen und einigen Buchen. Die Sukzessionsfläche ist hingegen geprägt von Brombeergestrüpp, Ilex aqufolium, einzelnen Birken und eben sehr vielen Buchen.
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tiarello

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #12 am: 25. Dezember 2012, 22:37:27 »

Aus Schleswig-Holstein weiß ich, dass er in den Geest-, Heide- und trockengelegten Moorgebieten und in Knicks nicht selten vorkommt, in Ostholstein wächst er sogar in Astgabeln von Knickeichen. Es würde mich wundern, wenn er südlich von Bremen in ähnlichen Gegenden nicht vorkäme.

Der Tüpfelfarn ist im Nordwestdeutschen Tiefland durchaus sehr weit verbreitet, wenn auch nicht sehr häufig. Im südostniedersächsischen Hügelland z.T. seltener. Der Ausfall der Art auf der Floraweb-Karte in fast allen Bereichen Niedersachsen ist ein Artefakt.

Die bundesweiten Floraweb-Karten beruhen in weiten Bereichen auf Datensammlungen der Bundesländer. Da im Niedersächsischen Pflanzenartenerfassungsprogramm nur die Artengruppe "Polypodium vulgare agg.", bestehend aus der eigentlichen Art Polypodium vulgare und dem nahe verwandten Polypodium interjectum erfasst und kartiert wurde, konnten die Fundpunkte nicht in die bundesweiten Verbreitungskarte von Polypodium vulgare integriert werden. Die Art Polypodium vulgare im engeren Sinne ist also auf der Floraweb-Karte völlig unterrepräsentiert.
« Letzte Änderung: 25. Dezember 2012, 22:39:35 von tiarello »
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troll13

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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #13 am: 25. Dezember 2012, 22:46:50 »

Aha! So klärt sich manches auf. :D
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Re:Tüpfelfarn
« Antwort #14 am: 25. Dezember 2012, 23:50:11 »

Interessant ist hier jedoch, dass in diesem Forst offenbar Fagus sylvatica als Baumart dominiert. Dieses Waldstück wurde vor sechs Jahren Opfer einer Windhose. und bei dem neuen Aufwuchs ist die Rotbuche auffallend häufig. Quercus robur und Quercus rubra, an die ich mich als Altbestände bereits seit meiner Kindheit erinnere, treten beim Neuaufwuchs dagegen deutlich zurück.

Könnte ja auch in der Gegend sein, dass durch großflächige landwirtschaftliche Bewässerung der Grundwasserspiegel gesunken ist, die Stieleiche (Quercus robur) ist z.B. konkurrenzstärker auf feuchteren Böden als Buchen.
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