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|22|3|die "einen" krähen etwas wohltönender als die "andern". es kann aber auch umgekehrt sein.  (Zitat aus einem Fachthread bei garten-pur)

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Autor Thema: Wachstumsstop bei Hitze  (Gelesen 6604 mal)

Hermann

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Wachstumsstop bei Hitze
« am: 13. Dezember 2003, 16:29:59 »

Bin über zwei Textstellen gestolpert, die dieses Thema beschreiben.
Einmal in Nancy Ondras "Gräser im Garten":
Gräser, die kühlere Temperaturen bevorzugen, verlangsamen das Wachstum bzw stellen es ganz ein, wenn es 24-25°C wird.
Und in einem Artikel von Bob Solberg über Hostas: Hosta sieboldiana Abkömmlinge stellen ihr Wachstum ein (heat dormancy), wenn`s über 35°C (95 F) warm wird.

Gilt das jetzt für alle Pflanzen aus kühleren Gebieten? Was genau bringt das den Pflanzen?

VG
Hermann
« Letzte Änderung: 13. Dezember 2003, 16:30:31 von Hermann »
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Susanne

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #1 am: 13. Dezember 2003, 23:37:47 »

Weniger Durst?

Ich denke mir, daß die Pflanze bei 35° heißen Temperaturen befürchten muß, zusätzliche Blattmassen nicht mehr adäquat mit Wasser versorgen zu können und daß sie deshalb keine zusätzlichen Blattmassen mehr herstellt.
Wahrscheinlich wird sie schon beim Bestand aufgrund erhöhter Verdunstung Sonnenbrandopfer bringen müssen. Dann wäre sie doch blöd, wenn sie weitere Anstrengungen erbrächte, nur um noch mehr Schaden zu erleiden.

Interessant wäre zu wissen, ob Nancy Ondra und Bob Solberg ihre Beobachtungen bei Pflanzen gemacht haben, die ausreichend Wasser zur Verfügung hatten, also bei heißen Temperaturen so gewässert wurden, daß die erhöhte Verdunstung als ausgeglichen betrachtet werden kann.



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callis

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #2 am: 13. Dezember 2003, 23:45:53 »

Leider bin ich überhaupt keine Fachfrau: sprich Biologin. Aber dass, das Gras in unseren Gärten bei Hitze das Wachstum einstellt und eine Menge anderer Pflanzen auch, läßt sich ja jedes Jahr wieder beobachten. Ich bin immer ganz froh, dass ich etwa von 20.Juli bis 20. August den Rasen nicht zu mähen brauche. Auch meine erstjährigen Tagliliensämlinge wachsen in dieser Zeit kaum, sondern erst wieder, wenn es kühler und feuchter wird.

Ja, aber warum das so ist, möchtest Du wissen, Hermann. Da gibt's sicher kompetentere Menschen, die das beantworten können. Ich persönlich denke mir, dass Pflanzen, die sich in unseren Breiten wohlfühlen, nicht diese Vorrichtungen auf den Blättern haben wie z. B. Mittelmeer- und Wüstenpflanzen (Wachsschicht, Häarchen. 'Filz'usw.), die diese Pflanzen vor dem Austrocknen bei Hitze schützen. Vielleicht produzieren 'unsere' Pflanzen bei Hitze vorsichtshalber nicht so viel
Angriffsfläche, um die Verdunstung geringer zu halten.
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cimicifuga

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #3 am: 13. Dezember 2003, 23:53:55 »

Bob Solberg hat seine Hostas sicher brav gewässert. Es liegt an der temperatur. prinzipiell hat jede pflanzenart ihre spezifischen optimal minimal und maximal temperaturen. das ist einfach so. hat sich in der evolution wohl so entwickelt. es hat wohl was mit hochkomplizierten chemischen und physikalischen vorgängen in der pflanze zu tun.
so, jetzt hab ich wieder genug spekuliert ;)
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Silvia

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #4 am: 13. Dezember 2003, 23:55:23 »

Ging es bei der Untersuchung nur um die Temperatur oder auch um Trockenheit? Das eine schließt das andere ja erstmal nicht mit ein.

Bei Trockenheit ist es klar, dass die Pflanze nicht wächst, aber bei Wärme allein finde ich es schon erstaunlich.

LG Silvia
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callis

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #5 am: 13. Dezember 2003, 23:55:42 »

Weniger Durst?
Interessant wäre zu wissen, ob Nancy Ondra und Bob Solberg ihre Beobachtungen bei Pflanzen gemacht haben, die ausreichend Wasser zur Verfügung hatten, also bei heißen Temperaturen so gewässert wurden, daß die erhöhte Verdunstung als ausgeglichen betrachtet werden kann.

Gerade während ich meine Antwort schrieb, mußt auch Du gepostet haben, Susanne. Die Frage der Bewässerung ist tatsächlich eine entscheidende Frage.

Allerdings weiß ich z. B. von Florida (riesiges Zentrum der Taglilienzucht), dass Jungpflanzen trotz hervorragender Bewässerungsanlagen häufig schattiert werden. Also kann es Wassermangel allein nicht sein, was den Pflanzen zusetzt.
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cimicifuga

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #6 am: 13. Dezember 2003, 23:58:01 »

es könnte ja sein, dass bei einer bestimmten temperatur die verdunstung gleich der aufgenommenen wassermenge ist und somit keine extra ressourcen für das wachstum zur verfügung stehen. sach ich ma ;)
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Silvia

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #7 am: 13. Dezember 2003, 23:59:22 »

Die Lichtstärke und Wellenlänge des Lichts spielt sicherlich auch eine Rolle.

LG Silvia
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Susanne

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #8 am: 14. Dezember 2003, 00:30:05 »

Zitat
Allerdings weiß ich z. B. von Florida (riesiges Zentrum der Taglilienzucht), dass Jungpflanzen trotz hervorragender Bewässerungsanlagen häufig schattiert werden. Also kann es Wassermangel allein nicht sein, was den Pflanzen zusetzt.

Wassermangel allein ist es ja auch nicht, sondern da spielen einige Faktoren eine Rolle, zum Beispiel, wie das Wurzelwerk entwickelt ist und ob die Pflanze über Sonnenschutzmittel wie die oben schon genannten Härchen oder eine Wachsschicht verfügt.

Bei Hemerocallis-Jungpflanzen kommt noch einiges dazu.
Hemerocallis halten zwar viel Hitze aus, aber nur wenn sie gut etabliert sind. Wenn sie wählen dürften, würden sie sich wohl weniger für Florida als für einen feuchten Graben in Pennsylvania oder einen Waldrand in Montana entscheiden.
Solange das Wurzelwerk der Jungpflanzen noch unterentwickelt ist, sind sie keinesfalls in der Lage, die Sonne Floridas schadlos zu überstehen. Es entstünde ein Defizit zwischen der Wasserverdunstungsmenge oben und der Wasseraufnahmemenge unten. Und zwischendrin hätte man dann vertrocknete Jungpflanzen.


Das Ganze scheint mir mit der gleichen Logik abzulaufen, wie das System der Keimtemperaturen. Auch da wartet die Pflanze mit Wachstum ab, bis sie jene Temperaturen registriert, die für ihr eigenes Überleben und das ihrer Kinder förderlich sind.

So gesehen hätten Nancy Ondra und Bob Solberg nichts Ungewöhnliches festgestellt.

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Hermann

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #9 am: 14. Dezember 2003, 10:04:24 »

Ungewöhnlich ist es vielleicht nicht, aber es war für mich das erste mal, dass ich es gelesen hab. ;)
Solberg schreibt, dass die Hostas weiterhin gegossen werden sollen, damit die Wurzelspitzen weiter wachsen können. Allerdings sei die Pflanze in diesem Zustand anfälliger für Krankheiten. "The tissue actually will go to sleep, and remain that way all summer. The leaves will not die down, but can show signs for scorch. This is why sieboldianas are so prone to leaves burning and scorching. Because the plant is not growing, pathogens can gain a foothold and the crown will rot. Next spring, instead of a large eye, you will get a series of rings of much smaller plants, due to the main bud dying and the smaller side buds growing. To combat the effect of heat dormancy, continue watering the plant." Düngen soll man in dieser Phase nicht, da die Wurzeln verbrennen können.

Also einen Vorteil kann ich da beim besten Willen nicht für die Pflanze erkennen, neues Blattwachstum halte ich für vorteilhafter, da eventuelle Blattverluste durch Krankheit etc wieder kompensiert werden können. Es sieht eher so aus, als sei die Pflanze auf einer niedrigeren Evolutionsstufe stehengeblieben ??? (Gedanken eines Laien ;))

Naja, zumindest finde ich es interessant, sowas mal zu erfahren, weil sich auch die Kultur im Garten danach richten sollte/muss - es bringt ja nix, wenn ich die Pflanze weiter brav dünge und sie dadurch evtl schädige :-\

VG
Hermann

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Thomas

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #10 am: 14. Dezember 2003, 13:02:09 »

Ich habe dazu mal Google befragt:
pflanzenwachstum temperatur

Ergebnis 5 ist der "Hamburger Bildungsserver".

Da steht der Satz:

"Grundsätzlich gibt es eine Temperatur-Ober- und -Untergrenze für das Pflanzenwachstum. Da das Wachstum an flüssiges Wasser gebunden ist, setzt es erst wenige Grad über dem Gefrierpunkt ein; zu hohe Temperaturen zerstören andererseits die Enzymsysteme und damit die Zellen. Darüberhinaus bevorzugen viele Pflanzen eine Blatt-Temperatur innerhalb bestimmter Grenzen, in denen der Aufbau der Biomasse durch Photosynthese und der Abbau durch Atmung eine möglichst hohe Nettoprimärproduktion ermöglichen. So liegt der Temperaturbereich, in dem die maximale Netto-Photosynthese bzw. das höchste Wachstum stattfindet für die meisten Pflanzen der mittleren Breiten zwischen 18 und 25 Grad C."


Mit googelnden Grüßen
Thomas
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Andi H.

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #11 am: 14. Dezember 2003, 18:57:15 »

Beim Wachstumsstopp der Hostas spielt nicht die Verdunstung alleine eine Rolle. Wie auch bei anderen hitzeempfindlichen Pflanzen (dazu zählen eigentlich die meisten weichlaubigen Arten) wird die Funktion einiger Proteine, u.a. des Photosyntheseapparates, bei Temperaturen von 30-40° C geschädigt.

Die Art der Schädigung bzw. die Höhe der Temperaturen, die ertragen wird, hängt individuell von den Standortsansprüchen der Pflanzen ab. Die Hitze an sich stellt für solche Pflanzen bereits eine Stresssituation dar (auch bei guter Wasserversorgung). Und eine der ersten Reaktionen einer Pflanze auf jedweden Stress (also auch bei Kälte, Trockenheit, Nährstoffmangel, Lichtmangel...) ist das Einstellen des Wachstums, das ja nicht unmittelbar lebensnotwendig ist.

Dies dient einerseits dazu, Ressourcen zu sparen, die zur Synthese alternativer Enzyme (-> Hitzeresistenz) verwendet werden können, andererseits ist gerade im Wachstum befindliches Blattgewebe noch empfindlicher auf Hitze (und Trockenheit), als Blätter aus "fertigen",ausdifferenzierten Zellen. Es hätte für die Pflanze also wenig Sinn, neue Biomasse zu produzieren, die sofort zugrunde gehen würde.

In diesem Sinne also eine sehr sinnvolle Errungenschaft, die nicht wirklich auf eine "niedrige Evolutionsstufe" zurückzuführen ist. Außerdem: warum sollte die Evolution darauf vorbereitet sein, Pflanzen an Standorte und Situationen anzupassen, in die sie nur der Mensch gebracht hat?

Die Textstelle über die Gräser würde mich allerdings interessieren. Werden da auch bestimmte Grasarten genannt, auf die der Wachstumsstopp bei derartig geringen Temperaturen zutrifft?

Liebe Grüße
Andreas
« Letzte Änderung: 14. Dezember 2003, 18:59:05 von Andi H. »
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Hermann

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #12 am: 15. Dezember 2003, 16:03:42 »

Danke an alle für die Infos.
Das dürfte dann die Erklärung sein, warum einige meiner Hostas, u.a. Blue Umbrellas und Pizzazz, dieses Jahr nicht richtig "ausgewachsen" waren. Mal sehen, ob das Konsequenzen für den nächstjährigen Austrieb hat.

@ Andreas
Ausschnitt aus dem Ondra Buch:
"Bei Gräsern, die kühlere Temperaturen bevorzugen, beginnt das aktive Wachstum im Vorfrühling oder im zeitigen Frühjahr; sie blühen meist im Frühling oder zum Sommerbeginn. Sobald die Temperaturen 23-25°C übersteigen, verlangsamt sich ihr Wachstum oder hört ganz auf. Schwingel (Festuca ssp.) und Flattergras (Milium effusum "Aureum") etwa zählen zu den früh grünenden Arten."
Mehr schreibt sie nicht.

VG
Hermann
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Andi H.

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #13 am: 15. Dezember 2003, 16:38:06 »

Ach so. Mit dem oben beschriebenen Verhalten der Hostas hat das nicht viel zu tun, sondern entspricht einfach der Jahresrhythmik dieser Gräser.

D. h. wenn die Pflanze genügend hohe Temperaturen bemerkt, stellt sie sich vom vegetativen Wachstum auf die Blütenbildung um. Also kein Wachstumsstopp aus Not, sondern durchaus gewollt. Und sowohl Festuca als auch Milium finden sich ja beide nicht sooo oft in einem Kulturrasen... ;)

Liebe Grüße
Andreas
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Hermann

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Re:Wachstumsstop bei Hitze
« Antwort #14 am: 16. Dezember 2003, 12:10:50 »

Danke für die Infos, Andreas :)

VG
Hermann
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