Ich liebe Katzen und Hunde (und es gibt auch zu mindestens einer Katze und einigen Hunden etwas zu erzählen, denn so ein Reitstall ist ja sozusagen ein Mikrokosmos, und dann erst ein ganzes Pferdedorf), aber wer nie mit Pferden zu tun hatte, der hat wirklich etwas verpaßt... Finde ich.

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Daß Tignous sehr intelligent war, das hatten Frédéric und der französische Tierarzt ja gleich gesagt. Und Birte auch.
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Ti war wirklich, wirklich helle! Und so ein intelligentes Pferd machte richtig große Freude, weil er schnell lernte und mitdachte und mir tatsächlich manchmal bei einer Lösung half, wenn er das Problem erfaßt hatte.
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Leider aber war er auch in eigenen Angelegenheiten intelligent. Teuflisch intelligent war das Fettepony. Zu den Koppeln – er wechselte sie nach Belieben - gibt es später mehr zu sagen. Aber er entpuppte sich auch sonst immer mehr als Zirkuspferd. Jede Schnalle, jeden Haken, alle Knoten knüpperte er auf.
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„Clever Kerlchen“, meinte Doc Dossi, halb bewundernd, halb mit zusammengebissenen Zähnen. Dem Tierarzt Dostenfelder hatte er gleich zweimal ein Schnippchen geschlagen. Ich denke, ich hätte mit Tidemsausack auftreten können wie der Mann mit dem
Klugen Hans..
Wenn Ti vor einem zu lösenden Problem stand – Probleme waren etwa Maßnahmen, die ihn vom Spazierengehen abhalten sollten, und natürlich geschlossene Türen, hinter denen sich Eßbares verbarg --, sah man förmlich die Rädchen in seinem Hirn drehen und ineinandergreifen. Und ich behaupte, daß er erfreut lächelte, wenn es „klick“ machte: Ah, so geht das! Und richtig stolz aussah!
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An der Mainpromenade gab es eine wunderschöne große Wiese, an deren anderem Ende ein griechisches Restaurant lag. Mit Frau Winterling ritt ich öfter zum Abendessen hin. Stundenlang stand Tignous dort brav und ohne einen Muckser angebunden neben Sokran unter den Trauerweiden am Fluß, wenn sich sein Mensch dabei wieder mal verquatscht hatte. Das heißt: meistens.
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Aber wehe, es wurde ihm langweilig oder er erspähte auf einmal ein bislang übersehenes Grasbüschel!
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„Ich will ja nichts sagen, Tara, aber da vorn läuft wieder mal ihr Pferd übern Rasen“, meinte Frau Winterling dann trocken. Und ich mußte über die Wiese flitzen, um das Fette Pony vom Rosenbeet abzulenken. Rosen waren Tis Leibspeise! Nur lagen sie leider auch dem Griechen sehr am Herzen...
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Ich gewöhnte mir an, großzügige Trinkgelder zu geben.