Na, ich gehe eigentlich schon davon aus, dass mal jemand den Kompost, den ich beziehen werde, gesehen und angefasst hat , und dass er auch Qualitätskontrollen durchlaufen hat.
Als ich mein Haus baute, wurde zwar jedes Krümel Erde zusammen gekratzt, aber das war trotzdem sehr wenig und da nirgends Mutterboden zu bekommen war, hatte ich künstlichen Mutterboden aus 2/3 Kompost des städtischen Kompostbetriebes und 1/3 Lehm notgedrungener Maßen kaufen müssen. Das waren, glaube ich, ca. 40 Kubikmeter gewesen. Das Schönste daran war, das ich einen kleinen Überkopflader gemietet hatte, um das Zeug breit zu machen, denn zunächst war das nur ein riesiger abgekippter Haufen. Der Baumaschinenverleih dachte zunächst, dass eine Ehefrau ihrem Mann ein Geschenk machen wollte, indem er mal mit so einem Überkopflader "spielen" kann - ist nicht so selten hier. Man konnte auch beim Baumaschinenverleiher baggern und buddeln, offiziell, um den Kunden kurz anzulernen und manchmal auch, damit sich Männer dort austoben können.
Der städtische Kompost wurde aus Abfällen der braunen Tonne, Rasenschnitt von städtischen Wiesen, zerschrapselten Holz vom Baumverschnitt und Laub, das die städtische Straßenreinigung im Herbst zusammen gekarrt hat, hergestellt. Ich hatte mir das mal angesehen. Es wurde nicht im Freien als Rotte angesetzt, sondern in einer Art Reaktor, damit die Rotte schneller abläuft, denn der Biomüll einer Großstadt würde sonst riesige Komposthaufen erfordern.
Es gab noch eine zweite Qualität von Kompost, der aber für den Garten nicht empfohlen wird, da nicht 100 % sicher, dass schadstofffrei. In Dresden gibt es schon sein mehreren Jahrzehnten eine automatisierte biologisch-mechanische Müllaufbereitung, wo zunächst Wertstoffe zurück gewonnen wurden, z.B. Eisenmetalle, Aluminium, Glas usw.. Der Rest wurde irgendwie so aufbereitet, dass der biologische Anteil (Lebensmittelreste, Papier, Pappe ...) abgetrennt und in einem Reaktor verrottet wurde. Der Rest des Hausmülls war nur noch ca. 10 ... 15 % und bestand z.B. aus Keramikscherben, Steinen, Bauabfällen von Heimwerkern ..., was auf die Deponie kam. Dieser Kompost zweiter Qualität wurde z.B. für Grünanlagen benutzt.
Beide Kompostsorten werden regelmäßig auf bestimmte Schadstoffe untersucht und nur bei Unbedenklichkeit frei gegeben. Man sieht aber an der Konsistenz, was welche Sorte ist.
Trotz allem wuchs 2 Jahre nichts auf den Flächen, wo ich die künstliche Muttererde aufgebracht habe, nicht einmal Unkraut. Der Lieferant machte diverse Bodenuntersuchungen (PH-Wert, Schadstoffe ...) konnte aber angeblich nichts finden, wobei ich diesen Aussagen nicht traue. Bisher sei so etwas noch nie vorgekommen. Man zuckte die Schultern und wusch seine Hände in Unschuld. Man habe den künstlichen Mutterboden bzw. den Kompost auch nicht chemisch sterilisiert, sondern macht das bei Bedarf (wenn Rottetemperatur zu niedrig war) mit Dampf, um Samen und Krankheitserreger abzutöten.