Der Männerkrieg
ist eine unserer wichtigsten Pflanzen.
Gedenke du, Beifuß, was du versprachst;
was du verrichtetest als ruhmvolle Kunde.
Una heissest du, älteste der Würze!
Du überwindest Dreie und Dreißige,
du überwindest Eiter und Anfälle,
du überwindest Leidkraft, die über Land fährt.
"Männerkrieg" heißt er, weil er ein Frauenkraut ist: Verhilft er doch Frauen zu Fruchtbarkeit, ungewollt Schwangeren aber zur Abtreibung der Leibesfrucht und erleichtert Geburten. Das Volk aber kennt meist nur eine seiner heilsamen Wirkungen: An den Fuß gebunden, wird der Wanderer nimmermehr müde, weshalb die zwei Ellen hohe Pflanze von den gemeinen Leuten Beifuß genannt wird.
Er löst Krämpfe, läßt, richtig angewandt, Muskeln erschlaffen, stillt Blutungen und ist wegen des Zusammenspiels der Wirkungen besonders wertvoll!
Auch läßt er gut schlafen, und der DEOGBAIRE nutzt ihn bei der Herstellung eines Rauschtrankes.
Berichtet wird auch: Wer in der Mittsommernacht eine Beifußpflanze ausgräbt, findet unter dem Wurzelstock ein Stück Kohle, das ihn, trägt er es mit sich, vor Verbrennungen, Pest, Karbunkel, Fieber und Blitzschlag schützt. Dies aber muß noch genauer erforscht werden.
Der Männerkrieg wird von den verwirrten Anhängern der Sonnengötter auch "Sonnwendgürtel" genannt. Anhänger der Sonnenwesen nennen den Männerkrieg die Mutter aller Kräuter, und sie bekränzen sich damit zur Mittsommernacht zum Schutz gegen Dämonen. Manche tragen auch einen aus der Wurzel oder dem Kraut geflochtenen Gürtel, wenn sie ums Feuer tanzen, um ihn anschließend zu verbrennen. Dies hat indes einen sehr realen Grund - auch wir nutzen den Männerkrieg zum Übertragungszauber: "Es gehe hinweg und werde verbrannt mit diesem Kraut all mein Unglück!“ Der Beifuß ist hilfreich bei Übergangsritualen jeder Art, um Altes zurück-und loszulassen. So vertreibt er zu SAMHAIN die Dämonen des Vorjahres. Doch auch gegen Feuer und Hagel und gegen den Bösen Blick taugt das Kraut, und dem DEOGBAIRE hilft es bei seinen Reisen ebenso wie den Toten: Ihnen legen wir Männerkriegbüschel auf den Scheiterhaufen.
Der Sonnwendgürtel gehört natürlich zu den Augustkräutern, die zu LUGHNASAD gesammelt und geweiht werden, wenn der Männerkrieg die unscheinbaren Blüten zeigt, und zwar bei zunehmenden oder besser noch Vollmond.