Vielen Dank für die tollen Geschichten!

Das Buch würde ich auch kaufen.

Das erinnert mich alles an meine Jugend im Reitverein mit legendären Ausritten, Fuchsjagden und sonstigen gesellschaftlichen Veranstaltungen.
Leider kann ich nicht so schön schreiben wie Tara, aber mir fällt bestimmt die eine oder andere Geschichte wieder ein.
Auf Grund der Geschichte des Faschingsreitens und den älteren Kirchgängern auf der anderen Seite des Gebüschs muss ich an einen Ritt mit meinem Vater denken.
Ein kurzes Stück entfernt von der Reitanlage unseres Vereins gab es auch eine kleine Geländestrecke mit Naturhindernissen. Da das gleichzeitig eine sehr schöne Galoppstrecke war und man die Hindernisse auch umreiten konnte, war die Strecke bei den meisten sehr beliebt. An dem betreffenden Nachmittag schlug auch mein Vater diese Strecke ein. Da sein Pferd schon den ersten Teil des Ausritts recht hibbelig gewesen war, wollte er etwas Dampf ablassen. Sein damaliges Pferd war eine wunderschöne, reinweiße Trakehner-Araberstute, die allerdings nicht ganz einfach war.
An dem betreffenden Nachmittag hätte er wohl auf der Strecke sicherheitshalber die Hindernisse auslassen sollen, aber so etwas kam bei meinem Vater nicht in die Tüte. Wir galoppierten also los und nahmen das erste Hindernis, einen dicken Baumstamm, noch relativ unproblematisch. Relativ deshalb, weil Rebekka nach dem Sprung erst mal gebuckelt hat.
Vermutlich saß er deshalb beim zweiten Hindernis, einem Graben mit anschließender Böschung als Aufsprung, schon nicht mehr richtig fest im Sattel. Es kam also wie es kommen musste, ein mächtiger Sprung mit einem gleichzeitigen Haken nach rechts und das Pferd flog nach rechts, mein Vater geradeaus weiter. Dahinterreitend hatte ich quasi einen Logenplatz. Die Stute meines Vaters rannte dann reiterlos an der Böschungskrone entlang in Richtung des 50 m entfernten Feldwegs und damit auch in Richtung Stall.
Ich hatte nach dem Aufsprung dann zuerst mit mir und meinem Pferd zu tun, das natürlich hinterher wollte. Da mein Vater sich gleich wieder aufgerappelt hatte, habe ich mich also darauf konzentriert, möglichst in die ursprüngliche Richtung weiter zu reiten, damit Rebekka wieder umkehrt. Zwischen unserer Geländestrecke und dem Stall lag nämlich eine vielbefahrene Straße.
Als ich dann mein Pferd so weit im Griff hatte, dass ich weitertraben konnte, drehte ich mich während des Weiterreitens um, damit ich sehen konnte, was das Pferd meines Vaters machte. Was ich sehen konnte, lies mich anfangs kaum meinen Augen trauen.
Unsere Stute, in flottem Tempo Richtung Heimat unterwegs, trieb auf dem Feldweg zwei ältere Damen vor sich her. Die beiden rannten auf dem Weg entlang, anstatt einfach zur Seite zu gehen. Als Rebekka dann die beiden fast erreicht hatte, retteten sie sich mit einem Sprung in den Graben. Noch ein paar Galloppsprünge, über die kleine Brücke und unser Pferd war verschwunden. Ich hatte mittlerweile durchpariert und beobachtete aus einiger Entfernung, wie die beiden Damen mit lautem Geschimpfe in Richtung meines Vaters aus dem Graben krabbelten.
Kaum standen sie wieder auf dem Weg, erklang aus Richtung Brücke und Wäldchen plötzlich lautes Gewiehre. Rebekka hatte gemerkt, dass ihr Freund Whisky nicht dabei war. Kaum hatte sie ihn entdeckt, kam sie in leichtem Galopp wieder den Weg entlang in unsere Richtung. Beim Anblick des Pferdes rannten die beiden Damen sofort erneut los, wieder vor unserer Stute her. Mein Vater hatte inzwischen allerdings den Weg erreicht und schaffte es, die Stute aufzuhalten und einzufangen.
Wir waren natürlich erst mal froh, dass niemandem etwas passiert war, weder den Damen noch dem Pferd.
Wir sind aber auch heute, fast dreißig Jahre später, noch fest davon überzeugt, dass wir niemals zuvor und auch nie mehr danach gesehen haben, dass sich ältere Damen so schnell bewegt haben.