Die Damen zogen einen Kreidekreis um den versehentlich stehengelassenen Aschenbecher, schlossen das Fenster, reparierten die Balkons und griffen zu härteren Mitteln: Sie beschwerten sich im Büro bei Elvira Laube, der Sekretärin des Allmächtigen.
.
Da bissen sie allerdings auf Granit. Die dicke Elvira konnte zwar Seeberg auf den Tod nicht ausstehen - sie konnte die meisten Leute nicht ausstehen und lag damit ganz auf der Linie ihres Herrn und Meisters sowie dessen Adlatus Schweinsberger - , aber Pferde brauchten frische Luft. Und eigenmächtige Bauerei konnte sie auch nicht tolerieren! Wenn hier einer eigenmächtig war, dann sie.
.
Den verzweifelten Damen platzte ob dieser Niederlage endgültig der Kragen. Nun war die Stunde der schweren Geschütze gekommen. Als ich zwei Tage später meinen Sattel vom sehr weit oben angebrachten Bock hob, pfiffen mir drei Hufeisen haarscharf am Ohr vorbei. Das vierte leider pfiff nicht vorbei, sondern traf mich mit ziemlicher Wucht am Kopf und rasierte säuberlich einen Streifen Haut vom Schädel.
.
Den Eisen hinterher flatterte langsam ein erklärender Zettel. Es war dieser Anschlag ein damenhaft zarter Hinweis darauf, daß ich angeblich nach dem Schmiedbesuch nicht gekehrt hatte. Nur war der Schmied zu Marinas Damian gekommen und nicht zu Tignous…
.
Jetzt war auch Marina stinkesauer, denn wie, bitte schön, konnte sie dem Schmied hinterherfegen, wenn sie gerade in ihrem Krankenhaus in Wiesbaden das Geld für den Schmied verdiente? Sie hätte abends schon noch gekehrt, verdammt noch mal, sie kehrte doch immer!
.
Und mir brummte der Schädel; es tat wirklich weh! Die Feldscheune erlebte einen (sehr seltenen, ehrlich!) Taraschen Wutausbruch. Natürlich hatte man mir nicht wirklich etwas antun wollen, wer auch immer mir die Hufeisen auf den Bock gelegt hatte, wollte mich nur kräftig ärgern und hatte nicht bedacht, daß etwas passieren könnte.
.
Aber leider hatte ich jetzt auch endlich die Haßkappe auf – nach vielen Übergriffen, vielem Nachgeben und Entgegenkommen meinerseits und regelrechten Demütigungen und nun einem bescheuerten Pflaster am Kopf - und ließ mich in meinem ersten Zorn dazu hinreißen, einen großen Zettel in der Sattelkammer anzubringen: Wer mir ans Leben wolle, der solle doch bitte keine Attentate aus dem Hinterhalt verüben, sondern sich im direkten Zweikampf mit mir messen. Die Wahl der Waffe wolle ich gern meiner Kontrahentin überlassen.
.
Na, da hatte ich was angerichtet! Jetzt war nur noch eines angesagt: Krieg.