- Längst war es stockdunkel; die Straßenlaternen brannten. Die Familie Ehrmann scheuchte das Schwein die Straße runter. Und zurück. Das war ein Tanz! Die Pferde tanzten mit. Ti tanzte mir auf den Fuß.
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Die Wutz flüchtete sich unter seinen Bauch. Jetzt mußte Frau Winterlings Zeh dran glauben. Frau Winterling fluchte; dann fielen ihr die Äpfel ein. Aber die Wutz wollte keine Äpfel! Sie zischte wieder ab wie ein geölter Blitz.
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Die Ehrmannsche Großmama kam mit Sack und Kartöffelchen. Die Sau wollte leider auch keine Kartöffelchen. Und schon gar nicht in den Sack! Sie wollte unter’n Bauch. Gaß’ rauf, Gaß’ runter; der Radau zog noch die Nachbarn auf die Straße. Gut fünfzehn Mann feuerten schließlich die Schweinejäger begeistert an.
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Herr Ehrmann bekam ein Bein zu fassen und fast Sokrans Huf an den Kopf - die Sau flutschte unter Tis Bauch.
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„Mein Gott, sie blutet!“ Hatte Sokran sie erwischt? Das entschied die Sache. Ich hatte die Faxen dick: „Wir sperren sie in der Feldscheune in die leere Box.“ Mitkommen würde sie, da war ich sicher, das Problem war ja eher, sie von Tgnous loszueisen.
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Es waren zweieinhalb Kilometer.
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Frau Ehrmann fuhr mit dem Audi - Warnblinker an - im zweiten Gang vorneweg. Dahinter kam der völlig entnervte Tignous. Dann die Wutz. Frau Winterling hinter ihr, sie führte den aufgeregten Hengst und versuchte mit der anderen Hand, die kleine Sau von Tis Hinterbeinen wegzuwedeln. Langsam blieb ihr die Luft weg.
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Die Prozession verursachte fast einen Auffahrunfall. Die Leute hielten an und drehten die Scheibe runter, um besser sehen zu können.
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Vor der Feldscheune gab ich Gas, um die Pflegemädchen zu warnen: „Frau Winterling kommt gleich mi’m Wildschwein um die Ecke. Kerstin, Ti absatteln, Michaela, die leere Box auf. Stroh rein.“ Die Mädels flitzten.
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Auto, Pferd und Wutz erschienen. „Da is’ ja wirklich’n Wildschwein! Wir dachten, Du hättest ’nen Anfall!“ Michaela ließ vor Staunen das Schwein fast durch die Tür entschlüpfen.
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Noch zweimal die Stallgasse rauf und runter, dann hatte man die Wutz in der Box. Das Schweinchen schnupperte befriedigt an den Nachbarn: Pferde. Es fühlte sich offensichtlich zu Hause. Die Pferde, von denen die meisten sich schon zum Schlafengehen fertiggemacht hatten, waren auf einmal durch die Bank hellwach. Was war das denn für ein Besuch mitten in der Nacht! Ein aufgeregtes Schnobern, Schnuppern, Schorcheln kam aus allen Richtungen.
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„Futter! Was fressen Wildschweine?“ Frau Winterling hatte einen ausgeprägten Fütterungstrieb. Tis Gerste, Katzenfutter und Milch wurden verrührt. Die Wutz fraß. Verletzt war sie nicht.
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Erst jetzt dachte man betreten an die Reaktion der Damen. Und Igor! Und Anton Kaiser! Mit Pfleger und Betriebsleiter lagen wir sowieso schon im Clinch. Egal erstmal, das war morgen. Jetzt jedenfalls hatten wir die Sau wenigstens für die Nacht endlich unter Dach und Fach.