@ zwerggarten - Darüber, ob die Hütte von Osman Kalin ein Schmuck für den öffentlich Raum ist, kann man sicher streiten

. Aber ich bleibe dabei, dass ich die Nutzung des Stück DDR-Landes auf der Westseite der Mauer mitten im kalten Krieg für die Pflanzung von Möhren und Kohl äußerst charmant finde.
Ich finde auch die Begrünung von Baumscheiben charmant und den eben benannten Kübel, der eventuell ohne behördliche Erlaubnis dazu beiträgt, die Straße etwas freundlicher zu gestalten - jaja, natürlich darf der nicht so stehen, dass der Papa mit dem Kinderwagen nicht mehr durchkommt, bei parkenden Autos bin ich da auch sehr empfindlich, was viele mir als Kleingeisterei auslegen.
In den 1970er Jahren haben Guerilla Gärtner in New York damit begonnen, innerstädtische Brachen einfach aufzuräumen, zu bepflanzen und damit einen Ort im meist ziemlich tristen Wohnviertel zu schaffen, wo sich Menschen begegnen können und Kinder sehen, dass Möhren in der Erde wachsen. Da stelle ich mich nicht auf die Seite der Grundstückseigentümer, die ihr Grundstück da einfach haben vermüllen und zuwuchern lassen, ohne es (außer evtl. spekulativ) zu nutzen. Solange bei der temporären grünen Nutzung nichts zerstört wird, weiß ich nicht, was dagegen sprechen soll.
Bei meiner Reise durch die Republik in Sachen Urban Gardening habe ich sehr viele Menschen getroffen, die alle mit glänzenden Augen davon erzählt haben, wie viel Freude es ihnen macht, ihre Hände in die Erde zu stecken. Manche hatten nur ein Hochbeet von 2qm auf dem Tempelhofer Feld. Einige hatten null Ahnung, z.B. traf ich dort Studenten, die Anfang Juni in der Mittagshitze Salatsetzlinge in die Erde stecken und gleich noch mit Gießwasser ertränkten. Naja, learning by doing. Und das erste geerntete Radieschen wurde mit Freudengeheul begrüßt durch 4 geteilt

. Aber sie hatten einen riesen Spaß, und das finde ich gut, dass ein Interesse da ist, sich mit Garten und Anbau überhaupt zu befassen - mit einem Leben neben der digitalen Welt.
In München bei dem Projekt O'pflanzt is hat mir imponiert, dass sie dort ihre Hochbeete, Sitzecken, Tomatenhaus etc. alles aus recyceltem Material gebaut haben, das anderswo entsorgt worden ist. Das Projekt interessiert sich auch sehr für die Problematik der Vernichtung von Lebensmitteln, die noch essbar wären und macht auf verschiedene Weise auf dieses Wegwerfproblem aufmerksam. Beim gemeinsamen Kochen werden solche Lebensmittel neben dem selbst anbauten Gemüse verwendet.
Es geht nicht um Perfektion, nicht um hohen Ertrag, es geht darum, auszuprobieren, zu lernen etc. Und natürlich gibt es dann auch immer wieder solche, die meinen, sie hätten das Rad neu erfunden und ganz lautstark verkünden, sie wären die Retter der Welt. Das gibt es aber immer.