„Der war ja nett zu Dir“, rätselte Frédéric auf dem Heimweg.
.
„Nett? Ihr seid ja hier nicht normal! Läßt mich stundenlang warten und erzählt mir noch, ich soll seine Wassertonnen füllen!“
.
„Ich kenne ihn seit Jahren. Der war für seine Verhältnisse schon sehr höflich zu dir.“
.
Wenn du meinst. Ich war erschöpft. „Ich sollte ja auch ein Pferd für zwanzigtausend Francs kaufen.“
.
„Und wenn es zweihunderttausend gekostet hätte, das ist dem ganz egal. Weißt du, was der ’mal gemacht hat? Der veranstaltet doch genau wie ich auch Zweiwochenritte. Und da waren am vorletzten Tag ’mal die Pferde müde, und die Kunden nörgelten. Und da hat er den Transporter kommen lassen, Pferde und Sattelzeug verladen und hat die Leute achtzig Kilometer von zu Hause einfach mitten in der Pampa sitzen lassen.“
.
Ja doch, das traute ich ihm zu. Ich begehrte Aufschluß über das Dromedar. „Den Transporter wollte er unbedingt haben, als der Zirkus sich auflöste, aber er mußte das Dromedar dazunehmen. Sein Sohn reitet es. Er hat auch drei Lamas. Übrigens, mach’ ihm das mit dem Hobbeln nicht nach. Ist wirklich gefährlich.“
.
„Morgen früh machen wir noch einen Ausritt, bevor du zurück nach Deutschland fährst“, lächelte Corinne. Ausritt? Ich hatte ein nacktes Pferd gekauft.
.
„Das macht nichts. Wir leihen Dir was.“
.
Nun verfügte das Centre Equestre nur über Hackamores. Tignous aber wurde auf Trense geritten. Mir war mulmig zumute. „Dann lernt er das Hackamore eben kennen.“ Ja, diese Profis! Aber ich bin ein Reitidiot!
.
„Dann setzt aber du dich auf Tignous und ich nehme Kaline.“ Mir ging richtig die Muffe. Niemand konnte so bezaubernd lachen wie Corinne. „Aber du hast ein Pferd gekauft! Jetzt mußt Du es auch reiten!“
.
Abends im Städtchen dann kam mein großer Auftritt: Das ganze Viertel freute sich mit mir. Einer gab’s dem anderen weiter: Die Deutsche hat ein Pferd gefunden! Vor dem Haus standen die Nachbarn regelrecht Spalier. „Gratuliere, Madame! Gratuliere!“ Noch nie waren mir Menschen so sympathisch gewesen. Am liebsten hätte ich ein Fest gegeben!
.
Und dann der Ausritt am nächsten Morgen! Diesen Ritt würde ich nie vergessen. Es war traumhaft. Dornen, Steine, Abhänge - Tignous war trittsicher wie eine Bergziege; im Galopp um die Ecken, daß uns die taunassen Zweige ins Gesicht schlugen; der Thymian duftete, Sternklee, Binsenlilien, Zistrosen - überall blühte es.
.
Und ich saß auf meinem eigenen Pferd! Ich hatte ein Pferd, ich hatte ein Pferd!