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News: Manchmal muß sich ein Garten sogar von seinem Gärtner erholen. ;)  (partisanengärtner)
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Autor Thema: Sind getopfte Stauden behandelt?  (Gelesen 15861 mal)

Schantalle

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #15 am: 17. Juli 2013, 09:32:33 »

Besonders schlimm finde ich die gestauchten Echinaceen, so wirken die eh mit dicken Stängeln gezüchteten Sorten wie ihre im Liegestuhl liegenden unter ihrem Übergewicht ächzenden Gartenbesitzer.

Herrliches Bild! ;D ;D ;D
Zu dem Ensemble würde auch die berühmte 'Hortensie blau'-Sorte passen! (Sorten-Beschreibung: 30cm große Zwerge mit mindestens 4 blauen Monster-Bällen, die den Laub beinahe komplett verdecken) Diese "Sorte" blüht zwar überwiegend im März ... sorgt aber nicht weniger für ein prächtiges wowwelcheineblütenpracht-Stöhnen des Liegestuhl-Besitzers!

@Irisfool:
Zitat
Nie wieder Pflanzen aus einem Gartencenter
Tja ... ich kann es um "Bei Gärtnereien zwischen den Eigenen und Zugekauften unterscheiden" ergänzen.
Mir sind neulich ein paar solche Zugekauften (aus NL, wo sonst!) in den schon vollen Korb eingesprungen. Habe ich sie mitkommen lassen und dem Chef "Die werden halt bei mir ihr freies Wachstum lernen dürfen!" gesagt. Er hat mich verstanden ;)
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Aster!

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #16 am: 17. Juli 2013, 11:14:05 »

Meine Naivität hat mich mal wieder eingeholt. ;)
Irgendwie hatte ich mir sowas schon gedacht, aber dass die Stauden reell mit Stauchemitteln behandelt werden ist ja... mir fällt nix ein.
Dann ist das bei den schon vor Wochen blühenden Dahlien im Topf sicher auch so? Die sind keine 40 cm hoch und sehen eben auch total "gestaucht" aus. Irre viele Blütenansätze, aber fast alle auf einer Höhe und total gequetscht. Davon hab ich immer lieber die Finger gelassen.
Was es nicht alles gibt... :P
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Schantalle

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #17 am: 17. Juli 2013, 11:28:00 »

Die sind keine 40 cm hoch und sehen eben auch total "gestaucht" aus. Irre viele Blütenansätze, aber fast alle auf einer Höhe und total gequetscht. Davon hab ich immer lieber die Finger gelassen.

Wenn Dir die Blüte gefällt und zu dem Farbspektrum passt, dann ist doch kein Problem! Pflege die Knolle als ob nichts gewesen wäre und warte mal ab. Auch die pickeligen Zwerge aus der Muckibude werden mal (er)wachsen :)
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Daniel - reloaded

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #18 am: 17. Juli 2013, 15:51:05 »

Wenn ich das hier alles so lese wird mir teilweise, ehrlich gesagt, schlecht! ::)

Ein berühmtes Beispiel dafür sind niedrige Kissen-Astern, die im nächsten Jahr mannshoch werden.
Oder verröchelt sind.

Entschuldige Dunkle, aber das ist Unsinn! Topfastern werden nicht gestaucht (oder zumindest nur seeehr wenig) sondern schlicht verdunkelt da es sich um Kurztagspflanzen handelt. Je nach gewünschtem Produkt (Größe) ggf. schon ab dem stecken.

Etwas anderes sind die Kientzlerastern die im Herbst häufig als Töpfe und Kübel angeboten werden. Das sind Kreuzungen aus A.dumosus und A. nichtsgenauesweissmannicht. Diese bleiben (nicht zuletzt auch wegen des recht späten Topftermins) im ersten Jahr verhältnismäßig kurz und kugelig und wachsen (sortenabhängig) ab dem zweiten Jahr zu Größen bis 1,5m heran. Hemmstoffe sind nur bei einigen Sorten erforderlich um den Bestand "glattzuziehen", also um zu verhindern, dass einzelne Triebe durchschießen.
Die 08/15 Zwergastern aus dem Gartencenter oder Supermarkt sind ganz einfach verdunkelte A. novi-belgii-Sorten, teilweise spezielle Sorten die besonders gut auf Verdunkelung ansprechen (auch unter Glas, was "herkömmliche" Sorten nur widerwillig oder schlecht tun). Im Garten haben sie im nächsten Jahr die Eigenschaften von normalen A. novi-belgii.

Speziell ist mir das mit einem weißen Phlox passiert. Gekauft, blühend 30cm hoch, in den Vordergrund des Beetes gepflanzt.
Im Folgejahr explodierte er auf über 60cm und verdeckte den zierlichen, blauen Phlox dahinter vollkommen. >:(

Auch das hat nichts (oder nur wenig) mit chemischen Hemmstoffen zu tun. Viele Zwergsorten (und auch Standardsorten) blühen bei frühen Topfterminen im ersten Sommer und mit der Blüteninduktion hört das Längenwachstum nunmal auf. Im nächsten Jahr ist die Vegetationsperiode bis zur Induktion einfach länger, sodass sie zur Vollen Größe heranwachsen können. Phlox sieht gestaucht auch einfach mistig aus, da er auf viele Hemmstoffe nicht reagiert (bei denen er normal aussähe) und bei den Hemmstoffen auf die er reagiert (einige Azole und Regalis) streikt die Verzweigung und die Pflanzen verhocken völlig.

Ich bin heute auch in einem Restpostencenter einem Rittersporn verfallen. Dieser ist gestaucht auf 30 cm, schon fast verblüht (deshalb auch günstiger) aber ich habe ihn trotzdem mitgenommen. Bei Rittersporn weiß man ja, wie groß der werden kann.

Das z.B. hat ausnahmsweise tatsächlich oft was mit Hemmstoffen zu tun. Aber auch hier hängt der "Hemmstoffbedarf" vom Topftermin ab, je später, desto weniger. Meine Mitte Mai getopfen und Anfang Juni gestutzten Delphiniumkübel blühen in etwa 2-3 Wochen und werden bis dahin nicht ein einziges Mal ein Stauchmittel sehen, wozu auch, sie sind jetzt etwa 30cm hoch und werden mit farbezeigenden Knospen dann etwa 40-50cm hoch sein, für einen 5 Liter Kübel optimal.


Schlimmer finde ich noch, daß viele Stauden frühzeitig in Blüte geschickt werden, damit sie zum Verkauf hübsch aussehen.

Leider sind dann die regulären Blühzeiten so verfälscht, daß ich schon so manche Überraschung im nächsten Jahr erlebt habe.
Auf einmal waren ganze Teile meiner Beete monatelang ohne eine einzige blühende Pflanze und dann plötzlich blühte alles auf einmal, danach wieder bis zum Herbst gar nichts :(.

Seitdem informiere ich mich erst nach Größe und Blütezeit, bevor ich bei Angeboten dann am nächsten Tag zuschlage.


Naja, auch die Blütezeit ist einfach eine Frage des Topftermins und z.T. der Sorte. Allerdings sollte man sich doch immer informieren wann eine Pflanze natürlicherweise blüht oder?
Eine Coreopsis z.B. blüht nur dann früh, wenn ich ihr die entsprechende Wärme- und vor Allem Lichtmenge die sie zur Induktion zur Verfügung stelle, diese Möglichkeiten habe ich im Garten schlicht nicht mehr. Einem Gärtner mit einem Hach Erfahrung sollte aber klar sein, dass klassische Sommerblüher eben nicht Ende April im Garten blühen können. Übrigens produzieren Gärtner immer das was der Kunde verlangt, wenn also keine Nachfrage bestünde gäbe es diese Produkte auch nicht....

Und das alles noch dazu zu sagenhaft ungünstigen Preisen! Selbst schuld, muss jeder selber wissen. Ich weiß allerdings nur eines: wenn ich mich nochmals selbständig mache, dann mitten zwischen solchen GC und Baumärkten, die um teures Geld regelrechten Schrott verkaufen , aber Gratiswerbung für den Garten und mich machen.

Autsch!!!! ::)


Viel schlimmer finde ich, dass das Astern-Sortiment in einigen Staudengärtnereien immer weniger wird, weil sie im regulären Wuchs in den den kleinen Töpfen selten gut aussehen und sich dementsprechend schlecht verkaufen. Da hab ich schon fast wieder Verständnis für die Staucher-Fraktion :-X

Das geht viel einfacher! Im Juni nochmal um die Hälfte einkürzen. Spart Hemmstoffe und sorgt trotzdem für kompakten und verzweigten Wuchs.


Besonders schlimm finde ich die gestauchten Echinaceen, so wirken die eh mit dicken Stängeln gezüchteten Sorten wie ihre im Liegestuhl liegenden unter ihrem Übergewicht ächzenden Gartenbesitzer.

Auch das hat oft weniger mit Hemmstoffen als mit Züchtung und stutzen zu tun. Viele neue Sorten (besonders die mit roten, orangen und gelben Blüten) ergeben ohne stutzen nur einen meterlangen Stängel ohne jegliche Verzweigung und mit dem richtigen Stutztermin kann ich mir Hemmstoffe sparen... allerdings gehören Echinaceen zu den Stauden die sehr gut auf hemmstoffe ansprechen wenn nötig.


Meine Naivität hat mich mal wieder eingeholt. ;)
Irgendwie hatte ich mir sowas schon gedacht, aber dass die Stauden reell mit Stauchemitteln behandelt werden ist ja... mir fällt nix ein.
Dann ist das bei den schon vor Wochen blühenden Dahlien im Topf sicher auch so? Die sind keine 40 cm hoch und sehen eben auch total "gestaucht" aus. Irre viele Blütenansätze, aber fast alle auf einer Höhe und total gequetscht. Davon hab ich immer lieber die Finger gelassen.
Was es nicht alles gibt... :P

Zu dem hervorgehobenen Teil: Autsch!!!

Zu den Dahlien: Auch die kriegen (abhängig von der Topfgröße) nur wenig Hemmstoff, ein 12er oder 13er Topf braucht mit der richtigen Sorte gar kein Stauchmittel, Zwergdahlien im 10,5er Topf wollt ihr ohne Stauchmittel gar nicht sehen... ::)
Das sind schlichtweg kurze Stecklingssorten die genetisch kompakt wachsen und reichblühend gezüchtet sind. Knollen bilden diese Sorten meist nicht oder sehr spät, wenn man sie also überwintern will am besten im Topf und nicht ganz austrocknen lassen. Jetzt im Sommer gibt es öfter mal Dahlienkübel die tatsächlich aus Knollen gezogen sind. die sind meist auch ungestaucht sondern schlichtweg im Freiland gezogen. Diese können wie jede andere Dahlie auch überwintert werden.
Zu Dahlien ist allerdings zu sagen, dass die hervorragend auf alle verfügbaren Hemmstoffe ansprechen. Da diese aber keine besonders lange Wirkungsdauer haben halte ich das nicht für problematisch.


So, erstmal bis hierher, später vielleicht noch ein Roman dazu was Hemmstoffe eigentlich tun und was sie nicht können, jetzt ist erstmal meine Küche und Wäsche dran.... ;D


Liebe Grüße,

Daniel
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Staudo

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #19 am: 17. Juli 2013, 16:05:23 »

Viele Wäschesorten bekommt man mit einer Heißwasserbehandlung gestaucht.
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Daniel - reloaded

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #20 am: 17. Juli 2013, 16:28:40 »

Die hat sie schon hinter sich ohne nennenswerte Staucheffekte.... :-X :P
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Gartenlady

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #21 am: 17. Juli 2013, 16:34:38 »

Viele Wäschesorten bekommt man mit einer Heißwasserbehandlung gestaucht.

;D

Danke für die ausführlichen Infos, Daniel, aber letztlich ist es ja egal wie es gemacht wird, wir wüssten halt gerne wie die Pflanzen tatsächlich aussehen werden.

Eine Lieblingspflanze aus Kindertagen ist die Cosmea, wunderbar elegante, hohe Pflanzen, die sich im Wind wiegen. Und was hat die moderne Kultur aus diesen und anderen schönen hohen Einjährigen gemacht? Es sind jetzt pummelige Zwerge, die zumindest bei mir im Beet zwischen den Stauden untergehen und sang- und klanglos nach ein paar Wochen ihren Geist aufgeben.
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krimskrams

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #22 am: 17. Juli 2013, 16:58:33 »

Cosmeen lassen sich sehr einfach aussäen. Das ist sogar mir letztes Jahr gelungen, obwohl ich mit Aussaaten nur selten Glück habe. Dann werden sie auch so hoch, wie du sie kennst. Jetzt, im Folgejahr, haben sie sich freundlicherweise selbst ausgesät. :)
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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #23 am: 17. Juli 2013, 17:22:08 »

interessantes Thema, dass mich auch schon viel beschäftigt hat. Gerade dieses Jahr sind mir die blühenden Zwergen-Sonnenblumen, extremen Krüppelkosmeen und Mini-Dahlien (im Mai-Anfang Juni) etc. speziell vor den Supermärkten besonders sauer aufgestoßen, daher fand ich die informativen Beiträge von Daniel sehr aufschlussreich, danke!

Ich hoffe meine dieses Jahr erstandene Vanilleblume wird dann auch ab nächstem Jahr ein richtiger größerer Busch. Ich denke die hat schon einiges an Stauchmittel abbekommen?

Wie ist es mit Petunien und Stauchmittel, das würde mich auch noch interessieren.

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pearl

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #24 am: 17. Juli 2013, 17:27:41 »

Übrigens produzieren Gärtner immer das was der Kunde verlangt, wenn also keine Nachfrage bestünde gäbe es diese Produkte auch nicht....


das ist doch der springende Punkt! Handwerklich produzierte Stauden sind nicht gestaucht, wozu auch und man kauft sie in der Gärtnerei seines Vertrauens. Entweder im Herbst oder im Frühjahr.

Blühende Stauden schaut man sich in Mutterpflanzenquartieren an oder besucht möglichst viele Gärten. Private oder öffentliche. Das macht die ganze Saisonware in GC oder BM übrflüssig.

Das Leben kann so einfach sein! ;D
« Letzte Änderung: 17. Juli 2013, 17:28:29 von pearl »
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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #25 am: 17. Juli 2013, 17:40:00 »

Ja, das ist alles ganz einfach: man setzt sich ins Auto, fährt ein Stündchen oder zwei zur nächsten Staudengärtnerei und schwelgt in den schönsten Pflanzen ::)

Dass die Gärtnereien produzieren was die Kunden verlangen, halte ich für ein Gerücht, zunächst kultivieren sie, was sich leicht kultivieren lässt und dann kultivieren sie es so, dass man es leicht händeln kann, d.h. klein und pummelig und möglichst quadratisch, damit es keine Platzverluste in den Quartieren gibt.

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Daniel - reloaded

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #26 am: 17. Juli 2013, 17:47:07 »

interessantes Thema, dass mich auch schon viel beschäftigt hat. Gerade dieses Jahr sind mir die blühenden Zwergen-Sonnenblumen, extremen Krüppelkosmeen und Mini-Dahlien (im Mai-Anfang Juni) etc. speziell vor den Supermärkten besonders sauer aufgestoßen, daher fand ich die informativen Beiträge von Daniel sehr aufschlussreich, danke!

Ich hoffe meine dieses Jahr erstandene Vanilleblume wird dann auch ab nächstem Jahr ein richtiger größerer Busch. Ich denke die hat schon einiges an Stauchmittel abbekommen?

Wie ist es mit Petunien und Stauchmittel, das würde mich auch noch interessieren.



Also, zu den Minidahlien hatte ich was geschrieben.

Minisonnenblumen: Hier kommt es auf deine Definition von "mini" an. Minis sind für Gärtner 6er Töpfe und dann ist das bei Sonnenblumen eine Kombi aus Zwergsorten, Verdunkelung und Hemmstoff.
Bei "Standardware" im 12er-14er Topf gibt es inzwischen Sorten die durchaus ohne oder mit wenig Hemmstoffen auskommen, diese werden auch nicht wesentlich größer wenn man sie im Garten aussät (nicht vergessen, dass Pflanzen die in Töpfen kultiviert werden oft kleiner bleiben da sie einfach ein geringeres Wurzelvolumen ausbilden können). Weiterhin kann man auch bei Sonnenblumen die Höhe sehr gut über eine Kurztagsbehandlung regulieren was allerdings im Sommer schwierig wird wegen der hohen Temperaturen.
Und dann bleiben bei Sonnenblumen natürlich auch noch Hemmstoffe zur Wuchsregulierung, wirksam sind Regalis, Dazide und Bonzi in D wird, mangels Bonzizulassung, meistens im Wechsel mit Regalis und Dazide gearbeitet. Im Sommer ist das öfter mal erforderlich, da Sonnenblumen besonders im Langtag wachsen. Frühe und späte Sätze bleiben ohne stauchen kurz genug wenn man die richtige Sorte nimmt.

Komeen in Töpfen hingegen werden i.d.R. recht massiv gestaucht (Dazide, Bonzi und Tilt sind gut wirksam) um die auf das passende Format zu bringen. Wichtig ist dabei aber, dass Topfsorten verwendet werden die ohnehin deutlich kürzer bleiben, eine Standardsorte die als Schnittblume verwendet wird kriegt man auch mit Bonzi nicht in den Topf gestaucht.
Wenn die Pflanzen völlig verkrüppelt sind und auch im Garten nicht mehr weiter wachsen kommen die entweder aus einem anderen EU-Land (alle außer Deutschland haben Bonzi zur Verfügung) oder ein deutscher Gärtner hat sich in die Illegalität begeben... ::) deutlich höher als 40-50cm werden Topfsorten aber ohnehin nicht.

Bei den Petunien kommt es sehr darauf an was du unter Petunie verstehst. Bei den kleinen Sämlingspetunien (egal ob groß- oder kleinblütig) gibt es seit ein paar Jahren Serien die weitgehend ohne Stauchmittel auskommen (ich gebe ihnen trotzdem gerne ein- oder zweimal Dazide, da sie dann einen wesentlich besseren Aufbau und eine viel reichere Verzweigung entwickeln) und daneben immernoch die Serien die deutlich mehr Stauchmittel benötigen, i.d.R. sieht man das im Laufe des Sommers. Wenn die Pflanzen sehr kurz bleiben und mehr breit als hoch/lang werden sind das kurze Sorten/Serien, ist das laub schwarzgrün und die Pflanzen kommen gar nicht mehr aus dem Quark hat da jemand illegal mit Bonzi gespielt oder die Pflanzen kommen aus Nachbarländern.
Bei den Stecklingssorten kann meist nicht auf Stauchmittel verzichtet werden um überhaupt eine brauchbare Qualität zu erzielen. Die Sorten der Surfiniaserie müssen meist recht stark gestaucht werden (es gibt auch hier inzwischen Sorten die mit weniger auskommen), Nachfolgerserien brauchen oft deutlich weniger Hemmstoffe.
das extrem sind die Potunias von Dümmen, die kommen komplett ohne oder mit seeehr wenig Stauchmittel aus und wachsen beim Kunden trotzdem nicht weiter (Genetik).

Schlimmer als den Einsatz von Hemmstoffen (bei dem die Pflanzen beim Kunden problemlos weiterwachsen wenn der Gärtner weiss was er da tut) finde ich die Tatsache, dass inzwischen gar nicht mehr unterschieden wird zwischen den starkwachsenden Hängepetunien wie Surfinia etc. und den kurzen halbhängenden/aufrechten Serien wie z.B. Potunia und Viva und der Einfachheit halber alles als Stecklingspetunien (die der Kunde ja mal als stark hängende Pflanzen kennen gelernt hat) oder, noch schlimmer, alles als Surfinia (die ja auch heute noch stark hängend wachsen) verkauft wird. Schuld ist hier zwar auch der Gärtner aber immerhin nicht die Chemie. ;)
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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #27 am: 17. Juli 2013, 17:54:44 »

Ja, das ist alles ganz einfach: man setzt sich ins Auto, fährt ein Stündchen oder zwei zur nächsten Staudengärtnerei und schwelgt in den schönsten Pflanzen ::)

Dass die Gärtnereien produzieren was die Kunden verlangen, halte ich für ein Gerücht, zunächst kultivieren sie, was sich leicht kultivieren lässt und dann kultivieren sie es so, dass man es leicht händeln kann, d.h. klein und pummelig und möglichst quadratisch, damit es keine Platzverluste in den Quartieren gibt.



Jetzt aber mal ganz langsam!

1. Keine Nachfrage, keine Produktion.
2. die in den Vierecktöpfen wegen des geringen Platzverlustes sind eben ausschließlich die hier so gerühmten Staudengärtner und nicht die bösen Zierpflanzer. (Ganz bewusst überspitzt und absolut nicht gegen Staudengärtner gerichtet!)
3. Zierpflanzerware ist nicht zuletzt auch deshalb kürzer und knuffiger weil die pflanzen deutlich mehr Platz haben als beim Staudengärtner im Quartier!
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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #28 am: 17. Juli 2013, 18:25:14 »

Hi Daniel,
das ist wirklich spannendes Thema und Deine Antworten sehr informativ!
Könnest Du vielleicht kurz erklären, was den armen H.macrophyla alles angetan wird, damit sie im Frühling so aussehen, wie sie aussehen?

... Nicht das ich sie kaufen würde. Ganz im Gegenteil. Und dennoch habe ich bis dato drei solche ehemalige Muckis adoptieren und aufgepeppeln müssen :)
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Daniel - reloaded

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Re: Sind getopfte Stauden behandelt?
« Antwort #29 am: 17. Juli 2013, 18:51:15 »

Debbie, das ist an sich ganz einfach:

Man nimmt eine relativ schwach wachsende Sorte die man nur einmal stutzt (je öfter gestutzt desto mehr Triebe) und ganz normal in die Vegetationsruhe gehen lässt und ins Kühlhaus schiebt. Während der Vorkultur hält man die Triebe so kurz wie möglich (N-Angebot und Hemmstoffe).
Nach einer gewissen Kühldauer sind die Pflanzen dann treibfähig, die Ruhe ist also vorbei. Dann nimmt man die Pflanzen und stellt sie warm im Gewächshaus auf und gibt Zusatzlicht. Während der Treiberei wird relativ viel gestaucht (sonst würden die Pflanzen auseinander brechen) und nach ca. 10-14 Wochen (meine ich und ist auch licht-, temperatur- und sortenabhängig) blühen die Pflanzen. I.d.R. sind das die gleichen Sorten die man auch im Garten hat, nach der Blüte und einem Rückschnitt kann man die Pflanzen also normal auspflanzen und sie wachsen dann auch normal weiter. Wer nach dem 20.6. (besser noch 15.6.) stutzt darf im nächsten Jahr aber nicht mit Blüten rechnen, sofern nicht ohnehin der Winter einen Strich durch die Rechnung macht.....

Vorteil bei Hortensien: Sie sind zwar als Zimmerpflanze stark gestauch, die verwendeten Mittel haben aber keine nennenswerte Dauerwirkung. Anfangs wird meist Tilt verwendet das zwar sehr stark aber nicht sehr anhaltend wirkt (und die fast schwarzgrünen Blätter verursacht), später dann Dazide was besser blütenverträglich ist und ebenfalls kaum Dauerwirkung bei Hortensien hat. Andere Hemmstoffe (z.B. Caramba, Bonzi, Regalis, Cycocel) können kaum verwendet werden da sie entweder die Blütenfarbe verändern (Regalis und das bei Hortensien auch seeehr lange), die Blüte schädigen (Caramba auch bei Anwendung in der Vorkultur), nicht wirken (Cycocel) oder schlicht keine Zulassung haben (Bonzi). Bonzi wird aber in Ländern mit Zulassung (und bei schwarzen Schafen) in der Vorkultur verwendet, in der Treiberei geht auch das nicht, da die pflanzen dann nicht aufblühen.
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