Wie kann ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?
Der Salbei,
ein fürwahr edles Kraut und ein Arkanum, darf nur mit der linken Hand gepflückt werden! Zudem muß vor dem Sammeln gefastet werden! Man findet ihn auf leichtem Boden in der Sonne; er wird bis drei Ellen hoch und hat silbrig-flaumige Blätter.
Unter allen Stauden ist kaum ein Gewächs über dem Salbey,
denn es dienet dem Arzt, Koch, Keller, Armen und Reichen.
Dem LIAIG dient die durchdringend duftende Pflanze bei Nachtschweiß, Erkrankungen der Atemwege, zu Spülungen und Waschungen des Mundraums sowie zur Waschung bei verschiedenen Hauterkrankungen; Räuchern am Krankenbett vertreibt die Krankheitsdämonen. Der DEOGBAIRE schätzt sie als Zutat für ein berauschendes Getränk, das, in Maßen genossen, aber auch dem Magen wohl tut. Dem FAITH hilft das Einatmen des Salbei-Rauches bei der Weissagung; auch werden mit dem Rauch die heiligen Plätze gesäubert.
Eben so vielfältig wie die Nutzung des Krautes sind seine Namen: Küchlikraut, Müsliblätter, Salbine, Scharlachkraut, Allerheilkraut, Altweiberschmecken, Rauhe Salbe, Tugendsabe, Zahnblätter…
Salbei ist der dreifachen Mutter geweiht und verlängert das menschliche Leben, wenn man ihn im Garten zieht, vor allem, wenn er im Mai gegessen wird. Wo er gut gedeiht, herrscht eine starke Frau im Haus! Diebe brauchen Salbeiblätter, um Schlösser zu öffnen.
Was seine Anwendung in der Magie betrifft, so können wir DRUI mit ihm die Toten erwecken (nur in Verbindung mit dem großen Ritual). Auch nutzen wir ihn als Mittel gegen Dämonen und Geister; doch der Eingeweihte weiß sie mit seiner Hilfe auch zu beschwören: Vergrabe ihn vier Wochen im Mist, so wandelt er sich in einen weißen Vogel mit Schlangenschwanz; bespritze den zu Verzaubernden mit dessen Blut, und er wird für vier Wochen oder länger dem Wahnsinn anheimfallen. Verbrenne aber den Vogel und streue seine Asche ins Feuer, so entstehen Blitz und Donner. Gebe das Pulver mit Baumöl und einem Docht aus Schlangenhaut in ein Gefäß und entzünde alles: Das Haus wird von Schlangen bevölkert werden. Bei entsprechender Vorbereitung wird ein Salbeistengel, in einen Bach geworfen, diesen austrocknen.
Pflückt eine junge Frau in der SAMHAIN-Nacht zur zwölften Stunde neun Salbeiblätter, ohne einen Zweig zu zerbrechen, so sieht sie den Schatten ihres zukünftigen Gatten im Mondlicht, oder einen Sarg, ist ihr bestimmt, ledig zu bleiben.
Für den Liebeszauber nimm ein Salbeiblatt, steche mit einer neuen Nadel drei Löcher darein, fädele in jedes Loch ein Haar des Liebsten, tauche das zusammengerollte Blatt in Wachs und spreche:“Ich tauf dich im Namen der dreifachen Mutter.“ Vergrabe dann das Blatt unter der Türschwelle des Angebeteten, und er wird dich lieb haben.
Ein geweihtes Büschel Salbei am Türstock ist ein wirksamer Hexenschutz. Im Neunerbuschen schützt er, in den Haus-, Stall- und Scheunenecken aufgehängt, vor Blitzschlag und Mensch und Vieh vor Krankheiten
Im Amulett um den Hals getragen, wirkt Salbei wider den bösen Blick. Das gemeine Volk schreibt gern seine Wünsche auf ein Blatt des Krautes, um es dann zu vergraben oder zu verbrennen.
Kinderlose Ehepaare bleiben vier Tage lang keusch, um sodann den Salbeisaft mit Salz zu trinken – das Kind wird kommen. Ißt eine Schwangere jedoch eine verzauberte Salbeisuppe, so wird sie eine Kröte zur Welt bringen.
Ein Sträußlein Salbei, gern auch mit Lavendel, hindert die FILID, aber auch die alten Leute, am Einschlafen bei den Ritualen, deshalb auch der Name „Altweiberschmecken“.
Weiters ist das Scharlachkraut die Schutzpflanze giftiger Kröten und ein Mäuseschreck in Scheune und Kammer. In die Randbeete gepflanzt, strahlen seine guten Einflüsse durch den Garten.