Folge ich dem Artikel der AHS, stellt sich mir die Frage wieso Patrinia ein Kandidat für Sporenübertragung ist. Zufall? Wiesengräser bieten sich an. An denen beobachte ich gelegentlich Rost. Auch das verwächst sich wieder.
Mir scheint das nicht plausibel zu sein. Wahrscheinlich ist Patrinia nur zufällig unter Verdacht geraten und andere Pflanzen sind ebenfalls Kandidaten für Sporenüberträger des Taglilienrostes.
Dem muss ich widersprechen, denn ich habe mich im Studium sehr intensiv mit der Thematik und speziell diesem Rostpilz befasst und weiß deshalb ziemlich genau um die hohe Spezifität eines Phytopatho-Systems im Allgemeinen und das System
Hemerocallis - Puccinia hemerocallidis (Taglilienrost) im Speziellen. Die Taglilie ist der Sommerwirt,
Patrinia der Winterwirt und entsprechend der klimatischen Bedingungen durchläuft der Pilz unterschiedliche Entwicklungsstadien, für die unterschiedliche Sporentypen charakteristisch sind. Und da
Puccinia hemerocallidis ein eutypisch heterözischer Pilz ist, vollzieht er eben auch zum Winter hin den an einen Generationswechsel gekoppelten Wirtswechsel, sprich andere Sporenform, andere Spezifität, anderer Wirt. Und der ist definitiv
Patrinia.
Das ist wie bei dem Modellorganismus
Puccinia graminis, dem Getreiderostpilz, über den viel geforscht wurde, da er in befallenen Kulturen zu großen Ertragseinbußen führt. Als man seinerzeit erkannt hat, dass der Winterwirt die Berberitze ist, hat man erstmal alle Hecken in Weizenanbaugebieten umgenietet, um die Kette an dieser Stelle zu unterbrechen. Denn wie nach dem Winter das Frühjahr kommt, kommt nach der Kälte auch wieder Wärme und führt beim Pilz zum erneuten Generations- und daran gekoppelten Wirtswechsel zurück auf die Taglilie. Es ist wie ein Kreislauf.
Übrigens gibt es praktisch zu jeder Pflanze einen Rostpilz, da sich Pflanzen und Rostpilze ko-evolutionär entwickelt haben.
Ich hatte seinerzeit auch Mail-Kontakt mit Sue. Sehr nette Person.