Das ist klasse, Bufo! Das wünschte ich jedem.

.
Es gab da wohl mehr Pferdepersönlichkeiten 
.
Oh ja, ein jedes war eigen, ich könnte seitenlang erzählen. Derzeit lese ich nachts kaum drei Seiten, weil mir so viele Erinnerungen im Kopf umgehen, und ich komme vom Hölzchen aufs Stöckchen...
.
Es gibt über jedes Pferd was zu erzählen, und im Dorf lebten 160....
.
Ich nenne nur mal eben Hanko aus dem Schulstall. Der Wallach war eines der altgedienten Schulpferde und ebenso gewitzt wie Kora. Ein Brauner, nicht eben hübsch (das ist jetzt nett gesagt), mit einem Kopf wie ein Cellokasten. Er war schon etwas steif. Niemand wollte ihn reiten; jeder zog einen Flunsch, wenn er ihm zugeteilt wurde. Nur eine junge Frau namens Katharina, die ab und an ins Casino kam - niemand hatte sie je reiten sehen -, verteidigte ihn glühend. Hanko sei ein hervorragendes Pferd, wir könnten ihn nur nicht reiten.
.
Nachdem wir uns das zehnmal angehört hatten, hatte jeder die Faxen dicke:
.
"Vormachen!"
.
Katharina entgegente nur kühl: "Gerne!" und verschwand.
.
Eine Woche später erschien sie in Reitkleidung. Und gab - vor großem Publikum - eine Vorstellung mit Hanko. So viel Applaus hatte in Tarahausen noch selten wer bekommen: Sie ritt eine tadellose A-Dressur mit Hanko. Und Hanko....! Er lief nicht nur wie ein anderes Pferd - geschmeidig, rund, jede Steifheit verschwunden, hundertprozentig konzentriert und korrekt, und er hatte sichtbar Spaß! - nein, Hanko sah auch aus wie ein anderes Pferd. Als glänzte sein Fell mehr, als wäre er zehn Jahre jünger. Er sah richtig hübsch aus.
.
Abgesehen vom Kopf, da konnte keiner was machen.
.
Später erfuhr ich, daß unser verehrter Oberreitlehrer Siegfried Wolf - ein bundesweit bekannter Ausbilder und Reiter - ihn nahm, wenn er mal an einer Schleppjagd teilnehmen wollte. Er hatte dutzende von Berittpferden, teils sehr gute (auf ein schlechtes hätte er sich sowieso nie gesetzt) - aber er wählte Hanko. Weil er nun wirklich keinem etwas beweisen mußte, einfach ein bißchen Spaß haben wollte und Hanko, man höre und staune, das zuverlässigste Jagdpferd war und richtig gut sprang.
.
Na gut, A-Dressur hatten wir nun gesehen. Aber Hanko und gut springen? Was quälten wir uns als Anfänger mit ihm in den Cavalettistunden! Bis Hanko Schluß damit machte. Überdeutlich und ein für allemal.
.
Es war wieder Anfänger-Springunterricht in der kleinen Halle. Das übliche Publikum, Bierglas oder Geripptes in der Hand, hatte sich versammelt zum Tarahausener Kino. "Hanko! An-gallopieren!" rief Reitlehrer Arno Kahn. Das arme Reiterlein tat sein möglichstes. Hanko verfiel in einen stuckernden Trab.
.
"Auf den Zirkel geritten!", rief Arno und raufte sich die Haare, "an-galoppieren! Ganze Bahn!" Hanko war tatsächlich angaloppiert, es war kein schöner Galopp. Er sah den kleinen Sprung, er zog an, er tat einen mächtigen Satz - und blieb stehen, die Stangen unterm Bauch. Vorhand auf einer Seite, Hinterhand auf der anderen.
.
Das Publikum johlte begeistert. Arno Kahn brach in hilfloses Lachen aus. Dem armen Reiter lief der Schweiß übers knallrote Gesicht. Hanko stand wie aus Stein gemeißelt. Kahn versuchte es mit der Longierpitsch: Hanko backte sich ein Ei drauf. Hanko bewegte keine Ohrspitze, Hanko stand wie aus Erz gegossen.
.
Man mußte den Sprung unterm Pferd abbauen, auf dem der arme Herr X. saß wie ein begossener Pudel, während das Lachen kein Ende nahm.
.
Hanko mußte hinfort nicht mehr springen. Hanko mußte sich überhaupt nicht mehr mit irgendwem rumquälen: Die Kunden kauften ihn frei. Häßlichkeit hat doch manchmal auch ihr Gutes: Er mußte sich mit gar keinem Reiter mehr abplagen, niemand wollte ihn - liebevolle Gefühle hatte Hanko in keinem Schüler jemals erweckt. Hanko kam auf einen Frankfurter Gnadenhof und lebte dort noch viele glückliche Jahre.
.
Noch zwei Jahrzehnte später lachten die Leute anerkennend, wenn einer sagte: "Weißt du noch Hanko?"
.
So sicher wie nur was kam dann "Unter dem man den Sprung abbauen mußte!"
.
Und schon als nächstes ein versonnenes: "Kopf wie'n Cellokasten."