*lacht* Hier ist der Schluß:
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Rauf auf den Hänger ganz ohne Probleme, und schnell festgetüdert! Auch diesen Knoten könnte ich heute noch mit geschlossenen Augen knüpfen. Und dann rollten wir zum Tor; Corinne lief noch ein Stück neben uns her, Titoune bellte, und alle winkten sich bald die Arme aus.
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Ti stand mucksmäuschenstill und brav auf dem Hänger – nun ja, wer sonst mit Monsieur J. fahren mußte, war ja einiges gewohnt. Aber zum allerersten Mal war er ganz allein! Und wenn wir unterwegs mal halt machten, um nach ihm zu schauen, stand er steif und hochnervös da, nicht einmal einen Apfel wollte er mir abnehmen, ja, nicht einmal trinken wollte er. Weswegen Birte beschloß, unterwegs keinen Halt an einem Pferdehof einzulegen, um ihn mal laufen zu lassen, wie wir das eigentlich geplant hatten, sondern an einem Stück durchzufahren.
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Nur in Lyon mußten wir wie üblich nochmal von der Durchgangsstraße runter, um in einem übel beleumundeten Viertel an der Billigtanke zu tanken, wo ich immer tankte und wo der Tankenmann schon in den achtziger Jahren hinter Panzerglas saß. Nachts war es da immer ein bißchen unheimlich. Und natürlich mußte das arme Pferd den Krach und Gestank im Tunnel erdulden; ich weiß nicht, ob da jemals irgendwer ohne Stau durchkam.
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Und dann endlich: die Grenze. Die Stullen lagen auf dem Armaturenbrett bereit. Eine Lebenserfahrung und eine Methode, die sich übrigens nicht nur an diversen Grenzen bestens bewährt hat: Nichts auf der Welt wirkt so harmlos wie jemand, der mit vollen Backen kaut und dem potentiellen Gegner mit seinem Leberwurstbrot lächelnd zuwinkt - eine heutzutage in Europa leider fast wertlose und gewiß im Aussterben begriffene Kunst.

Nicht, daß wir sie würden anwenden müssen, denn in Vogelgrun ging man ja früh zu Bett. Aber man müßte ja sowieso auch mal was essen.
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Wir näherten uns dem Grenzübergang langsam auf kleinen Straßen. Schon waren wir da – das mußte es sein. Aber… „Oh Scheiße!“, stöhnte Birte, und „Verdammte Kacke“, stieß ich hervor: Vogelgrun war ganz und gar nicht zu Bett, Vogelgrun war hell erleuchtet.
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Wenigstens stand da keiner. Birte schaltete in den zweiten Gang, wir näherten uns im Schrittempo, wie vorgeschrieben, o so harmlos, aber o so angespannt, dem offenen Schlagbaum, und doch, zum Teufel, da stand doch wer, der wollte wohl mal eben frische Luft schnappen…
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Ich biß in die Schinkenstulle und lachte den Mann mampfend an, Birte hob mit breitem Lächeln grüßend die Hand, ich zischte lächelnd „laaangsam, nur nicht schneller werden“ und winkte nochmal, und wir rollten laaaangsam über die Grenze, über den Rhein und in die Freiheit.
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Aber es prickelte im Nacken, und erst zwei Kilometer weiter, als wir uns in den Feldwegen hinter Breisach unsichtbar gemacht hatten, waren wir wirklich überzeugt, daß niemand schießen würde.

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Edith möchte daran erinnern, daß dies alles natürlich frei erfunden ist, und außerdem ist es längst dreimal verjährt.

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Und das hier isser, die Pferdeliebe meines Lebens: