„Der Kollege O. guckt in die leere Bratröhre…“ hieß es am nächsten Tag. Kollege T. erwärmte sich für das Thema. Die ganze Stadt mit ihm.
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Hilfreich wollten die Leser den Kolumnisten über die Rasse der Wutz aufklären. „Der Rumpenheimer Keiler ist NICHT das in Schleswig Holstein entlaufene Zirkusschwein der Rasse Husumer Rotscheckschwein, das in der Lage sein soll, einen roten Teppich auszurollen“, antwortete Kollege T. „In Sachen Schweinebestimmung sind wir aber blutige Laien...“
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Der Bonsai-Keiler wurde abgelichtet, wie er gerade, das Rüsselchen auf doppelte Länge ausgefahren, mit Pferd Hühnchen Nase rieb. „Handelt es sich um ein Wild- oder um ein Hausschwein? Um eine Promenadenmischung? Oder sogar - Sensation, Sensation - um das seit den großen Treibjagden des 17. Jahrhunderts als ausgestorben geltende Schwarze Ostwestfälische Heinzelschweinchen?“
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Inzwischen war die Sache natürlich nicht nur Elvira Laube, sondern auch ihrem Herrn und Meister zu Ohren gekommen. Jeden Tag erwarteten Frau Winterling und ich ein Schreiben, das uns – hochachtungsvoll - die Boxenmiete für zwei Tage Schweineunterschlupf abverlangte. Aber van Krachten schwieg.
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Alle anderen waren um so lauter, sie lachten sich scheckig. Tenor: „Das kann auch nur euch passieren!“ Selbst Frau Winterlings Tochter, die die Entwicklung der Schweinegeschichte am Telefon verfolgte, machte da keine Ausnahme: „Mit wem reitest du da eigentlich? So Sachen sind dir doch früher nicht zugestoßen!“
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Jeden Tag wurden der Redaktion neue Theorien bekannt: „Herr F., zum Beispiel, glaubt, in Moritz den Angehörigen einer Schweinerasse erkannt zu haben, die zu Versuchszwecken gezüchtet wurde: ein ,Münchner Miniaturschwein’. Das sei eine Kreuzung aus dem ,Hanford Schwein’ und dem, das muß man sich merken, ,Kolumbianischen Portionsschwein’. Sehr schön.
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Frau S. vermutet die Vorfahren unseres Schweins im Osten: Es könne sich nur um ein ,Russisches Hausschwein’ handeln. Akzeptiert. Das Lexikon bemüht hat Herr K., was jedoch dazu führte, daß seine ursprüngliche Vermutung hinfällig wurde: Moritz sei kein ,Cornwall-Schwein’. Also müsse es sich um eine Kreuzung handeln.
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Das ist schade, denn mir hat eigentlich am besten gefallen, was Herr K. vorher gesagt hat:“ – Kollege T. wollte die Schweinerei ein für allemal abschließen, „Ob das überhaupt ein Schwein ist? Irgendwie sieht’s aus wie ein Tapir oder ein Ameisenbär.“
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Einmal aber kam Moritz doch noch in die Zeitung: Der Lehr Jakob nämlich setzte einen prallgefüllten Obst- und Gemüsekorb als Preis aus für denjenigen, der ihm die Rasse nennen konnte. „Und außerdem ist sein Beweggrund keineswegs bloße Neugier“, verkündete die Zeitung, „nein, ganz, ganz rührend ist er. O-Ton Jakob Lehr: ,Isch däd dem Moritz ja gern noch e Mädsche dazutun. Aber isch weiß hald nedd, was für eins.’“