An einer der versponnensten Stellen des Garten, dort wo die Clematis an einer fast 3 Meter hohen Strauchpfingstrose häkelt (Sorry, Annette) und einen abgestorbenen Pflaumenbau, der inzwischen auch eine Spechtschmiede ist, als hauptsächliche Stütze nutzt, wo Cercis canadensis sein rotes Laub Schatten fächernd über den niedrigeren Bewuchs ausbreitet, dabei mit Sorbus scalaris, der seine momentan duftigen Blütendolden dem Himmel entgegenstreckt um Vorherrschaft rangelnd, wo Lilien im Dämmerlicht der Sträucher nach einem Lichtstrahl haschen, um nur ja keine Gelegenheit für ihre Blütenknospen zu verschenken, dort wo Acer griseum allmählich sein Kindheitsstadium verlassen hat und seine inzwischen eingetretene Pubertät anhand von gefüllten Samenständen beweist und auch dort, wo eine intensiv blau blühende Hortensie ihre Blütenstände für ihr eigenes Fest vorbereitet und wo der Holzstapel aus duftenden Kiefern- und Pflaumenbaumscheiten demutsvoll dem nächsten Winter entgegenharrt…ja genau dort, an dieser gartenheiligen Stelle machte sich intensiver Aasgeruch breit.
Zwei Tage haben wir den Geruch negiert, doch heute musste Ursachenforschung sein. In einem Winkel des Holzstapels „lebte“ ein graues Gespinst, das ich zunächst für Spinnweben gehalten hatte, sich aber als ein mit robbenden Maden durchwebtes Fell entpuppte. Dann auch waren ein spitzer Schädel und ein buschiger Schwanz zu erahnen. Offenbar ein Marder, der dort das Zeitliche gesegnet hatte.
Doch was mit dem Kadaver tun? Woher den Mut nehmen, mit welchem Werkzeug gegen den Gestank und gegen diese Madenflut angehen? Und vor allem wohin mit dem Leichnam? In hohem Bogen auf das Nachbargrundstück werfen? Oder hinter unserem Grundstück inmitten des Wiesenweges, der den Bauern als Zufahrt zu Mähwiesen dient, stimmungsvoll drapieren?
Tiefe innere Einkehr, die Beschwörung tapferer (hoffentlich!) Ahnen, Kant gegen Luzifer führten zu der eigentlich naheliegendsten Lösung: Ein tiefes Loch an einer abgelegenen Stelle des Gartens. Dort darf er geruchsintensive und umtriebige Marder in Frieden ruhen (sollte er allerdings derjenige sein, der mir im Motorraum des Autos einige Kabel angeknabbert hat, verfluche ich ihn noch nachträglich).
Von meiner Frau habe ich mich ob meines Mutes, mich diesem Ekel zu stellen, feiern lassen. Nach einer Weile fragte sie allerdings zögernd und ein wenig stockend, ob dieses Begräbnis vielleicht eine Übung sei.